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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. März 2020 NSCLC: Wachsende Real-Life-Datenbasis zum Einsatz von Nintedanib nach vorangegangener Immuntherapie

Nintedanib + Docetaxel nach Progress unter Chemo- und Immuntherapie

In den vergangenen 2 Jahren ist das Fundament an klinischen Alltagsdaten, die den Einsatz von Nintedanib (Vargatef®) in Kombination mit Docetaxel nach Progress unter Immuncheckpoint-Inhibition stützen, kontinuierlich gewachsen. Beim ESMO-IO wurden aktuelle Daten der prospektiven nicht-interventionellen Studie VARGADO präsentiert, in der eine erweiterte Patientenzahl zu dieser Therapiesequenz ausgewertet werden konnte (1)a. Auch die patientenindividuelle Anwendung (2) spricht für den Einsatz des 3-fach zielgerichteten Angiokinase-Inhibitors in der Zweitlinie nach vorangegangener Immuncheckpoint-Inhibition beim Adenokarzinom ohne therapierbare Treibermutation.
Welche Folgetherapie eignet sich für Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) ohne therapierbare Mutation, die unter einer Behandlung mit Immuncheckpoint-Inhibitoren progredient werden? Bei dieser aktuellen Fragestellung aus dem Praxisalltag rückt der Anschluss mit einer antiangiogenen Therapie mit dem oralen, 3-fach zielgerichteten Angiokinase-Inhibitor Nintedanib + Docetaxel in den Fokus (3)b. Eine wichtige Grundlage hierfür bildet die stetig wachsende Real-Life-Datenbasis der bereits seit 2015 im klinischen Alltag bewährten Therapieoption.


Erneut hohe Ansprechrate

Im Mittelpunkt der im Dezember 2019 vorgestellten aktuellen VARGADO-Analyse stehen Ergebnisse der Kohorte B (n=40) (1)a. Die Patienten dieser Kohorte wurden nach Progress unter Chemotherapie und nachfolgender Immuncheckpoint-Inhibition auf eine Drittlinientherapie mit Nintedanib + Docetaxel eingestellt. Erneut wurde eine hohe Ansprech (ORR)- und Krankheitskontrollrate (DCR) beobachtet: Die ORR lag bei 45% und die DCR war mit 86% weiterhin hoch. Die DCR stellt in der palliativen Therapiesituation ein patientenrelevantes Therapieziel dar und konnte in VARGADO erneut bestätigt werden (1)c.

Zudem konnte ein beachtenswertes medianes progressionsfreies Überleben (PFS) von 7,2 Monaten (95%-KI: 2,9-8,7) beobachtet werden, das frühere Datenanalysen bestätigt (Abb.1) (1)d.
 
Abb. 1: Medianes progressionsfreies Überleben (PFS) in der VARGADO-Studie (mod. nach (1)d).
Abb. 1: Medianes progressionsfreies Überleben (PFS) in der VARGADO-Studie.



Weitere Real-Life-Daten stützen VARGADO

VARGADO ist die derzeit einzige Studie, welche die Fragestellung zur Therapiesequenz „Antiangiogene Therapie nach Chemo- und Immuntherapie“ in der klinischen Routine prospektiv adressiert (3). Ergänzend hierzu liegen weitere Analysen und Studiendaten vor, die den Einsatz des 3‑fach zielgerichteten Angiokinase‑Inhibitors Nintedanib + Docetaxel nach Progress unter Immuncheckpoint-Inhibition unterstützen (Abb. 2): Eine jüngst publizierte Auswertung der europäischen prospektiven, nicht-interventionellen LUME-BioNIS-Studiee sowie eine vorliegende retrospektive Analyse eines spanischen Compassionate-Use-Programms (CUP)f zeigten ebenfalls hohe ORR und DCR unter Nintedanib + Docetaxel und stützen somit die Ergebnisse der VARGADO-Studie (4, 5).
 
Abb. 2: Real-Life-Datenlage (1, 4, 5).
Abb. 2: Real-Life-Datenlage (1, 4, 5).



