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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. Dezember 2017
Seite 1/3
Moderne onkologische Rehabilitation im Wandel der Zeit

O. Rick, Klinik Reinhardshöhe GmbH, Bad Wildungen.

In den letzten 10-15 Jahren hat sich die Landschaft der Rehabilitation, insbesondere die onkologische Rehabilitation fundamental geändert. Während sie früher mehr als Kur und damit als kurzfristige Erholungsmaßnahme sowohl von Patienten als auch von Ärzten wahrgenommen wurde, ist sie heute ein aktiver Bestandteil in der Behandlung von Krebspatienten. Aufgrund der zahlreichen Veränderungen in der akutmedizinischen Behandlung von Krebspatienten unterliegt auch die Rehabilitation einer erheblichen Weiterentwicklung und neuen Anforderungen. Sie stellt die dritte Säule neben der stationären und ambulanten Akutmedizin dar und muss heute als Startschuss für „Cancer Survivorship“ und damit als Langzeitbetreuung von Krebspatienten gesehen werden. Durch die sich nach der abgeschlossenen oder unterbrochenen Krebstherapie anschließende onkologische Rehabilitation werden die Patienten intensiv darauf vorbereitet, in ihrem weiteren Leben besser zurechtzukommen, zu erlernen, Langzeitfolgen zu erkennen und zu behandeln sowie eine weitgehend normale Teilhabe am Sozial- und ggf. Erwerbsleben wieder ausführen zu können.
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Fachinformation
Gesetzliche Grundlage

Anschlussrehabilitation (AHB) ist heute Teil einer modernen Krebstherapie und schließt sich i.d.R. nahtlos an die akutmedizinische Therapieversorgung an oder wird als Zwischenintervention genutzt (1). Sie ist fester Bestandteil unseres Gesundheitsversorgungssystems und sowohl im Sozialgesetzbuch (SGB) V (§27) in Bezug auf die Krankenversicherungen als auch im SGB VI (§15 und §31) für die DRV sowie übergreifend im SGB IX (§6) festgeschrieben. Im Gegensatz zu anderen Indikationen können auch krebskranke Ehepartner von Versicherten, Patienten im Rentenalter oder bei schon bestehender Erwerbsminderungsrente eine onkologische Rehabilitation zu Lasten der DRV erhalten (§31 SGB VI). Dies hat zum einen historische Gründe, sichert aber auch den hohen Qualitätsstandard für die Patienten, den die DRV an die Durchführung einer solchen Maßnahme anlegt. Dieser Qualitätsstandard für alle onkologischen Patienten wäre bei einem Wechsel der Kostenträgerschaft für bereits berentete Patienten oder krebskranke Angehörige von der DRV zu den Krankenkassen in der derzeitigen Form aus finanziellen Gründen nicht zu halten. In Deutschland haben rehabilitationsbedürftige Menschen somit den großen und einmaligen Vorteil, dass ihr Anspruch auf Rehabilitationsleistungen gesetzlich verankert ist. Die versicherungsrechtlichen und medizinischen Voraussetzungen müssen natürlich erfüllt sein (1). Dieser Sachverhalt hat auch einen besonderen ethischen Aspekt und wird in der Bevölkerung als auch in der Ärzteschaft noch zu wenig registriert. Während in anderen Ländern, insbesondere in den angloamerikanischen Staaten, für Menschen nach schwerer Erkrankung und Therapie keine Rehabilitationsleistungen zu Lasten der Sozialversicherungsträger angeboten werden und sich die betroffenen Menschen weitgehend selbst helfen müssen, hat man es sich in Deutschland zur Aufgabe gemacht, sich um bedürftige Menschen mit ihren Langzeitfolgestörungen nach der Krebserkrankung und Tumortherapie besonders zu kümmern. Dabei stellt die onkologische Rehabilitation eine zusätzliche und ergänzende Maßnahme im Rahmen der Langzeitbetreuung von Krebspatienten dar.


Inhalte der onkologischen Rehabilitation

Der therapeutische Ansatz von onkologischer Rehabilitation ergibt sich aus den Langzeitfolgen der Krebserkrankung und der Anti-Tumortherapie (Tab. 1). Er beinhaltet die Entwicklung von Bewältigungsstrategien, aber auch konkrete therapeutische Verfahren. Dafür sind psychische sowie physische Ressourcen des Patienten erforderlich, aber auch das soziale Umfeld des Betroffenen ist gefordert. Darüber hinaus spielen bei der individuellen Entwicklung solcher Bewältigungsprozesse und Therapien weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Insbesondere die Leistungsanforderungen im Berufs- und Alltagsleben, die Lebensumstände und Bedingungen am Arbeitsplatz sowie die Angebote von sozialen Sicherungssystemen sind hier zu nennen. Mithilfe der Rehabilitation können die Aktivitäten des Patienten gesteigert werden, sodass es zu einer Partizipation bzw. Teilhabe am Sozial- und ggf. Erwerbsleben kommt (Abb. 1). Bei der Rehabilitation handelt es sich um eine multimodale Therapie, die unter Einschluss verschiedenster Fachdisziplinen durchgeführt wird (2-5).
 
Tab. 1: Langzeitfolgen einer Krebsbehandlung (39.
1. Psychische Folgen
- Angst und Depression
- Schlafstörungen
- Gesteigerte Selbstbeobachtung
- Verlust des Selbstwertgefühls
- Rezidiv-Angst
- Fatigue
- Kognitive Funktionseinschränkungen
2. Soziale Folgen
- Soziale Isolation und Vereinsamung
- Beruflich/finanzielle Nachteile
- Arbeitslosigkeit
3. (Funktionelle) Einschränkungen
durch Krankheit/Therapie
- Bewegungsstörungen der Gelenke
nach Operation oder Bestrahlung
- Parästhesien
- Kognitive Funktionseinschränkungen
- Sexuelle Funktionsstörungen
- Lymphödeme
- Respiratorische Funktionsstörungen
- Verminderung der körperlichen Fitness
- Ernährungsstörungen
- Störungen der Kontinenz/Stoma
- Sprechstörungen
4. Folgeerkrankungen
- Osteoporose
- Metabolisches Syndrom
- Diabetes mellitus
- Kardiovaskuläre Erkrankungen
(KHK, Kardiomyopathie)
- Sekundärtumoren

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