Montag, 22. April 2019
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. Dezember 2014 Mammakarzinom: nab-Paclitaxel bietet flexible Therapieentscheidung in der täglichen Routine

Taxane zählen zu den aktivsten Einzelsubstanzen in der Therapie des metastasierten Mammakarzinoms. Das an Albumin gebundene nab-Paclitaxel zeigte unter Studienbedingungen bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs im Vergleich zu konventionellem Taxan ein besseres klinisches Ergebnis bei insgesamt besserer Verträglichkeit (1). Dies bestätigt jetzt auch die retrospektive Analyse einer italienischen multizentrischen Kohorten-Studie für die "real life"-Situation im klinischen Alltag (2).

Anzeige:
Fachinformation

Auf dem diesjährigen ESMO wurde als Poster Ergebnisse einer Analyse von 150 Frauen mit metastasiertem Brustkrebs präsentiert, die an 8 italienischen Instituten zwischen Februar 2011 und März 2013 mit nab-Paclitaxel behandelt wurden. Sie erhielten nach Entscheidung des behandelnden Arztes nab-Paclitaxel entweder 3-wöchentlich in einer Dosierung von 260 mg/m2 (n=85) oder 125 mg/m2 wöchentlich (n=65) bis zur Krankheitsprogression, nicht mehr tolerierbarer Nebenwirkungen, oder wenn die Patientinnen keine Weiterbehandlung mehr wünschten.

Bei frühzeitigem Einsatz noch effektiver


Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 18 Monaten (6-30 Monate) belief sich das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) auf 7,8 Monate (3-23+ Monate) in der Gesamtpopulation. In der Subgruppe, die nab-Paclitaxel als Zweitlinientherapie erhalten hatten, war das PFS mit 12,9 Monaten (6-18+ Monate) deutlich länger als in der Subgruppe der Patientinnen, die nab-Paclitaxel als 3. oder noch spätere Therapielinie bekamen (4,8 Monate). Das Gesamtüberleben war zum Zeitpunkt der Auswertung (cut-off Februar 2014) noch nicht erreicht.

Sowohl mit dem 3-wöchentlichen als auch mit dem wöchentlichen Schema erreichten die Patientinnen vielversprechende Ansprechraten (ORR: q3w: 55,2%; qw: 38,4%; Gesamtpopulation: 48,0%) und Krankheitsstabilisierungen (SD=Stable disease: q3w: 30,5%; qw: 38,4%; Gesamtpopulation: 38,4%). Die klinische Benefit-Rate (CR + PR + SD) belief sich auf 85,8% unter dem 3-wöchentlichen und 76,9% unter dem wöchentlichen Schema (Gesamtpopulation: 82,0%).

Einfach und sicher zu handhaben

Die Nebenwirkungen unter nab-Paclitaxel waren akzeptabel und gut zu behandeln, und entsprechend gut war die Compliance der Patientinnen unter der ambulanten Langzeittherapie. Eine sensorische Neuropathie von Grad 3 (keine Grad 4) trat bei 15,3% der Patientinnen auf, unter dem 3-wöchentlichen Schema bei 17,6%, unter dem wöchentlichen Schema bei 12,3%. Die mediane Zeit bis zum Rückgang der Neuropathie ≤ Grad 2 betrug 19 Tage (13-28 Tage).

Eine Alopezie von Grad 3 war auffallend häufiger unter dem 3-wöchentlichen Schema als unter dem wöchentlichen Schema (q3w: 89,0% vs. qw: 4,60%). Eine Alopezie von Grad 1 und 2 hatten alle Patientinnen in der q3w-Kohorte.

Fazit für die Praxis

Alle Patientinnen in dieser Studie hatten mehrfache Therapielinien erhalten und waren nicht in kontrollierten Studien eingeschlossen. Sie präsentieren somit das Patientinnenkollektiv in der klinischen Routine und unterstützen die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den klinischen Alltag.

Die retrospektive Analyse hat außerdem den größeren Benefit einer Secondline-Therapie mit nab-Paclitaxel gezeigt, wie dies auch unter Studienbedingungen der Fall war. Die vergleichbaren Ergebnisse, die mit dem 3-wöchentlichen und dem wöchentlichen Schema erzielt werden können, bieten dem behandelnden Arzt mehr Flexibilität in der Therapieentscheidung und die Möglichkeit, individueller auf die klinische Situation und die Bedürfnisse der Patientinnen eingehen zu können, so die Schlussfolgerung der Autoren.

as

Literaturhinweise:
(1) Gradishar WJ et al. J Clin Oncol. 2005; 23(31):7794-7803.
(2) Palumbo R. et al. ESMO 2014; Poster 372P.


Das könnte Sie auch interessieren

Studie zu Online-Programm zur Stressreduktion ausgezeichnet

Studie zu Online-Programm zur Stressreduktion ausgezeichnet
© Andrey Popov / fotolia.com

Der Reinhold-Schwarz-Förderpreis für Psychoonkologie 2018 wurde an die Psychologin Astrid Grossert-Leugger, Basel, verliehen. Die Preisträgerin erhielt die mit 2.500 € dotierte Auszeichnung für ihre Arbeit zum Thema „Web-Based Stress Management for Newly Diagnosed Patients with Cancer (STREAM): A Randomized, Wait‐List Controlled Intervention Study“. Die Preisverleihung erfolgte auf der 17. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie...

Der lange Weg bis zur Zulassung eines Arzneimittels

Die Zulassung eines neuen Arzneimittels und die Erweiterung der Indikation eines bereits zugelassenen Arzneimittels sind streng geregelt. Die europäische oder deutsche Zulassungsbehörde fordert den Nachweis von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit, wofür das Arzneimittel verschiedene Phasen der klinischen Prüfung durchlaufen muss. Wie die Arzneimittelprüfung durchzuführen ist, legt das Arzneimittelgesetz (AMG) von 1976 fest, das zuletzt durch die 15. Novelle von...

Neue Perspektiven für Frauen mit Eierstockkrebs

In der medikamentösen Behandlung von Frauen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs wurde erstmals nach fast 15 Jahren ein Fortschritt erzielt: Das neue Medikament, ein sogenannter Angiogenesehemmer, greift den Tumor gezielt an und verzögert damit das Fortschreiten der Krebserkrankung. Für die betroffenen Frauen ist dies ein großer Vorteil: Die Therapie ermöglicht ihnen mehr Zeit, die sie – trotz der schweren Erkrankung – weitestgehend beschwerdefrei...

Schmerzmittel Methadon ist kein Krebsheilmittel - keine falschen Hoffnungen wecken

Schmerzmittel Methadon ist kein Krebsheilmittel - keine falschen Hoffnungen wecken
@ efmukel / Fotolia.com

Das Opioid Methadon sollte nicht zur Tumortherapie eingesetzt werden. Die derzeit vorliegenden Daten aus Labor- und Tierversuchen sowie einer Studie mit 27 Krebspatienten reichen nicht aus, um eine Behandlung zu rechtfertigen. Einige Medienberichte wecken dennoch bei an Leukämie oder Hirntumor erkrankten Patienten die falsche Hoffnung auf Heilung. Methadon ist zur Behandlung starker Schmerzen zugelassen und ein etabliertes Medikament in der Schmerztherapie bei Krebserkrankten. Darauf...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Mammakarzinom: nab-Paclitaxel bietet flexible Therapieentscheidung in der täglichen Routine"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.