Patientenindividuelle Anwendung und Therapiemanagement

Nintedanib bietet als Zweitlinientherapie Patienten auch in der praktischen Anwendung viele Vorteile: Als einzige oral verfügbare antiangiogene Substanz, die nach Erstlinienchemotherapie zugelassen ist, ermöglicht Nintedanib eine patientenfreundliche Einnahme, die gut in den Alltag integriert werden kann (2x tägl. im Abstand von ca. 12 Stunden; Abb. 3) (2)b.

Darüber hinaus ist Nintedanib in 2 Dosierungen verfügbar, die eine einfache und flexible Dosisanpassung bei möglichen auftretenden Nebenwirkungen zulassen (2). Zudem können ein proaktives Patientenmanagement, Patientenaufklärung, Diätanpassungen und (medikamentöse) Behandlungsmöglichkeiten das Management etwaiger Nebenwirkungen wie Diarrhoe und Erbrechen unterstützen (2, 6).

Nach Beendigung der Docetaxel-Kombinationstherapie ist eine Fortführung der Behandlung mit Nintedanib als Monotherapie gemäß der täglichen Einnahmeempfehlung möglich (2)g. So kann dem Patienten die Möglichkeit gegeben werden, sein Leben flexibler nach seinen individuellen Wünschen zu gestalten – denn bei einer oralen Monotherapie reduzieren sich im Gegensatz zu einer Infusion die häufigen Klinik- bzw. Ambulanzbesuche.


Fazit

Dank großer Fortschritte bei der Entwicklung effektiver Behandlungsoptionen in der letzten Dekade hat sich die Prognose für Patienten mit fortgeschrittenem Adenokarzinom der Lunge ohne therapierbare Mutation deutlich verbessert. In der Folge rückt das durchdachte Planen von Therapiestrategien für die Folgetherapien – über die Erstlinientherapie hinaus – in den Vordergrund (7).

Für eine antiangiogene Therapie mit Nintedanib in Kombination mit Docetaxel nach Erstlinienkombination Immuncheckpoint-Inhibition und Chemotherapie sprechen die stetig wachsende Datenbasis aus dem klinischen Alltag zum Einsatz nach Immuncheckpoint-Inhibition (1, 3-5) sowie Vorteile bei der patientenindividuellen Anwendung (2). Weitere Analysen und Studiendaten erweitern die Real-Life-Datenlage kontinuierlich.


Mit freundlicher Unterstützung von Boehringer Ingelheim


a VARGADO: Deutsche prospektive, nicht-interventionelle Studie, die u.a. Nintedanib + Docetaxel in der Drittlinie nach Erstlinienchemotherapie und anschließender Immuncheckpoint-Inhibition untersuchte (n=40).
b Nintedanib wird angewendet in Kombination mit Docetaxel zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem, metastasiertem oder lokal rezidiviertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit Adenokarzinom-Histologie nach Erstlinienchemotherapie.
c Zum Zeitpunkt der Analyse konnten objektive Ansprechraten und Krankheitskontrollraten von 29 Patienten evaluiert werden.
d Das mediane PFS (n=35) lag bei 7,2 Monaten (95%-KI: 2,9-8,7).
e LUME-BioNIS: Europäische prospektive, nicht-interventionelle Studie (NIS) zur Therapie mit Nintedanib + Docetaxel unter Routinebedingungen im klinischen Alltag. Studienziel: Evaluierung potenzieller Biomarker für die Nintedanib-Therapie.
f Retrospektive Analyse von Patienten eines spanischen Compassionate-Use-Programms (CUP): Nintedanib + Docetaxel nach Erstlinien-chemotherapie und anschließender Immuncheckpoint-Inhibition.
g Die Therapie mit Nintedanib kann nach Absetzen von Docetaxel fortgesetzt werden, solange ein klinischer Nutzen beobachtet wird oder bis eine inakzeptable Toxizität auftritt.



 


Experten-Kommentar

Prof. Dr. med. Christian Grohé, Berlin

JOURNAL ONKOLOGIE bat Prof. Dr. Christian Grohé, Chefarzt der Klinik für Pneumologie der Evangelischen Lungenklinik in Berlin, um einen Kommentar zur prospektiven, nicht-interventionellen Studie (NIS) VARGADO, welche u.a. die Wirksamkeit von Nintedanib + Docetaxel nach Erstlinienchemotherapie und anschließender Immuncheckpoint-Inhibition untersucht.


