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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. Juli 2011 Metastasiertes kolorektales Karzinom: Panitumumab in der Mono- und Kombinationstherapie

Panitumumab (Vectibix®) ist der erste und bislang einzige, komplett humane Antikörper zur Therapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms (mCRC). In der EU ist Panitumumab zugelassen zur Monotherapie von Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom, das EGFR exprimiert und das nicht-mutierte (Wildtyp-) KRAS-Gene aufweist. Außerdem muss ein Versagen von Fluoropyrimidin-, Oxaliplatin- und Irinotecan-haltigen Chemotherapie-Regimen vorliegen. Bewährt hat sich der Antikörper auch in Kombination mit Chemotherapie, in der Erst- und Zweitlinie bei KRAS-Wildtyp-Tumoren, berichtete Dr. Albrecht Kretzschmar, Leipzig.
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Der komplett humane Antikörper Panitumumab enthält keinerlei murine Anteile mehr, so dass von weniger akuten allergischen Reaktionen und einer besseren Verträglichkeit auszugehen ist, erklärte Kretzschmar. In der Zulassungsstudie [1] verlängerte sich bei Patienten, die mit Panitumumab und Best Supportive Care (BSC) behandelt wurden, signifikant das progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich zu BSC allein mit einer sehr eindrucksvollen Hazard ratio (HR) von 0,45, was einen sehr hohen Nutzen ausdrückt, so Kretzschmar. Der Vorteil von Panitumumab beschränkte sich jedoch ausschließlich auf Patienten, deren Tumoren Wildtyp-KRAS-Gene aufwiesen, was laut Referenten eine verlässliche Bestimmung des KRAS-Status vor Therapiebeginn erfordert.

Panitumumab in Kombination mit Chemotherapie

Für die Kombination mit Panitumumab und Chemotherapie liegen ebenfalls positive Daten vor: Die randomisierte Phase-III-Studie PRIME [2] untersuchte in der Erstlinie Panitumumab mit FOLFOX4 versus alleiniger Chemotherapie. 60% der Patienten wiesen KRAS-Wildtyp-Tumoren auf. Sie profitierten von der Kombination mit einem signifikant verlängertem PFS (9,6 vs. 8,0 Monate, p=0,0234; HR=0,80). Patienten mit KRAS-mutierten Genen hatten mit der Kombination hingegen ein schlechteres Outcome als mit der alleinigen Chemotherapie. An Nebenwirkungen traten bei 36% der Patienten Hautreaktionen vom Schweregrad 3 auf, 18% der Patienten hatten unter der Kombination eine Grad III/IV Diarrhoe vs. 9% im FOLFOX-Arm. Infusionsreaktionen von Grad 3 und 4 waren mit weniger als 1% erwartungsgemäß sehr gering. Das Langzeit-Follow-up der PRIME-Studie wurde auf dem diesjährigen ASCO 2011 präsentiert (s. S. 219).

Panitumumab in der Zweitlinientherapie

In der offenen, randomisierten Phase-III-Studie 20050181 (`181`) wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit von Panitumumab in der Zweitlinientherapie in Kombination mit FOLFIRI versus FOLFIRI allein verglichen [3]. Erstmals wurde prospektiv in einer Phase-III-Studie KRAS als Biomarker bestimmt. 55% der Patienten hatten den KRAS-Wildtyp, bei 45% war KRAS mutiert.

Bei den Patienten mit KRAS-Wildtyp kam es durch die zusätzliche Behandlung mit Panitumumab zu einer signifikanten Verlängerung des PFS von 3,9 auf 5,9 Monate (p=0,004; HR=0,73). Das Gesamtüberleben verbesserte sich von 12,5 auf 14,5 Monate. Dieses Ergebnis war jedoch nicht signifikant, wobei laut Kretzschmar zu berücksichtigen ist, dass 31% der Patienten eine Drittlinientherapie mit einem EGFR-Inhibitor erhalten hatten. In dieser Studie hatten auch Patienten in schlechtem Allgemeinzustand (ECOG PS 2) von der Kombination Panitumumab/FOLFOX4 profitiert. Die Ansprechrate stieg in der KRAS-Wildtyp-Gruppe von 10% unter FOLFIRI auf 35% unter FOLFIRI/Panitumumab. Im Verlauf kam es zu einer eindrucksvollen Verkleinerung der Metastasenmasse, sagte Kretzschmar.

Trotz der positiven Daten, die einen Nutzen der Kombination von Panitumumab mit Chemotherapie gezeigt haben, hat die EMA im März 2011 eine negative Opinion für die Kombinationstherapie erteilt. Dagegen wurde Berufung eingelegt und mit neuen Informationen ist im Herbst 2011 zu rechnen.

Münchner Fachpresse-Workshop „Onkologie“, München, 18. Mai 2011.

1. van Cutsem E, et al. J Clin Oncol 25: 1658-1664; 2007
2. Douillard JE, et al. J Clin Oncol 28. 2010.
3. Peeters M, et al. J Clin Oncol 28. 2010

Quelle:


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