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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

11. Dezember 2001 NSCLC: Offene Fragen und neue therapeutische Strategien

Dr. med. Rodrigo Hepp und Dr. med. Wilfried Eberhardt, Essen

Auf der 20. Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Onkologie (ASCO) in San Franzisko wurden unterschiedliche neue Konzepte in der Therapie des Bronchialkarzinoms vorgestellt. Im folgenden sollen einige richtungsweisende Beiträge zusammengefasst und kurz kommentiert werden.
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Die adjuvante, postoperative Behandlung beim operierten nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) mit zytostatischen Substanzen sowie auch ersten sogenannten Immunmodulatoren wird weiterhin im Rahmen von randomisierten Studien geprüft. In diesem Jahr konnten zwei kleinere randomisierte Untersuchungen im Stadium IIIA für die postoperative cisplatinhaltige Chemotherapie (Ichinose: Abstract 1241) bzw. Chemo-radiotherapie (Wolf: Abstract 1242) allerdings keine signifikanten Verbesserungen nachweisen. Wir werden also weiterhin auf die wichtigen Langzeitergebnisse der grossen Adjuvansstudien nach kompletter Resektion früher Stadien (ALPI, IALT, NCI-Canada) warten müssen, bevor die Frage der adjuvanten cisplatinhaltigen Chemotherapie klar zu beantworten ist. Innovative Substanzen Eine weitere Studie aus Japan hat interessante Ergebnisse bei 400 Patienten mit operiertem Plattenepithelkarzinom im Stadium I des NSCLC erbringen können: Ubemidex, ein Aminopeptidaseinhibitor, dem immunmodulatorische und auch antiangiogenetische Wirkungen zugeschrieben werden, konnte in dieser prospektiv-randomisierten Studie bei postoperativer Gabe zu signifikant besseren Langzeitüberlebensraten nach 5 Jahren führen (81% versus 74%, p=0,02; Kato: Abstact 1225). Der genaue Wirkmechanismus der Substanz ist allerdings nicht bekannt, deshalb sind zusätzliche Bestätigungsstudien zu fordern bzw. bereits in Planung.
In fortgeschrittenen Krankheitsstadien des NSCLC muss die zytostatische Therapie weiterhin als palliative Maßnahme angesehen werden. Mittlerweile werden aber erste Pilotstudien mit neuen biologischen Therapieprinzipien an zellulären, molekularen Targets vorgestellt. Hierzu gehört zum einen die intrazelluläre Signaltransduktionskette. So gibt es jetzt erste präliminäre Ergebnisse mit der Kombination aus Chemotherapie und einem oral applizierbaren Thyrosinkinase-Inhibitor, der im Bereich des EGF-Rezeptors angreift (OSI-774; Perez-Soler: Abstract 1235). Aufgrund der vielversprechenden Phase-II- Daten dieser Studie hat bereits eine konsekutive Phase-III-Studie mit der Rekrutierung begonnen. Molekulare Targets Vergleichbar interessant scheint eine Blockade der Expression der Proteinkinase C alpha mittels Antisense-Konstrukten zu sein. Die vorgestellten Phase-II Ergebnisse an einem selektionierten Kollektiv von immerhin 53 Patienten sind mit einer medianen Überlebenszeit von 15,9 Monaten im Stadium IIIB und IV außerordentlich günstig. Als Konsequenz hieraus wird momentan ebenfalls eine grosse Phase-III-Studie zur Bewertung dieser neuen Therapiestrategie durchgeführt.
Leider konnten die ersten Ergebnisse einer internationalen randomisierten Phase-III-Studie zur Prüfung des Matrixmetalloproteinase-Inhibitors Prinomastat zusätzlich zur zytostatischen Therapie beim metastasierten NSCLC im Stadium IV keine signifikante Verbesserung sowohl des Gesamt- als auch des progressionsfreien Überlebens zeigen (Mercier: Abstract 1226). Damit sind für die Matrixmetalloproteinase-Inhibitoren bisher beim Bronchialkarzinom keine positiven Befunde erbracht worden.
Neben den unterschiedlichen neuen Substanzen mit innovativem Wirkungsprofil sind die Ergebnisse zur rein zytostatischen Erhaltungstherapie bzw. zur Dauer der zytostatischen Behandlung dagegen enttäuschend: So kann eine Erhaltungstherapie im Stadium IV nach Erreichen einer objektiven Remission keinen weiteren signifikanten Vorteil erzielen (Depierrel: Abstract 1231). Vergleichbar zeigt eine Behandlung von 8 Zyklen gegenüber einer kurzen Behandlung von 4 Zyklen im Stadium IV mit cisplatinhaltiger Chemotherapie keinen deutlichen Vorteil im randomisierten Vergleich (Socinski: Abstract 1232).
Eine vollkommen andere Situation stellt das Stadium IIIB nach multimodaler Behandlung mit definitiver Chemostrahlentherapie dar. So scheint hier eine Konsolidierungsbehandlung mit Docetaxel interessante Langzeitergebnisse zu induzieren (Gaspar et al: Abstract 1255). Diese Daten müssen allerdings erst im randomisierten Vergleich weiter abgesichert werden. Auffällig war bei der vielversprechenden medianen Überlebenszeit von 27 Monaten und der beobachteten 3-Jahres-Überlebensrate von 40% allerdings der ausgesprochen hohe Anteil an primär zerebralen Metastasen. Hieraus ergibt sich ein weiteres zusätzliches Argument, auch beim NSCLC die Wertigkeit einer prophylaktischen Ganzschädelbestrahlung in prospektiven klinischen Studien zu untersuchen.

Quelle: Universitätsklinikum Essen (Tumorforschung), Hufelandstrasse 55, 45122 Essen


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