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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

17. Februar 2016 Magenkarzinom – Immuntherapie vielversprechend

Aktuelle Daten zeigen sehr gute Erfolge mit Immuncheckpoint-Inhibitoren bei gastrointestinalen Tumoren, und dies sollte dazu animieren, Patienten in Studien einzuschließen und mit den neuen Substanzen zu behandeln, sagte Prof. Markus Möhler, Mainz. So konnte in der 3. Therapielinie bei Patienten mit metastasiertem Magenkarzinom mit Pembrolizumab ein medianes Überleben von 11,4 Monaten erreicht werden – üblicherweise ist das Therapieansprechen viel kürzer mit Überlebenszeiten von 2-4 Monaten.

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Fachinformation

Im Cancer Genome Atlas Projekt werden Magenkarzinome inzwischen in 4 Subtypen unterteilt: Ein Epstein-Barr-Virus (EBV)-assoziierter, ein Mikrosatelliten-instabiler (MSI), ein genomisch stabiler (GS) und ein chromosomal instabiler (CIN) Subtyp (1). Insbesondere der EBV-positive und der MSI-Subtyp scheinen gut auf eine Immuntherapie anzusprechen, dies müsse allerdings noch in Studien klar belegt werden, so Möhler.

Für die Phase-II-Studie KEYNOTE-012 (2) wurden 65 Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom und PD-L1-positiver Expression eingeschlossen. Die Ergebnisse von 39 Patienten liegen vor (19 Patienten aus Asien, 20 Patienten aus Europa oder den USA). Die meisten hatten bereits 2 oder mehr Vortherapien erhalten und wurden mit 10 mg/kg Pembrolizumab (q2w) behandelt.

Für die 3. und weitere Therapielinie beim Magenkarzinom war das Ergebnis mit Pembrolizumab erstaunlich gut, sagte Möhler. Nach 6 Monaten lebten noch 66% der Patienten. Möhler: „Das wurde in der Drittlinie beim Magenkarzinom bisher noch nie gesehen.“ Mit Pembrolizumab kam es bei 53,1% der Patienten zu einer Tumorverkleinerung. „Das Gesamtüberleben ist mit median 11,4 Monaten ebenfalls sehr vielversprechend“, sagte Möhler.

Die Ansprechrate (ORR) nach RECIST 1.1 betrug in der zentralen Auswertung 22%, die mediane Ansprechdauer belief sich auf 40 Wochen. Üblicherweise ist das Therapieansprechen sehr kurz und das mediane Überleben beträgt in dieser Situation 2-4 Monate. Im asiatischen und nicht-asiatischen Patientenkollektiv bestand eine vergleichbare Wirksamkeit.

Die Ergebnisse der Phase-II-Studie KEYNOTE-012 sind die Grundlage für ein klinisches Entwicklungsprogramm. Es folgt die randomisierte Studie (KEYNOTE-061, Secondline) mit Pembrolizumab (200 mg q3w) vs. Paclitaxel (80 mg/m2 qw) beim Adenokarzinom des Magens oder gastroösophagealen Überganges nach Progress nach Erstlinie mit Platin/5-FU. Eingeschlossen werden zunächst PD-L1-positive und PD-L1-negative Patienten. Später wird überprüft, ob bei PD-L1-negativen Tumoren der Ansatz weiter entwickelt werden kann. Teilnehmende Zentren in Deutschland sind: Würzburg (Kunzmann), Frankfurt (Al-Batran), Hamburg (Gökkurt), Heidelberg (Haag), Recklinghausen (Höhler), Mainz (Möhler), Ulm (Seufferlein) und Berlin (Thuss-Patience).

Abb. 1: Molekulare Subgruppen des Magenkarzinoms (nach (1)).
Abb. 1: Molekulare Subgruppen des Magenkarzinoms (nach (1)).

 

Auch in der Erstlinie startet in Kürze eine weltweite randomisierte Studie (KEYNOTE-062), die Pembrolizumab plus 5-FU/Cisplatin vs. Pembrolizumab vs. 5-FU/Cisplatin bei PD-L1-positiven Patienten prüft. Teilnehmende Zentren in Deutschland sind: Würzburg (Kunzmann, LKP), Hamburg (Gökkurt), Mainz (Möhler), Ulm (Seufferlein) und Berlin (Thuss-Patience).

Pembrolizumab besitzt eine EU-Zulassung für die Behandlung von inoperablem oder metastasiertem Melanom bei Erwachsenen, eine FDA-Zulassung zur Behandlung von fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) und hat seit kurzem auch in den USA den Break-Through-Status für die Behandlung von metastasiertem Kolorektalkarzinom mit Nachweis einer hohen Mikrosatelliten-Instabilität erhalten, berichtete Möhler.

Beim Kolonkarzinom werden Patienten zunehmend nicht nur nach genetischen Charakteristika, sondern auch nach der Lokalisation des Tumors eingeteilt, informierte Möhler. Rechtsseitige Kolonkarzinome treten beispielsweise häufiger bei Frauen auf und es handelt sich dabei häufiger um einen MSI-Subtyp. Dieser Subtyp spricht meist gut auf die neuen Immuntherapien an, während linksseitige Kolonkarzinome – insbesondere im Sigma-Bereich – gut auf die klassische EGFR-Blockade ansprechen.

(as)

Quelle: Satellitensymposium „Perspektive ImmunOnkologie“, im Rahmen der AIO-Herbsttagung, 21.11.2015, Berlin; Veranstalter: MSD

Literatur:

(1) The Cancer Genome Atlas Research Network, Nature 2014;513:202-209.
(2) Bang Y et al. ASCO 2015, Abstr. #4001.


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