Sonntag, 24. März 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

11. Dezember 2018
Seite 1/4
Magen und Adenokarzinome des ösophagogastralen Übergangs – Molekulare Klassifikation

E. Roeb, Justus-Liebig-Universität Gießen, Gastroenterologie, Medizinische Klinik II, Universitätsklinikum Gießen.

Magenkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen weltweit. Trotz abnehmender Inzidenz bleibt die Prognose in den westlichen Ländern schlecht, in asiatischen Ländern mit nationalen Krebsvorsorgeprogrammen ist sie besser. Das Überleben von lokal fortgeschrittenen Magenkarzinomen wurde durch die Einführung von perioperativen, adjuvanten und palliativen Chemotherapien verbessert. Die Identifizierung und Verwendung neuer prädiktiver und diagnostischer Ziele ist jedoch dringend erforderlich. Die neue molekulare Klassifizierung von Magenkrebs umfasst 4 Subtypen: a) Epstein-Barr-Virus (EBV)-assoziierte, b) Mikrosatelliten-instabile (MSI), c) chromosomal instabile und d) genomisch stabile Karzinome. Die insgesamt geringe Prävalenz von verwertbaren Targets sowie signifikante Tumorheterogenitäten sind die beiden Haupthindernisse der Präzisionsmedizin bei Magenkrebs. Diese Übersicht fasst die jüngsten Fortschritte der molekularen Klassifikation bei Magen- und Adenokarzinomen des ösophagogastralen Übergangs (AEG) zusammen.
Anzeige:
Epidemiologie

Die Inzidenz des Magenkarzinoms hat sich in Europa und den USA in den letzten beiden Jahrzehnten reduziert. Die Abnahme der distalen Magenkarzinome lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf die konsequente Eradikationstherapie von Helicobacter pylori zurückführen, der einen wesentlichen Risikofaktor für die Entstehung von Magenkarzinomen darstellt (1). Weiterhin ist ein geringerer Konsum stark gesalzener, gepökelter oder auch geräucherter Lebensmittel zu verzeichnen. Ein Rückgang der im Bereich der Kardia liegenden AEG (Typ I bis III, Abb.1) beruht vermutlich auf der häufiger und konsequenter vorgenommenen Behandlung der Refluxkrankheit mit Protonenpumpen-Inhibitoren.

Magenkrebs ist die dritthäufigste Ursache für die weltweite krebsbedingte Mortalität und verursachte im Jahr 2013 841.000 Todesfälle (2). In Deutschland lag die 5-Jahres-Prävalenz im Jahr 2013 bei 33.202 Magenkrebsfällen (3). Damit ist das Magenkarzinom mit 13% die dritthäufigste maligne Erkrankung der Verdauungsorgane (3). Epidemiologische und klinische Studien weisen auf signifikante Unterschiede sowohl in der Inzidenz als auch in der Gesamtüberlebensrate von Magenkrebs-Patienten zwischen asiatischen und westlichen Ländern hin (4, 5). Die altersstandardisierten Inzidenzraten sind in Osteuropa höher als in Mittel- und Westeuropa (6). Niedriger sozioökonomischer Status, Ernährungs- und Umweltfaktoren sind mit einer erhöhten Inzidenz verbunden. Die geographischen Muster können durch Unterschiede in bevölkerungsspezifischen genetischen Risikofaktoren und Infektionserregern wie Helicobacter pylori verursacht werden, die zur Magenkrebs-Entwicklung beitragen (6-8). Die Diagnose von Magenkrebsfrühkarzinomen ist schwierig, da klinische Symptome während der Entwicklung häufig verspätet auftreten und dadurch die Möglichkeiten einer chirurgischen Behandlung eingeschränkt sind (9). Angesichts der weltweit schlechten Überlebensraten, insbesondere im metastasierten Stadium, besteht daher ein dringender Bedarf, neue Behandlungsmethoden zu identifizieren.
 
Abb. 1: Graphische Darstellung der Lokalisation und Klassifikation von Karzinomen des ösophagokardialen Übergangs (AEG).
Graphische Darstellung der Lokalisation und Klassifikation



Screening und Diagnostik

Die aktuelle S3-Leitlinie Magenkarzinom hält ein Screening der asymptomatischen Bevölkerung aufgrund der geringen Inzidenz des Magenkarzinoms in Deutschland für nicht sinnvoll (10). Eine Überwachung von Risikopatienten wird hingegen empfohlen. Es handelt sich hierbei um Patienten mit gastroösophagealer Refluxerkrankung (GERD). Bei klinischem Verdacht und bei AEG-Tumoren sollte ergänzend die B-Bild-Sonographie des Halses im Staging erfolgen. Die Endosonographie (EUS) des oberen Intestinums ist zentraler Bestandteil des Primärtumor-Stagings (T-Stadium). Eine Fernmetastasierung bei histologisch gesichertem Magenkarzinom oder der Karzinome des ösophagogastralen Übergangs (AEG I-III) sollte mit konventioneller B-Bild-Sonographie, CT-Thorax und CT-Abdomen ausgeschlossen werden. Zum Ausschluss von Lebermetastasen sollte dabei die B-Bild-Sonographie als erstes bildgebendes Verfahren eingesetzt werden.

 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

„Durch Wissen zum Leben“

Wann immer möglich, wird heutzutage versucht, Krebspatienten Klinikaufenthalte zu ersparen. Die Behandlung erfolgt vielmehr bevorzugt ambulant bei niedergelassenen Krebsmedizinern oder in Klinikambulanzen. Das erlaubt es den Patienten, trotz der Erkrankung weitestgehend in ihrer gewohnten Umgebung zu leben und ihrem Alltag nachgehen zu können. Die vorwiegend ambulante Behandlung hat jedoch auch zur Folge, dass dem Patienten weniger Ansprechpartner zu allen Fragen zur Erkrankung und...

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde
© Daniel Vincek / fotolia.com

Neue Analysen der EPIC-Potsdam-Studie zeigen, dass eine mediterrane Kost auch außerhalb des Mittelmeerraums das Risiko für Typ-2-Diabetes senken kann. Zudem können Menschen mit Gemüse, Obst, Olivenöl und Co wahrscheinlich zusätzlich ihr Herzinfarkt-Risiko verringern. Die Ergebnisse zum Zusammenhang von regionalen Diäten und chronischen Erkrankungen haben DIfE-Wissenschaftler im Rahmen des Kompetenzclusters NutriAct jetzt im Fachblatt BMC Medicine publiziert.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Magen und Adenokarzinome des ösophagogastralen Übergangs – Molekulare Klassifikation"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.