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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. Oktober 2019 Fortgeschrittenes NSCLC mit Adenokarzinom-Histologie ohne therapierbare Mutation: Real-Life-Daten stützen Einsatz von Nintedanib + Docetaxel nach Immuncheckpoint-Inhibition

Wenn Patienten mit einem fortgeschrittenen Adenokarzinom der Lunge ohne therapierbare Mutation nach der Erstlinientherapie mit einer Kombination aus Immuncheckpoint-Inhibition und Chemotherapie progredient werden, stellt sich die Frage nach einem geeigneten Therapiekonzept für die Zweitlinie. Vieles spricht in dieser Situation für das antiangiogene Therapieprinzip mit dem 3-fach zielgerichteten Angiokinase-Inhibitor Nintedanib (Vargatef®) in Kombination mit Docetaxel. Eine aktuelle Analyse aus der Real-Life-Studie VARGADO kann zusätzliche Orientierungshilfe bei der Therapiewahl bieten.
Seit der Zulassung kombinierter Therapieprinzipien aus Immuncheckpoint-Inhibition und Chemotherapie in der Erstlinie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) ohne therapierbare Mutation haben sich die Behandlungsstrategien stark weiterentwickelt und verändert: Kombinationstherapien bilden inzwischen den Standard of Care.

Werden Patienten unter der Erstlinientherapie progredient, stellt sich die Frage nach einem geeigneten Therapiekonzept für die Zweitlinie. Beim fortgeschrittenen Adenokarzinom der Lunge gewinnt in der Folgetherapie das antiangiogene Therapieprinzip mit einem Multikinase-Inhibitor zunehmend an Bedeutung (1)a.


Resistenzentwicklungen entgegenwirken

Ein zentraler Aspekt bei der Therapiewahl in der Folgelinie ist es, entstandenen Resistenzentwicklungen in der Progresssituation entgegenzuwirken.

Resistenzmechanismen in Folge eines Progresses unter Immuncheckpoint-Inhibition sind komplex (2). Im Zusammenhang mit dem Tumorprogress unter Immuncheckpoint-Inhibition ist beschrieben, dass es zur Entstehung einer immunsuppressiven Tumorumgebung kommt. Hierbei spielen neben VEGFR-vermittelten Signalwegen auch PDGFR- und FGFR-vermittelte Signalwege eine wichtige Rolle (3).

Der 3-fach zielgerichtete Angiokinase-Inhibitor Nintedanib, der die Tyrosinkinase-Rezeptoren der Wachstumsfaktoren VEGF (vascular endothelial growth factor), FGF (fibroblast growth factor) sowie PDGF (platelet-derived growth factor) inhibiert, bietet gegenüber einfach zielgerichteten Substanzen den Vorteil, dass auch alternative Signalwege, die die Angiogenese erneut stimulieren können, blockiert werden (3, 4).


Orientierungshilfe durch Real-Life-Daten

Neben dem 3-fach zielgerichteten Wirkmechanismus sprechen Daten aus der Versorgungsrealität für die anti-angiogene Therapie mit Nintedanib in Kombination mit Docetaxel und bieten Orientierungshilfe für die Therapieentscheidung in der Zweitlinie (5-7).

So wurden beim ESMO 2019 Ergebnisse mit erweiterter Datenbasis der nicht-interventionellen Studie VARGADO präsentiert, die u.a. die Wirksamkeit von Nintedanib + Docetaxel nach vorausgegangener Chemotherapie und Immuncheckpoint-Inhibition untersucht (n=32b) (7). Dabei konnte eine objektive Ansprechrate (ORR) von 50% und eine Krankheitskontrollrate (DCR) von 79% beobachtet werdenc. Das progressionsfreie Überleben (PFS) nach Chemotherapie und Progress unter Immuncheckpoint-Inhibition lag bei 7,1 Monatend (Abb. 1) (7).

Die Ergebnisse der Real-Life-Studie VARGADO liefern somit wichtige prospektive Daten zur Therapiesequenz nach vorausgegangener Immuncheckpoint-Inhibition (6, 7) und damit einen weiteren wertvollen Anknüpfungspunkt für die Therapieplanung in der Zweitlinie.
 
Abb. 1: Progressionsfreies Überleben (PFS) in der VARGADO-Studie (mod. nach (7)).
Abb. 1: Progressionsfreies Überleben (PFS) in der VARGADO-Studie (mod. nach (7)).



