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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. November 2009 Mantelzell-Lymphom und follikuläres Lymphom: Bendamustin bewährt sich im klinischen Alltag

Bendamustin ist beim Mantelzell-Lymphom und beim follikulären Lymphom sowohl als Monotherapie und insbesondere in Kombination mit dem Antikörper Rituximab effektiv, wobei es sich durch ein sehr günstiges Nebenwirkungsspektrum auszeichnet. Die Substanz kann aufgrund ihrer verschiedenen Wirkweisen auch eingesetzt werden, wenn vorher mit Alkylanzien behandelt wurde. Professor Johannes Drach von der Medizinischen Universität Wien und Professor Michele Ghielmini vom Instituto Oncologico della Svizzera Italiana, Bellinzona/Schweiz, stellten anhand von Kasuistiken verschiedene Therapieoptionen bei diesen beiden Tumor-entitäten vor mit Fokus auf die Einsatzmöglichkeiten von Bendamustin.
Mantelzell-Lymphom

Das Mantelzell-Lymphom (MCL) ist eine seltene Entität innerhalb der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) mit einem Anteil von etwa 6%. Es tritt bevorzugt bei Männern auf, das mediane Erkrankungsalter liegt bei 68 Jahren. Bei Erstdiagnose befinden sich die meisten Patienten bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Die Strategie „watch and wait“, die für viele Patienten mit NHL eine gute Option darstellt, ist für Patienten mit Mantelzell-Lymphom nur in sehr seltenen Fällen gerechtfertigt, sagte Drach. Die autologe Stammzelltransplantation, eine sehr effektive Therapie, kommt laut Drach nur für eine kleinere Gruppe von Patienten in Frage. Patienten, die für die Hochdosischemotherapie nicht geeignet sind, erhalten Rituximab in Kombination mit einer Chemotherapie in der Erstlinie.

Die Mehrzahl der Patienten erleidet ein Rezidiv. In dieser Situation zeigt Bendamustin, insbesondere in Kombination mit Rituximab, eine gute Aktivität – einschließlich bei Fludarabin-refraktären Patienten [1]. In der Studie von Rummel et al. wurde bei Patienten mit rezidiviertem Mantelzell-Lymphom eine Gesamtansprechrate von 75% erzielt bei einer Rate an kompletten Remissionen von 50% [1]. Aufgrund der guten Daten in der Secondline wird Bendamustin in Kombination mit Rituximab auch in der Erstlinentherapie geprüft. In der Interimsanalyse einer randomisierten Phase-III-Studie [2] der StiL-Gruppe (Study Group Indolent Lymphomas) war die Gesamtansprechrate auf Bendamustin-Rituximab (BR) in der Erstlinientherapie bei den Mantelzell-Lymphom-Patienten 89% mit 32% kompletten Remissionen.

Drach präsentierte den Fall eines 70-jährigen Patienten mit ausgeprägtem Lymphadenom, der ein intermediäres Risiko aufwies. Aufgrund des Alters war er für eine Hochdosistherapie nicht geeignet und erhielt daher eine Therapie mit CHOP-R. In diesem Fall wäre seiner Ansicht nach als Erstlinientherapie auch BR eine gute Option gewesen, da diese Kombination weniger Nebenwirkungen aufweist bei gleicher Effektivität. Der Patient lebte 18 Monate ohne Krankheitsprogression und erhielt dann als Rezidivtherapie die Kombination Bendamustin-Rituximab-Bortezomib. Damit erreichte er eine gute partielle Remission, inzwischen 6 Monate anhaltend bei sehr guter Lebensqualität.


Follikuläres Lymphom

Das follikuläre Lymphom gehört zur Gruppe der niedrig malignen Non Hodgkin Lymphome, die ca. 20-24% aller Non Hodgkin Lymphome ausmachen. Sie sind indolent und nicht heilbar. Neue, aggressive Therapieregime können die Remissionsdauer signifikant verlängern. Trotzdem ist es nach wie vor wichtig abzuwägen, ob eine „watch and wait“-Strategie eine Option darstellt, wie Professor Michele Ghielmini, Bellinzona, Schweiz, am Beispiel eines Patienten darstellte, der ein Niedrigrisiko-Lymphom aufwies, das spontan regredient war.

Bei fortgeschrittenen Lymphomen stellt heute die Kombination aus Rituximab und einer Chemotherapie den Standard in der Erstlinentherapie dar. Eine sehr effektive und gut verträgliche Option ist neben CHOP-R hier die Kombination aus Bendamustin-Rituximab (BR), die ihre Vorteile bereits in der Rezidivtherapie gezeigt hat [1], berichtete Ghielmini. Nach den Daten einer Interimsanalyse von 462 Patienten aus einer randomisierten Phase-III-Studie [2] scheint BR auch in der Erstlinienbehandlung indolenter NHL ebenso effektiv zu sein wie CHOP-R, bei gleichzeitig deutlich weniger Nebenwirkungen. Mit BR wurde in dieser Zwischenanalyse eine Gesamtansprechrate von 94% erzielt, davon waren 41% komplette Remissionen im Vergleich zu 93% Gesamtansprechrate und 32% kompletten Remissionen unter CHOP-R. Im Gegensatz zu CHOP-R war unter BR keine Alopezie aufgetreten (0% vs. 91%), auch Infektionen und eine Grad 3-4 Leukopenie waren seltener (31% vs. 41% bzw. 14% vs. 38%). Die finalen Ergebnisse dieser Studie werden auf dem ASH Kongress 2009 präsentiert werden.

Am Beispiel einer 64-jährigen Patienten mit einem follikulärem Lymphom Grad IIIA und intermediärem Risiko verdeutlichte Ghielmini, dass BR auch in diesem Fall eine patientenfreundliche Option gewesen wäre. as


1. Rummel MJ et al. J Clin Oncol 2005; 23/15): 3383-3389.
2. Rummel et al. Blood (ASH) 2008; 112: Abstract 2596

Quelle: Mundipharma-Satellitensymposium: Klinischer Alltag mit Bendamustin: Rationale und Ergebnisse. Gemeinsame Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie. Mannheim, 2.10.-4.10.2009


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