Donnerstag, 22. August 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

26. März 2014 NSCLC: Drei Jahre kein Progress bei guter Lebensqualität unter Afatinib (GIOTRIF®)

Fortgeschrittenes NSCLC mit EGFR-M+ - Aktueller Fall aus der klinischen Praxis

Afatinib* (GIOTRIF®) ist eine neu zugelassene Erstlinientherapie für Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und aktivierender EGFR-Mutation (EGFR-M+). Unter Behandlung mit dem irreversiblen ErbB-Family-Blocker erreichten Patienten der Subgruppe mit häufigen EGFR-Mutationen (del19/L858R) in der Zulassungsstudie LUX-Lung 3 ein progressionsfreies Überleben (PFS) von 13,6 Monaten vs. 6,9 Monaten unter Cisplatin/Pemetrexed (Abb. 1) (1). Die von Dr. Wilfried Eberhardt vom Universitätsklinikum Essen vorgestellte Kasuistik zeigt, dass der im Rahmen der Zulassungsstudie LUX-Lung 3 behandelte Patient von Afatinib mit einem PFS von insgesamt 3 Jahren profitierte. Wie in LUX-Lung 3 insgesamt bestätigt, hatte er zudem eine gute Lebensqualität (2). "Fälle wie dieser sind ermutigende Beispiele für die erreichten Fortschritte beim NSCLC", so Dr. Eberhardt.

Anzeige:
Fachinformation

Eine möglichst lange progressionsfreie Zeit und eine effektive Symptomkontrolle bei guter Lebensqualität gehören zu den wichtigsten Zielen der NSCLC-Therapie. Die Wahl der optimalen Therapie ist besonders wichtig, da die Leitsymptome der Erkrankung - Husten, Atemnot und Schmerzen - die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigen können. NSCLC-Patienten wünschen sich daher eine Behandlung, die es ihnen ermöglicht, ihr gewohntes Alltagsleben möglichst lange weiterzuführen.
 

Die Kasuistik auf einen Blick

Patient, 53 Jahre, Nieraucher

Symptome:
- Husten

Diagnose: 2/2010
- NSCLC, Stadium IV
- ossäre und hepatische Metastasierung
- EGFR-Mutation

Therapie: 3/2010 bis 3/2013 (3 Jahre)
- 40 mg Afatinib p.o. täglich

Therapieergebnis:
- deutliche partielle Remission des Primärtumors und der Lebermetastase
- kein Husten mehr
- gute Lebensqualität

Verträglichkeit:
- Nebenwirkungen: Diarrhoe Grad 1, Rash Grad 2, Paronychie, kurzfristig Grad 2; alle Nebenwirkungen waren gut therapierbar

Therapie nach Progress: 3/2013
- Cisplatin + Pemetrexed

Afatinib verbesserte in der Zulassungsstudie die krankheitsbedingten Symptome und verlängerte das Zeit-intervall bis zur klinisch relevanten Verschlechterung der krankheitsbedingten Symptome. Ein verzögertes Auftreten der tumorspezifischen Symptome ist klinisch relevant, da Patienten in gutem Allgemeinzustand für längere Zeit weniger durch Symptome belastet werden. Dies wirkte sich in den Phase-III-Studien LUX-Lung 3 und LUX-Lung 6 positiv auf die Lebensqualität insgesamt aus (1-4). Ein proaktives Therapiemanagement kann die Lebensqualität der Patienten unter Therapie positiv beeinflussen, wie der folgende Fall demonstriert.
 

Abb. 1: LUX-Lung 3: GIOTRIF® verdoppelte nahezu das PFS bei Patienten mit häufigen EGFR-Mutationen (del19/L858R) (1, 2).
 

Diagnose: Fortgeschrittenes NSCLC

Der 53jährige Mann stellte sich wegen eines ausgeprägten trockenen Reizhustens im Februar 2010 bei seinem Hausarzt vor. Aufgrund eines auffälligen Befunds im Röntgen Thorax wurde eine CT veranlasst. Die Aufnahme zeigte einen rechts lateral gelegenen Tumor mit mediastinalen Lymphknoten und eine Lebermetastase. Darüber hinaus wurde skelettszintigraphisch eine multiple ossäre Metastasierung festgestellt. Bis auf den Husten hatte der Patient trotz der ausgedehnten Erkrankung keine weiteren Symptome. Die histopathologische Untersuchung ergab ein nicht-kleinzelliges Adenokarzinom der Lunge im Stadium IV (T2N2M1b nach IASLC-Klassifikation). Im Rahmen der Anamnese wurden eine arterielle Hypertonie und eine Hyperlipoproteinämie dokumentiert. Der Patient war Nieraucher.

Therapie: Erstlinienbehandlung mit Afatinib

Als potenzieller Kandidat für die Phase-III-Studie LUX-Lung 3 wurde der Patient auch hinsichtlich des Mutationsstatus untersucht. Die molekular-pathologische Analyse der Tumorprobe ergab eine aktivierende EGFR-Mutation (del19). Damit lagen alle therapierelevanten Informationen vor. Der Patient stimmte einer Teilnahme an der LUX-Lung 3-Studie zu und wurde auf Afatinib randomisiert. Ab März 2010 begann die orale Therapie mit täglich 40 mg Afatinib.

Abb. 2: LUX-Lung 3: GIOTRIF® führte zu einer signifikanten Verbesserung der Ansprechrate vs. Cisplatin/Pemetrexed (1, 2).
 