Herr Prof. Grohé, Sie sind Studienleiter der VARGADO-Studie. Welche Fragestellungen betrachten Sie in dieser Studie?

Mit der NIS VARGADO werden die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Nintedanib + Docetaxel unter Routinebedingungen im klinischen Alltag in Deutschland untersucht. Uns interessiert aktuell vor allem, ob nach Versagen einer Erstlinienchemotherapie in Kombination mit einem Immuncheckpoint-Inhibitor die Möglichkeit besteht, durch die Gabe eines Taxans in Kombination mit einem Multikinase-Inhibitor den Progress der Erkrankung zu verzögern. Wir wissen, dass Nintedanib in Kombination mit Docetaxel nach Immuncheckpoint-Inhibition wirksam sein kann, wissen jedoch noch zu wenig über die Therapiesequenz: Dazu benötigen wir Daten aus dem klinischen Alltag.


Wie viele Patienten sind derzeit in die VARGADO-Studie eingeschlossen?

Es sind bereits über 400 Patienten eingeschlossen; ein sehr erfreulicher Verlauf, sodass wir aktuell eine Erweiterung auf 500 Patienten voranbringen konnten. Diese Patienten können wir prospektiv evaluieren, und das in einem Bereich, in dem es wenig klassische, randomisierte Phase-III-Studien gibt.


Welche Erkenntnisse lieferten die VARGADO-Daten bisher?

Wir haben aktuell Daten zu Nintedanib + Docetaxel aus der Patientenkohorte B analysiert, d.h. nach erfolgter Zweitlinienmonotherapie mit Immunonkologika: Hier wurde eine hohe Ansprechrate von 45% beobachtet. Auch die individuellen Patientenverläufe sind sehr beeindruckend. Zudem zeigen die aktuellen Auswertungen ein beachtliches medianes progressionsfreies Überleben (PFS) von 7,2 Monaten bei Patienten, die Nintedanib + Docetaxel nach einer Zweitlinienimmuntherapie erhalten haben. Wir sehen ähnliche Signale auch in anderen Auswertungen und europäischen Studiendaten zu Nintedanib, z.B. im Rahmen der LUME-BioNIS-Studie.


Was können Sie zur Verträglichkeit der Kombination Nintedanib + Docetaxel sagen?

Im Rahmen der VARGADO werden auch die Nebenwirkungsprofile unter Routinebedingungen erhoben. Die bisherigen Erfahrungen aus der VARGADO-Studie bestätigen das bekannte Verträglichkeitsprofil von Nintedanib, sodass wir sehr zufrieden sind.


Was kann aus den Ergebnissen der VARGDO für die tägliche Praxis mitgenommen werden?

Bei der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Adenokarzinom in der palliativen Therapiesituation ist die Kontrollierbarkeit der Erkrankung von zentraler Bedeutung. Daher ist in der Erstlinie eine Behandlung mit einem Immuncheckpoint-Inhibitor +/- Chemotherapie Standard. In der Zweitlinie sollte ein Umdenken stattfinden und ein Wechsel des Therapieprinzips berücksichtigt werden. Eine antiangiogene Therapie mit Nintedanib + Docetaxel kann nach Progress unter Immuncheckpoint-Inhibition eine sinnvolle Therapieoption darstellen. Die Daten aus VARGADO bieten uns hilfreiche Hinweise zur Therapiewahl in dieser Sequenz.

Vielen Dank für das Gespräch!


Mit freundlicher Unterstützung von Boehringer Ingelheim
 
Pflichttext Vargatef

Literatur:

(1) Grohé C et al. Ann Oncol 2019;30(suppl 11): mdz449.020. https://doi.org/10.1093/annonc/mdz449.020.
(2) Fachinformation Vargatef®.
(3) Grohé C et al. Future Oncol 2019;15:2699-706. doi:10.2217/fon-2019-0262.
(4) Reck M et al. Ann Oncol 2019;30(suppl11):mdz449.034. https://doi.org/10.1093/annonc/mdz449.034.
(5) Corral J et al. Clin Transl Oncol 2019; doi:10.1007/s12094-019-02053-7.
(6) Reck M et al. Lancet Oncol 2014;15(2):143-155.
(7) Onkopedia-Leitlinie Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC), der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V., Stand Oktober 2019.


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