Patientenindividueller Einsatz

Neben der Datenlage unterstützt auch die patientenfreundliche Einnahme den Einsatz von Nintedanib + Docetaxel nach Progress unter Immuncheckpoint-Inhibition (6, 7). Als einzige – nach Erstlinienchemotherapie zugelassene – oral verfügbare antiangiogene Substanz ermöglicht Nintedanib eine patientenfreundliche Einnahme, die 2x täglich im Abstand von 12 Stunden erfolgt (8). Nach Beendigung der Docetaxel-Kombinationstherapie kann Nintedanib als Monotherapie fortgesetzt werden und dem Patienten damit weiterhin eine hohe Unabhängigkeit und Lebensqualität ermöglichen (8)e. Zudem ist Nintedanib in 2 Dosierungen verfügbar, die eine einfache und flexible Dosisanpassung bei etwaigen Nebenwirkungen erlaubt (8).


Einblick in den klinischen Alltag: Nintedaniba nach Progress unter Immuncheckpoint-Inhibition

Berichtet von Dr. Miriam Möller, Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie und Koordinatorin des Lungenkrebszentrums, Standort Halle-Dölau
Interaktive Falldiskussion NSCLC: Sie entscheiden mit!


Durch die Umstellung auf Nintedanib + Docetaxel nach Progress unter Immuncheckpoint-Inhibition konnte innerhalb kurzer Zeit ein gutes Ansprechen mit einer guten Krankheitskontrolle erreicht werden. Auch unter Nintedanib-Erhaltungstherapie wurde eine Krankheitsstabilisierung bei guter Verträglichkeit bestätigt.
 
A) Massiver Größenprogress einer Lymphknoten-Metastase zwischen linkem Vorhof und Aorta descendens unter Immuncheckpoint-Inhibition B) Partielle Remission nach Umstellung auf Nintedanib + Docetaxel C) Stabile Erkrankung unter Nintedanib-Erhaltungstherapie.
Abbildung Kasten


Fazit für die Praxis

Die antiangiogene Therapie mit dem 3-fach zielgerichteten Angiokinase-Inhibitor Nintedanib in Kombination mit Docetaxel hat in der Zweitlinie eine neue Relevanz bei der Wahl der Therapie nach Progress unter der Erstlinienkombination aus Immuncheckpoint-Inhibition und Chemotherapie erlangt – das unterstreichen auch aktuelle Leitlinienempfehlungen (1, 9). Zusätzlich gestützt wird dies durch Real-Life-Daten der nicht-interventionellen Studie VARGADO sowie die einfache, flexible Dosierung und gut handhabbare Nebenwirkungen unter Nintedanib + Docetaxel (6-8).


Mit freundlicher Unterstützung von Boehringer Ingelheim

 
Pflichttext

Literatur:

(1) Onkopedia-Leitlinie Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC), der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V., Stand: Nov. 2018.
(2) Fukumura D et al. Nat Rev Clin Oncol 2018; 15:325-40.
(3) Claesson-Welsh L et al. Ups J Med Sci 2012; 117:178-86.
(4) Hilberg F et al. Cancer Res 2008;68(12):4774-82.
(5) Corral J et al. Clin Transl Oncol 2019; doi:10.1007/s12094-019-02053-7.
(6) Grohé C et al. Future Oncol 2019;15:2699-2706. doi: 10.2217/fon-2019-0262.
(7) Grohé C et al. ESMO 2019, Abstract 2739.
(8) Fachinformation Nintedanib (Vargatef®), Stand: August 2019.
(9) Planchard D et al. Ann Oncol 2018;29 (Supplement_4):iv192-iv237.

a Nintedanib in Kombination mit Docetaxel bei Adenokarzinom-Histologie nach Erstlinienchemotherapie.
b Nintedanib + Docetaxel in der Drittlinientherapie (n=32) nach Erstlinienchemotherapie und anschließender Immuncheckpoint-Inhibition.
c Zum Zeitpunkt der Analyse konnten ORR und DCR von 24 Patienten evaluiert werden.
d Das mediane PFS (n=31) lag bei 7,1 Monaten (95%-KI: 2,9-8,2), die Daten zum Gesamtüberleben waren zum Datenschnitt noch nicht reif.
e Die Therapie mit Nintedanib kann nach Absetzen von Docetaxel fortgesetzt werden, solange ein klinischer Nutzen beobachtet wird oder bis eine inakzeptable Toxizität auftritt.


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ESMO 2019
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