Mittwoch, 28. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Medical Cloud CAR T
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. März 2010 Metastasiertes/fortgeschrittenes Urothelkarzinom: Vinflunin ist neuer Standard in der Zweitlinientherapie

Zur Therapie des fortgeschrittenen bzw. metastasierten Urothelkarzinoms ist Vinflunin neuer Standard nach Versagen einer Cisplatin-haltigen Therapie. Basis für die europäische Zulassung durch die EMEA ist eine Phase-III-Studie, deren Ergebnisse in Deutschland auf dem 29. Deutschen Krebskongress 2010 in Berlin vorgestellt wurden.
Fast alle Patienten mit Urothelkarzinom rezidivieren nach einer Standarderstlinientherapie und benötigen eine Zweitlinientherapie, berichtete Priv.-Doz. Dr. Susanne Krege, Chefärztin der Urologischen Klinik des Krankenhauses Maria Hilf in Krefeld. Patienten in schlechtem Allgemeinzustand und mit viszeralen Metastasen haben eine schlechte Prognose, betonte Krege, und Nebenwirkungen einer Therapie gelte es in der Zweitlinientherapie noch stärker zu berücksichtigen als in der ersten Therapielinie.

Priv.-Doz. Dr. Maria De Santis, Wien, stellte die vielversprechenden Daten der Phase-III-Studie von Bellmunt et al. [1] mit Vinflunin (Javlor®) vor, die den neuen Standard in der Zweitlinientherapie des Urothelkarzinoms definierte.
Eingeschlossen waren 370 Patienten mit histologisch gesichertem Urothelkarzinom, die Fernmetastasen oder lokal fortgeschrittene, nicht operable Tumoren aufwiesen. Weitere Einschlusskriterien waren: keine (neo-)adjuvante Chemotherapie, nur eine vorangegangene palliative Chemotherapie, ein dokumentierter Progress während oder nach einer platinhaltigen Chemotherapie, ein adäquater Allgemeinzustand (ECOG-Performancestatus 0 und 1).

Gemäß einer 2:1 Randomisierung erhielten die Patienten entweder Vinflunin plus „best supportive care“ (BSC) bis zum Progress (n=253) oder BSC allein für 18 Wochen (n=117). Die beiden Studienarme waren gut ausgewogen und spiegeln die Patientenpopulation wider, die man in der täglichen Praxis sieht und bei denen eine Zweitlinienchemotherapie angezeigt ist, betonte De Santis.

In der Intent-to-treat-Analyse war das Gesamtüberleben (primärer Endpunkt) in der mit Vinflunin behandelten Gruppe um 2,3 Monate länger als in der Vergleichsgruppe. Der erwartete Unterschied von 2 Monaten wurde damit erreicht, allerdings zeigte sich in der ITT-Population keine statistische Signifikanz (6,9 vs. 4,6 Monate; p=0,2868). In einer sekundären Analyse der „Eligible Population“ nach Ausschluss aller Patienten mit essentiellen Protokollverletzungen (4 Patienten im Vinflunin-, 9 Patienten im BSC-Arm) zeigte sich ein statistisch signifikanter Überlebensvorteil von 2,6 Monaten im Vinflunin-Arm (6,9 vs. 4,3 Monate; p=0,0403) (Abb. 1).

0
Abb.1: Signifikanter Überlebensvorteil durch Vinflunin in der „Eligible Population“

Die Gesamtansprechrate betrug 8,6% vs. 0% im BSC-Arm (p=0,0063), die Krankheitskontrollrate 41,1% vs. 24,8%; p=0,0024). Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) verdoppelte sich durch Vinflunin von 1,5 auf 3 Monate (p=0,0012), die Dauer des Ansprechens verlängerte sich von 4,2 auf 5,7 Monate (p=0,0293). Unter Vinflunin besserten sich auch signifikant die Schmerzen, die Patienten benötigten weniger Schmerzmittel und seltener eine spätere Strahlentherapie. De Santis: „Insgesamt zeigt Vinflunin somit eine konsistente Wirksamkeit sowohl in der Phase II als auch in der Phase III.“

Vinflunin besitzt ein vorhersehbares, akzeptables und in der Praxis gut handhabbares Verträglichkeitsprofil. Die am häufig-sten beobachteten Nebenwirkungen waren Neutropenie, Obstipation und Asthenie, wobei die Rate an febrilen Neutropenien mit 6% niedrig war, die Asthenie eher tumorbedingt und die Obstipation durch Laxanzien und diätetische Maßnahmen gut zu behandeln ist. Hervorzuheben ist, laut De Santis, dass unter Vinflunin keine kumulativen Toxizitäten auftreten.

Zusammenfassend stellte De Santis fest, dass Vinflunin den bisher höchsten, jemals publizierten Evidenzgrad für die Zweitlinientheapie des Urothelkarzinoms vorzuweisen hat. Außerhalb von klinischen Studien stellt Vinflunin für geeignete Patienten den Standard dar. Für zukünftige Studien zur Zweitlinientherapie wird Vinflunin Standard- und Kontrollarm sein.


as

1. Bellmunt J et al. J Clin Oncol 27: 4454-4461 2009

Quelle: Mittagssymposium: „Javlor®: Option nach platinhaltiger Therapie bei Urothelkarzinom“ anlässlich des 29. Deutschen Krebskongresses 2010. Berlin, 25.2.2010
Mit freundlicher Unterstützung von Pierre Fabre


Anzeige:
Xospata
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Metastasiertes/fortgeschrittenes Urothelkarzinom: Vinflunin ist neuer Standard in der Zweitlinientherapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib