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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

02. Dezember 2015 Multiples Myelom – Erhalt der Nierenfunktion bedeutet besseres Outcome/Neue Substanzen kommen

Dr. Hans Salwender, Hamburg, erläuterte vor Ort seine persönlichen Highlights des diesjährigen DGHO-Kongresses. Dazu zählen die Erweiterung der CRAB-Kriterien mit Aufnahme der Kreatinin-Clearance, die eine konkretere Hilfestellung zur Therapie des Smoldering Myeloma mit dem Ziel eines besseren Outcomes ermöglichen, ebenso wie innovative Therapieansätze durch neue Substanzen wie z.B. Elotuzumab beim refraktären/rezidivierten Multiplen Myelom (rrMM).

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Die neuen Diagnosekriterien („Myeloma defining events“) der International Myeloma Working Group (IMWG) – mehr als 60% klonale Plasmazellen im Knochenmark, eine FLC Ratio ≥ 100 und das Vorliegen von mehr als einer fokalen Läsion im MRT – sollen neben den CRAB-Kriterien den Progress eines Smoldering Myeloma zu einem MM so frühzeitig bestimmen, dass eine Therapie starten und so Endorganschäden vermieden oder verzögert werden können (1). Das Smoldering Myeloma macht 10-15% der MM-Fälle aus, und von diesen Patienten wird wiederum ein kleiner Prozentsatz gemäß der neuen Myeloma defining events als Hochrisikogruppe (Progress innerhalb von 2 Jahren erwartet) identifiziert und somit früher und länger behandelt, als es zuvor der Fall gewesen wäre, sagte Salwender.


Erhalt der Nierenfunktion bedeutet besseres Outcome

Außerdem wurden auch die CRAB-Kriterien etwas spezifiziert, so wurde die Hyperkalzämie auf einen Wert > 2,75 mmol/l festgelegt, und die Kreatinin-Clearance < 40 ml/min mit aufgenommen anstatt nur des Serumkreatinins, „weil eine alte Frau ohne nennenswerte Muskulatur einen Serumkreatininwert > 2 mg/dl erst erreicht, wenn ihre Niere quasi nicht mehr arbeitet“, so Salwender.

Pönisch et al. (2) haben anhand einer Studie mit Patienten mit rezidiviertem Leichtkettenmyelom unter Bendamustin, Prednison und Bortezomib (BPV) gezeigt, dass Patienten der Gruppe A mit normaler/moderat eingeschränkter Nierenfunktion eine ORR von 75% mit einem PFS von 10 Monaten und OS von 25 Monaten erreichten (vs. 3 und 7 Monate in Gruppe B mit schlechter Nierenfunktion). „Die Therapie war in beiden Armen effektiv und verträglich, aber die Nierenfunktion ist ein ganz maßgeblicher Faktor für das Outcome.“


Neue Wirkmechanismen

„Mit Panobinostat, Elotuzumab, Daratumumab, Carfilzomib und in Kürze Ixazomib kommen neue Substanzen und Wirkansätze in die Therapie des Multiplen Myeloms, welche die Therapieergebnisse weiter verbessern werden“, so Salwender. So konnte eine Subgruppenanalyse (3) der Studie PANORAMA I zeigen, dass vor allem schwer vorbehandelte rrMM-Patienten durch die Hinzunahme des Histondeacetylase-Inhibitors Panobinostat zu Bortezomib und Dexamethason eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens erzielten.

Elotuzumab hat in der Studie ELOQUENT-2 (4) gezeigt, dass die Substanz, die als Monotherapie nur geringe Wirksamkeit hat, in der Kombinationstherapie mit Lenalidomid/Dexamethason ohne zusätzliche Toxizität eine 2-Jahres-PFS-Rate von 41% erzielt. Elotuzumab wirkt über 2 Mechanismen: die Markierung (und damit Sichtbarmachung für das Immunsystem) von klonalen Plasmazellen sowie die Aktivierung von NK-Zellen.

Der humane anti-CD38-Antikörper Daratumumab hingegen ist als Einzelsubstanz wirksam. Patienten mit mehr als 3 Vorbehandlungen erzielten in der SIRIUS-Studie eine ORR von 29% (5). In den Studien ASPIRE (6) und ENDEAVOR (7) konnte im Carfilzomib-Arm ein um jeweils ca. 9 Monate längeres PFS erreicht werden.

Mit neuen Wirkmechanismen wird eine höhere klinische Aktivität erzielt, die das Outcome der Patienten deutlich verbessert. „Die neuen Substanzen müssen jetzt gut kenngelernt werden, um die Therapiestrategien zu optimieren“, so Salwender abschließend.

(ab)

Quelle: Symposium „Highlights des DGHO“, 11.10.2015, Basel; Veranstalter: Mundipharma

Literatur:

(1) Rajkumar S et al. Lancet Oncol 2014; 15(12):e538-48.
(2) Pönisch W et al. J Cancer Res Clin Oncol 2013, 139(11):1937-1946.
(3) San Miguel JF et al. J Clin Oncol 33, 2015 (suppl; abstr 8526).
(4) Lonial S et al. J Clin Oncol 33, 2015 (suppl; abstr 8508).
(5) Lonial S et al. J Clin Oncol 33, 2015 (suppl; abstr LBA8512).
(6) Stewart A et al. N Engl J Med 2015; 372:142-152.
(7) Dimopoulos M et al. ASCO 2015. J Clin Oncol 33, 2015 (suppl; abstr 8509).


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