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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. September 2016 NSCLC: Nintedanib als Therapieoption in der Zweitlinie beim Adenokarzinom

Interview mit Dr. med. David Heigener, Oberarzt, onkologischer Schwerpunkt, LungenClinic Großhansdorf.

Die Therapielandschaft in der Zweitlinie des fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) hat sich in den letzten ein bis zwei Jahren erweitert. Wir sprachen mit Dr. David Heigener, Großhansdorf, über die aktuellen Therapieoptionen und welche Kriterien er im klinischen Alltag zur Therapieentscheidung für den einzelnen Patienten heranzieht.
David Heigener
JOURNAL ONKOLOGIE: Wie ordnen Sie die aktuellen Therapieoptionen in der Zweitlinie des fortgeschrittenen NSCLC ein und welche neuen Herausforderungen ergeben sich daraus?

Heigener:
In den letzten beiden Jahren hat sich vor allem durch die Ergänzung antiangiogener Substanzen zur Chemotherapie viel getan: Zum einen stehen jetzt Nintedanib als orale Therapie beim Adenokarzinom und der monoklonale Antikörper Ramucirumab für alle NSCLC-Histologien zur Verfügung – beides in Kombination mit Docetaxel. Darüber hinaus können wir seit kurzem auch die Immuntherapie für das gesamte Spektrum der NSCLC nutzen und haben somit jetzt eine gute Auswahl an Therapien.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Faktoren legen Sie der Therapiewahl zugrunde?

Heigener:
Ein wichtiger Faktor ist der Allgemeinzustand des Patienten, zweiter Entscheidungspunkt ist die Histologie: Beim Plattenepithelkarzinom ist eine Therapie mit Nivolumab, sprich eine Immuntherapie die Therapie der ersten Wahl in der Zweitlinie. Beim nicht-plattenepithelial differenzierten Tumor, insbesondere beim Adenokarzinom, bestehen mehr Therapiealternativen: Gerade Patienten, die innerhalb von 9 Monaten nach Beginn der Erstlinientherapie progredient waren oder nicht auf die Erstlinie ansprachen, profitierten besonders von der Kombination mit Docetaxel und der antiangiogenen Substanz Nintedanib. Ein weiterer Punkt ist die PD-L1-Expression: Bei einem Patient mit niedriger Expression wäre ebenfalls die Gabe von Nintedanib + Docetaxel Therapie der Wahl.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welchen Stellenwert hat die Kombinationstherapie Nintedanib (Vargatef®) + Docetaxel in Anbetracht der erweiterten Therapielandschaft in der klinischen Praxis?

Heigener:
Nintedanib + Docetaxel ist eine Kombination, die uns im Therapiealltag bereichert, sie erreichte ein medianes Überleben von über einem Jahr. Das ist im Vergleich zu den 7 Monaten, die wir von den zuvor verfügbaren Therapieoptionen kannten, eine deutliche Verbesserung. Wichtig ist, dass es unter Nintedanib + Docetaxel nicht zu einer zusätzlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität im Vergleich zur Docetaxel-Monotherapie kam. Das Nebenwirkungsprofil ist sehr gut zu handhaben und geht kaum über das von Docetaxel hinaus; Durchfall z.B. ist mit einem vorausschauenden Management gut zu kontrollieren.


JOURNAL ONKOLOGIE: Bestätigen sich die LUME-Lung 1-Daten für Patienten mit aggressivem Krankheitsverlauf bei Ihnen in der klinischen Praxis?

Heigener:
Ja, wir haben Patienten häufig mit dieser Kombination behandelt, z.B. einen Patienten mit einem metastasierten Adenokarzinom der Lunge, der eine Erstlinientherapie mit Cisplatin und Pemetrexed erhalten hatte, jedoch nach 4 Monaten bereits eine Progression zeigte. Die Erhaltungstherapie beim asymptomatischen Patienten wurde noch fortgesetzt, aber nach 8 Monaten lag eine weitere Progression vor, sodass er auf Nintedanib + Docetaxel umgestellt wurde. Darunter kam es zu einer Remission und immerhin 9 Monaten progressionsfreiem Intervall, was in dieser Therapiesituation schon als Erfolg zu werten ist.


JOURNAL ONKOLOGIE: Für welche Patienten ist Nintedanib + Docetaxel aus Ihrer Sicht die Therapie der Wahl?

Heigener:
Nintedanib + Docetaxel eignet sich insbesondere für Patienten mit aggressivem Krankheitsverlauf, also u.a. Patienten, die eine frühe Progression nach einer Erstlinientherapie erleiden. Die zweite große Gruppe sind Patienten mit niedriger oder nicht vorhandener PD-L1-Expression im Tumor. Die dritte Gruppe sind Patienten, die sich prinzipiell für eine Immuntherapie gut eignen, unter dieser aber progredient sind. Und zu guter Letzt gibt es ein Kollektiv von Patienten, das sich auf Grund von Kontraindikationen nicht für eine Immuntherapie qualifiziert, z.B. wegen chronisch entzündlicher Darmerkrankung, rheumatoider Arthritis oder Psoriasis. Hier würde man auch auf die Kombination Nintedanib + Docetaxel zurückgreifen.


Vielen Dank für das Gespräch!

Mit freundlicher Unterstützung der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG

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