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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. September 2009 Mutationsanalyse bei GIST unverzichtbar

Der Mutationsstatus Gastrointestinaler Stromatumoren (GIST) erweist sich zunehmend als prädiktiver Marker. So sprechen cKIT-Exon-11-Mutationen gut auf Imatinib an, cKIT-Exon-9-Mutationen weniger gut, und ein schlechtes Ansprechen zeigen Wildtyp- und PDGFRA-Mutationen. Retrospektive Analysen haben gezeigt, dass bei einer Exon-11-Mutation die Imatinib-Standarddosierung von 400 mg pro Tag ausreicht, Exon-9-Mutationsträger aber frühzeitig eine höhere Imatinib-Dosis benötigen. Bei Progression profitieren Exon-9-Mutationsträger, bei denen keine Imatinib-Dosissteigerung möglich ist, von dem TKI Sunitinib. Bei Exon-11-Mutation wird im Falle einer Progression in den Leitlinen die Dosissteigerung auf 800 mg pro Tag empfohlen, Sunitinib sei aber in dieser Situation auch eine Alternative, berichtete Dr. Marcus Schlemmer, München, auf einer Pressekonferenz anlässlich des 11. World Congress on Gastrointestinal Cancer (WCGIC).
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Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) zählen zu den Sarkomen und sind erst seit 2001 klassifizierbar, zuvor wurden sie als Leiomyosarkome, Leimyome oder Leiomyoblastome bezeichnet. Die Diagnostik erfolgt über das Protein c-KIT, das vom c-kit Gen abstammt, welches in den Tumorzellen vorhanden ist. Zirka 95% der GIST sind cKIT-positiv, die häufigsten mit etwa 60% sind Exon-11-Mutationen, gefolgt von Exon-9-Mutationen mit ca. 10%. cKIT-positive Patienten, deren Tumor bei Diagnosestellung bereits metastasiert ist – dies ist bei etwa einem Drittel der Fall – erhalten eine medikamentöse Therapie mit Imatinib, das gegen das cKIT-Enzym gerichtet ist und im Vergleich zu keiner Therapie die Überlebenszeit von einem Jahr auf mehr als vier Jahre verlängern kann. Für Exon-11-Mutationsträger spielt es laut Schlemmer, keine Rolle, ob die Patienten als Startdosis täglich 400 mg oder 800 mg erhalten, beide Dosierungen sind bei ihnen gleich effektiv. Anders verhält es sich bei Exon-9-Mutationsträgern. Sie sprechen weniger gut auf Imatinib an und profitieren von einer frühen Dosiserhöhung auf 800 mg pro Tag oder von Sunitinib. Eine Mutationsanalyse bei GIST ist daher unverzichtbar, so Schlemmer.


Sunitinib Secondline bei Imatinib-Resistenz oder -Unverträglichkeit

Falls eine Behandlung mit Imatinib wegen Resistenz oder Unverträglichkeit fehlschlägt, ist Sunitinib (Sutent®) das für die Zweitlinentherapie zugelassene Mittel der Wahl. In der Zulassungsstudie konnte Sunitinib das Gesamtüberleben nach Imatinib-Versagen im Vergleich zu Placebo mehr als verdoppeln (73,9 vs. 35,7 Wochen nach Korrektur bezüglich Crossover von Placebo auf Sunitinib) [1]. Dieses Ergebnis bestätigte eine Treatment-use-Studie [2] mit 1117 vorbehandelten Patienten, die unter Sunitinib im Median 41 Wochen progressionsfrei blieben und ein Gesamtüberleben von 75 Wochen erreichten.

Noch deutlich länger überlebten Patienten mit gutem Allgemeinzustand (Performance Status 0 oder 1 nach ECOG: im Median 88 Wochen). Dies bedeutet, dass diejenigen Patienten den größten Nutzen haben, die Sunitinib frühzeitig bekommen, folgerte Schlemmer. Zugelassene Standarddosierung bei GIST ist Sunitinib 50 mg täglich nach dem „4 weeks on, 2 weeks off“-Schema. Zu diskutieren sei eine kontinuierliche Therapie mit 37,5 mg Sunitinib täglich, die sich beim metastasierten Nierenzellkarzinom als sehr wirksam erwiesen hat und bei der es zu keinem so genannten Flare-up-Phänomen kommen kann. Laut Schlemmer werden auch dringend Studien benötigt, die klären, ob Sunitinib in der Erstlinientherapie generell oder bei Patienten mit gutem Allgemeinzustand Imatinib überlegen ist. Weitere Therapieoptionen bei Progress nach Sunitinib sind Nilotinib und Sorafenib, womit sich bei etwa der Hälfte der Patienten eine nochmalige Krankheitsstabilisierung erreichen lässt. as

Pressegespräch „Pfizer Oncology: Aktuelles Therapiemanagement bei GIST – Ein Update vom ASCO und WCGIC 2009. Barcelona/Spanien, 26. Juni 2009

1. Demetri GD et al. Proc Am Soc Clin Oncol 2008; 26: Abstract 10524
2. Reichardt P et al. Proc Am Soc Clin Oncol 2008; 26: Abstract 10548

Quelle:


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