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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

18. Dezember 2007 Multiples Myelom: Behandlungsmöglichkeiten werden vielfältiger

Gemeinsame Jahrestagung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie. Basel/Schweiz, 5. – 9. Oktober 2007

Lenalidomid ist ein Strukturanalogon von Thalidomid, das neben der Wachstumshemmung von Myelomzellen noch ausgeprägte immunmodulatorische Wirkung aufweist. Kombiniert mit Dexamethason verlängerte Lenalidomid in den Zulassungsstudien (MM 009 und MM 010) signifikant das Überleben von Patienten im Rezidiv gegenüber Dexamethason allein. Die Daten aus der Studie von Rajkumar et al. (ASCO 2007) versprechen durch die Dosisreduktion von Dexamethason in der Kombination mit Lenalidomid ein noch effektiveres und verträglicheres Therapieregime (weniger tiefe Beinvenenthrombosen und Infektionen, weniger Therapieabbrüche und Dosisreduktionen). Erste Daten zu 3er-Kombinationen sind inzwischen auch vorhanden (z.B. Lenalidomid + Adriamycin + Dexamethason =RAD-Therapie), in denen hohe Remissionsraten erzielt wurden und es zeichnet sich auch ein Einsatz in der Induktionstherapie ab.
Die meisten Patienten mit einem Multiplen Myelom rezidivieren. In der Rezidivtherapie stehen mehrere Optionen zur Verfügung, erläuterte Dr. Martin Kropff während eines Satellitensympsiums der Firma Celgene auf dem diesjährigen DGHO in Basel. Das dem Thalidomid wirkstoffähnliche Lenalidomid erwies sich in einer Dosierung bis 25mg/Tag über 3 Wochen als gut verträglich und zeigte in der Kombination mit Dexamethason Ansprechraten von etwa 60%. Auch die progressionsfreie Zeit und das Überleben konnten verlängert werden gegenüber Dexamethason. Die Verlängerung der Überlebenszeit unter der Kombination im Vergleich zur Dexamethason-Monotherapie betrug für die Patienten im Rezidiv zwar nur 4 Monate (35 vs. 31 Monate), allerdings muss berücksichtigt werden, dass die Cross-over-Rate in den Kombinationsarm bei 48% lag, sagte Kropff. Die Effektivität ist lauf Kropff unabhängig von einer Thalidomid-Vorbehandlung und vom Lebensalter der Patienten. Nebenwirkungen von Grad 3/4 beschränkten sich hauptsächlich auf hämatologische Toxizitäten. Venöse Thromboembolien treten häufiger unter der Kombinationstherapie auf als unter Dexamethason allein, weshalb zumindest am Anfang der Behandlung eine Antikoagulation empfohlen wird. Die Kombination von Lenalidomid mit niedrig dosiertem Dexamethason führt zu einem signifikant besseren Überleben bei geringerer Toxizität im Vergleich zu Lenalidomid in Kombination mit hoch dosiertem Dexamethason. In der Phase-III-Studie von Rajkumar et al., die auf dem diesjährigen ASCO vorgestellt wurde, konnte bei neu diagnostizierten Patienten eine 1-Jahresüberlebensrate unter Lenalidomid/ niedrig dosiertem Dexamethason von 96% erzielt werden gegenüber 87% im Vergleichsarm. Vorgestellt wurde von der Deutschen Studiengruppe Multiples Myelom (DSMM) aktualisierte Daten einer multizentrischen PhaseI/II Studie mit Lenalidomid, Adriamycin und Dexa­methason (RAD-Studie; Abstract V127) bei rezidiviertem/refraktärem Multiplen Myelom, in der überraschend hohe Raten an kompletten oder fast kompletten Remissionen beobachtet wurden, berichtete Prof. Ralf C Bargou, Würzburg. Bei 69 Patienten (im median bereits 2 vorangegangene Therapielinien) wurde ein Ansprechen bei 78% der Patienten beobachtet, insbesondere 22% komplette Remissionen und 52% sehr gute partielle Remissionen. Eine weitere Studie ist in der Primärtherapie geplant, in der RAD zur Induktion eingesetzt werden soll.

Das New England Journal of Medicine hat jetzt die Ergebnisse der Phase-III-Studien MM-009 und MM-010 veröffentlicht. In den beiden randomisierten, doppelblinden und plazebokontrollierten Untersuchungen mit insgesamt 705 Patienten konnte übereinstimmend die überlegene Wirksamkeit der Kombinationstherapie gegen Placebo/Dexamethason bei hoher Verträglichkeit gezeigt werden.

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