Ergebnis: Rasches und lang anhaltendes Ansprechen

Der Patient sprach schnell und sehr gut auf die Therapie mit Afatinib an. Bereits 6 Wochen nach Beginn der Behandlung zeigte sich im CT eine deutliche partielle Remission des Primärtumors und der Lebermetastase (Abb. 2). Dies korrelierte mit einer deutlichen Verbesserung der initialen Symptombelastung - der Patient hatte keinen Husten mehr, und sein Allgemeinzustand entsprach ECOG 0. Insgesamt nahm er Afatinib von März 2010 bis März 2013 ein. Durch die anhaltende Remission konnte somit 3 Jahre lang eine relevante Krankheitskontrolle erreicht werden. Da der Patient darüber hinaus eine gute Lebensqualität hatte, äußerte er sich sehr zufrieden über die Behandlung.

Interdisziplinäres Therapiemanagement

Da mögliche Nebenwirkungen unter einer Therapie mit EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitoren vor allem in den ersten Wochen beobachtet werden, wurde der Patient in dieser Zeit engmaschig betreut. Eine anfängliche, leichte Diarrhoe (Grad 1) war ohne Behandlung bereits nach einer Woche wieder verschwunden. Behandlungsbedürftige TKI-typische Hautreaktionen waren Rash/Folliculitis und eine Paronychie (jeweils Grad 2, bei Rash nur kurzfristig). Der Hautausschlag besserte sich nach topischer Anwendung von Metronidazol und systemischer Minocyclin-Therapie.  Bezüglich der zunächst rezidivierenden Paronychie erfolgte eine interdisziplinäre Abstimmung mit den Dermatologen des Klinikums. Die Anwendung der empfohlenen kortikoidhaltigen Externa sowie die Einhaltung von bestimmten Verhaltensregeln durch den Patienten führten zu einer deutlichen Besserung auf Grad 1. Insgesamt beeinträchtigten die geringgradigen temporären Nebenwirkungen das Befinden des Patienten kaum. Dies spiegelte sich auch darin wider, dass seine Lebensqualität während der gesamten Therapie gut war.

Weiterer Therapieverlauf

Im März 2013 kam es zu einer Zunahme der Krankheitsaktivität im Primärtumor. Im CT bestätigte sich ein Krankheitsprogress, aufgrund dessen eine konventionelle Chemotherapie mit Cisplatin/Pemetrexed eingeleitet wurde.

Fazit

Der Patient hat unter Afatinib-Therapie aufgrund der erreichten Langzeitremission drei Jahre nahezu beschwerdefrei gelebt. Dies ist für ein NSCLC im Stadium IV eine relevante Zeitspanne. Gleichzeitig führte die Behandlung zu einer signifikanten Besserung des initialen Leitsymptoms Husten und einer guten Lebensqualität. Dieser Erfolg konnte mit einem adäquaten Therapiemanagement unterstützt werden. Dadurch war es möglich, Afatinib über die gesamten 3 Jahre ohne Dosisreduktionen zu geben und die Wirksamkeit bestmöglich auszuschöpfen. Daran anknüpfend konnte er auch noch einer Zweitlinientherapie zugeführt werden.

Anne Krampe-Scheidler

*Afatinib ist zugelassen zur Behandlung von EGFR-TKI-naiven erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem und/oder metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit aktivierenden EGFR-Mutationen.


Literaturhinweise:
(1) Sequist L et al. J Clin Oncol 2013;31(27):3327-3334.
(2) Yang J et al. J Clin Oncol 2013;31(27):3342-3350.
(3) Wu YL et al. J Clin Oncol 31, 2013 (suppl; abstr 8016).
(4) Geater SL et al. J Clin Oncol 31, 2013 (suppl; abstr 8061).


Mit freundlicher Unterstützung der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG


Das könnte Sie auch interessieren

Frauenärzte warnen vor Folgen von Bewegungsmangel

Frauenärzte warnen vor Folgen von Bewegungsmangel
© Picture-Factory / Fotolia.com

Das Leben des Stubenhockers ist riskant: Wer körperliche Bewegung und sportliche Aktivitäten scheut, verzichtet auf einen Universalschlüssel zur Förderung der Gesundheit und zur Prävention zahlreicher schwerer Erkrankungen - Männer wie Frauen, Jung wie Alt. „Der heutige Mensch ist nicht für körperliche Passivität geschaffen. Die Evolution hat ihn noch nicht an die überwiegend sitzenden Tätigkeiten der Zivilisationsgesellschaft...

Wacken & DKMS: Gemeinsam gegen Blutkrebs

Wacken & DKMS: Gemeinsam gegen Blutkrebs
© DKMS gemeinnützige GmbH

Die DKMS ist zum vierten Mal mit einer Registrierungsaktion Teil des Wacken Open Air Festivals (W:O:A). Vom 3. bis zum 5. August 2017 können sich Besucher nicht nur über die lebensrettende Arbeit der internationalen gemeinnützigen Organisation informieren sondern sich auch als potenzielle Spender aufnehmen lassen. Parallel sind die Unterstützerinnen der Initiative „Wacken hilft“ mit viel Herzblut im Einsatz und verkaufen im Ort selbst gebackenen Kuchen zugunsten der DKMS...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"NSCLC: Drei Jahre kein Progress bei guter Lebensqualität unter Afatinib (GIOTRIF®)"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren