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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. Dezember 2006 Leitliniengerechte Prophylaxe mit Pegfilgrastim

Die Chemotherapie-induzierte febrile Neutropenie (FN) stellt eine der schwerwiegendsten Komplikationen bei Tumorerkrankungen dar. Angesichts dieser Bedeutung von FN haben sowohl die American Society of Clinical Oncology (ASCO) als auch die European Organization for Research on Treatment of Cancer (EORTC) aktuelle Leitlinien erarbeitet, wie ein wirksamer Schutz vor FN aussehen sollte.1, 2 Die hämatopoetischen Wachstumsfaktoren (G-CSF = Granulocyte-Colony Stimulating Factor) Pegfilgrastim oder Filgrastim gehören zu den Substanzen der ersten Wahl und sollten bei einem FN-Risiko ab 20% immer prophylaktisch eingesetzt werden. Professor Matti Aapro, Genolier (Schweiz), der federführende Autor der neuen EORTC-Richtlinien, verwies darauf, dass insbesondere Pegfilgrastim (Neulasta®) nicht nur eine studienbelegte hohe Effektivität, sondern auch den Vorteil der Einmalgabe pro Chemotherapiezyklus bietet.
Die Chemotherapie-induzierte febrile Neutropenie ist nicht nur einer der Hauptrisikofaktoren für eine infektionsbedingte Morbidität und Mortalität, sondern häufig werden dadurch Dosisreduktionen und Zyklusverschiebungen der Chemotherapie nötig, die sich negativ auf den Gesamtverlauf und das Therapieergebnis auswirken können. Obwohl bekannt ist, dass die Inzidenz dieser schweren Nebenwirkung durch den prophylaktischen Einsatz von Wachstumsfaktoren reduziert werden kann, besteht bisher im klinischen Alltag keine einheitliche Vorgehensweise wie der Einsatz von G-CSF erfolgen sollte, damit die Patienten von dieser Behandlung profitieren können. Um diesem Missstand abzuhelfen, wurden nun die neuen Leitlinien erstellt, die Aapro anlässlich des diesjährigen Europäischen Krebskongresses (ESMO) vorstellte.
Er verwies darauf, dass das Chemotherapie-bedingte FN-Risiko der Patienten vor jeder geplanten Chemotherapie routinemäßig erfasst werden soll. „Liegt das Risiko über oder gleich 20%, dann wird eine Prophylaxe mit G-CSF empfohlen“, so Aapro weiter. Bei einem Risiko unterhalb dieses Schwellenwerts ist eine erhöhte Aufmerksamkeit hinsichtlich patientenbezogener Risikofaktoren nötig. Diese Empfehlung trifft ebenso auf Patienten zu, die dosisdichte oder dosisintensivierte Chemotherapien bekommen, wie beispielsweise viele Patientinnen mit Mammakarzinom. Im zweiten Schritt werden patientenbezogene Risikofaktoren zur Beurteilung des gesamten FN-Risikos erfasst.
Der Schweizer Experte verwies darauf, dass der Einsatz von Pegfilgrastim eine Level-A-Empfehlung besitzt. Dieser nur einmal pro Zyklus zu injizierende Wachstumsfaktor hat in umfangreichen Studien belegt, dass er die Inzidenz febriler Neutropenien signifikant reduzieren kann und damit die Durchführbarkeit der Chemotherapie unterstützt und optimiert. In einer kürzlich publizierten retrospektiven Analyse im Rahmen einer prospektiv durchgeführten Studie3, konnte durch den prophylaktischen Einsatz von Pegfilgrastim bei Frauen mit Mammakarzinom unter einer TAC-Therapie (Docetaxel, Doxorubicin und Cyclophosphamid) die Inzidenz der FN signifikant von 17,1% auf 6,4% gesenkt werden.

Quelle: 1 Smith TJ et al., J Clin Oncol 2006; 24: 3187–3205 (ASCO-Guidelines)
2 Aapro MS et al., Eur J Cancer 2006; in press (EORTC-Guidelines)
3 von Minckwitz G et al., J Clin Oncol 2005; 23 (169): Abstract 8108
Vorträge im Rahmen des 31th Congress der European Society for Medical Oncology (ESMO), Istanbul, 29.9.-3.10.2006


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