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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. Oktober 2015 Nab-Paclitaxel + Carboplatin – eindeutige Verbesserung gegenüber Standard-Erstlinientherapie beim NSCLC

Interview mit Prof. Wolfgang Schütte, Halle.

Nab-Paclitaxel (Abraxane®) ist seit kurzem für die Erstlinientherapie von Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC in Kombination mit Carboplatin zugelassen. Prof. Wolfgang Schütte, Chefarzt am Krankenhaus Martha-Maria in Halle-Dölau, sprach mit JOURNAL ONKOLOGIE über die Bedeutung dieser Zulassung und zukünftige mögliche Entwicklungen.

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Pflichttext

Wolfgang SchütteJOURNAL ONKOLOGIE: Herr Prof. Schütte, wie bewerten Sie die Daten der Zulassungsstudie mit nab-Paclitaxel + Carboplatin beim NSCLC im Kontext zugelassener Chemotherapien?


Schütte: Für das Lungenkarzinom gibt es mehrere zugelassene Chemotherapie-Kombinationen, meist beinhalten sie eine Partnerschaft mit Platin. Wichtige Kombinationen sind Docetaxel + Carboplatin oder Paclitaxel + Carboplatin. Diese sind gut wirksam, haben aber den Nachteil relativ hoher Toxizitäten. Ein wichtiger Aspekt ist die Neurotoxizität, die unter Umständen auch langfristig ein Problem darstellen kann, weil sie nicht immer reversibel ist. Hier liegt der große Vorteil von nab-Paclitaxel. Durch die Albumin-gebundene und daher lösungsmittelfreie Applikationsform ist die Toxizität deutlich geringer, da sich die Substanz weniger in Nicht-Tumorgeweben anreichert und außerdem anders verstoffwechselt wird. Damit ist nab-Paclitaxel in der Erstlinienbehandlung deutlich verträglicher als das konventionelle Paclitaxel. Des Weiteren ist es ganz wichtig für die nachfolgenden Therapien, dass man in der Firstline keine Vorschädigungen der Nerven induziert und somit in der Secondline möglichst viele Patienten noch behandeln kann.


JOURNAL ONKOLOGIE: Gibt es neben der Verträglichkeit weitere Aspekte, die für den Einsatz von nab-Paclitaxel sprechen?


Schütte: In der Zulassungsstudie von Socinski et al. erreichte nab-Paclitaxel eine signifikant höhere Remissionsrate von 33% im Vergleich zu konventionellem Paclitaxel mit 25%. Und hier konnte man relativ deutlich zeigen, dass Patienten mit Plattenepithelkarzinom eine viel günstigere Beeinflussung der Remissionsrate mit nab-Paclitaxel erfahren haben – so dass man sagen kann, dass diese Subgruppe besonders profitiert.


JOURNAL ONKOLOGIE: Profitieren noch andere Subgruppen?


Schütte: Die Subgruppenanalyse der Älteren hat gezeigt, dass der Einsatz von nab-Paclitaxel neben der Reduktion der Toxizität auch zu einem großen Überlebensvorteil geführt hat. Bei den über 70-Jährigen ist dieser hoch signifikant. Ein signifikanter Überlebensvorteil lässt sich aber auch schon bei der Altersgruppe der Patienten ≥ 60 Jahre feststellen. Inwieweit der Überlebensvorteil ein Produkt der verminderten Toxizität ist oder aber einen eigenen Effekt darstellt, bleibt noch offen. Man kann aber meines Erachtens davon ausgehen, dass noch ein eigener Effekt von nab-Paclitaxel besteht.

JOURNAL ONKOLOGIE: Was bedeutet die Kombination nab-Paclitaxel + Carboplatin +/- Bevacizumab für Patienten mit NSCLC ohne Rezeptormutation?

Schütte:
Für Patienten ohne Rezeptormutation, die firstline eine Chemotherapie bekommen sollen bzw. müssen, ist die Kombination nab-Paclitaxel + Carboplatin als eine eindeutige Verbesserung gegenüber Paclitaxel + Carboplatin anzusehen, weil erstens das Nebenwirkungsspektrum deutlich geringer ist und zweitens aufgrund der Albumin-gebundenen Applikationsform beim nab-Paclitaxel keine Prämedikation erfolgen muss und damit auch die applikationsinduzierten Nebenwirkungen geringer sind.

In der Kombination Carboplatin, Taxan und Bevacizumab, die immer mehr an Stellenwert gewinnt, ist ebenfalls durch den Austausch von Paclitaxel gegen nab-Paclitaxel eine Verbesserung festzustellen, weil nun diese Kombination weiter entwickelt werden könnte. Nab-Paclitaxel + Carboplatin wird laut Zulassung wöchentlich verabreicht. In der 3er-Kombination sollte aber das 3-wöchentliche Schema äquivalent zum konventionellen Paclitaxel gegeben werden.


Vielen Dank für das Gespräch!


Sehen Sie hier das Viedointerview.


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