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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

28. Oktober 2009 Lebensbedrohliche Febrile Neutropenie: Pegfilgrastim – mehr als nur eine supportive Medikation?

Medikamente, die eine Neutropenie verhindern oder in ihrem Schweregrad vermindern können wie Granulozyten-Koloniestimulierende Faktoren (G-CSF), sind heute nicht mehr aus modernen onkologischen Behandlungsstrategien wegzudenken. Dosisdichte Protokolle wurden überhaupt erst durch die prophylaktische Gabe von G-CSF möglich. Welche Vorteile das langwirksame Pegfilgastrim (Neulasta®) zusätzlich bietet, war eines der Themen des von Amgen unterstützten Symposiums beim Europäischen Krebskongress im September 2009.
Die febrile Neutropenie (FN) ist eine schwerwiegende und lebensbedrohliche Komplikation, die bei myelosuppressiver Chemotherapie auftreten kann, sagte Professor Gary Lyman vom Duke Center in North Carolina, USA. Wie hoch die Mortalität wirklich ist, zeigte die Analyse von Kuderer et al.: Bei 41.779 Patienten unter einer Chemotherapie konnte eine generelle Mortalität von 9,5% belegt werden. Vorliegende Komorbiditäten wie Sepsis, Lungenentzündungen, Leukämien oder Lungenembolien verschärften das Problem zusätzlich: Bei keiner Komorbidität lag die Mortalität bei 2,6% und stieg auf 10,3% im Falle einer und auf 21,4% bei Vorliegen von mehr als einer Komorbidität. Die febrile Neutropenie ist einer der häufigsten Gründe für Zyklusverschiebungen oder Dosisreduktionen, die den Erfolg einer Chemotherapie beeinträchtigen können. Dies geht aus Studien z.B. bei der adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms [2,3,4] oder bei Lymphomen [5,6] hervor. Laut Lyman sind dosisdichte und dosisintensivierte Regime, mit denen z.B. Hochrisikopatientinnen mit Mammakarzinom ein signifikant besseres Leben erreichen, nur mit dem Support G-CSF möglich, die seiner Erfahrung nach neben der Reduktion des Risikos einer FN ebenfalls die Schwere und Dauer einer Neutropenie verringern können. Demzufolge empfehlen alle relevanten Fachgesellschaften (z.B. EORTC, ASCO, NCCN) übereinstimmend den primärprophylaktischen Einsatz von G-CSF, wenn das Risiko für eine FN bei mehr als 20% liegt. Der primärprophylaktische Einsatz wird befürwortet, wenn die relative Dosisintensität der Chemotherapie erhalten werden sollte, z.B. wenn das verabreichte Regime in kurativer Absicht gegeben wird oder um eine Verlängerung des Überlebens zu bewirken. In einer Metaanalyse reduzierte die prophylaktische Gabe von G-CSF signifikant die Inzidenz febriler Neutropenien und der Infektions-bezogenen Mortalität und Morbidität bei Patienten mit soliden Tumoren.

Die planmäßige dosisdichte Gabe war häufiger möglich. Die relative Risikoreduktion war unter dem langwirksamen Pegfilgrastim signifikant größer als unter Filgrastim oder Lenograstim [7]. Das Ziel der NeuCuP-Analyse (Neulasta versus Current Pracice Neutropenia Management) war es, den Einfluss der primären Neutrope-nie-Prophylaxe mit dem langwirksamen G-CSF Pegfilgrastim (Neulasta®) mit dem üblichen Neutropenie-Management im Hinblick auf die geplante Gabe der Chemotherapie bei Patientinnen mit Mammakarzinom zu untersuchen [8]. Diese integrierte Analyse umfasst Daten von 2282 Patienten aus 8 klinischen und 3 Beobachtungsstudien, die verschiedene Chemotherapien mit mittlerem bis hohem Risiko für FN erhalten hatten. Verglichen mit dem üblichen Management wurde die Häufigkeit von Zyklusverschiebungen von 24% auf 9% gesenkt und die Rate an Krankenhauseinweisungen wegen FN sank von 10% auf 4%. Darüber hinaus stellte Lyman eine eigene Arbeit mit 4458 Patienten vor, in der die primärprohylaktische Gabe von Pegfilgastrim sowohl zu einem signifikant verlängerten PFS als auch zu einem signifikant erhöhten OS führt (Abb. 1). „Diese Daten sollten zwar noch in weiteren Studien überprüft werden, aber sie deuten bereits an, welches Potenzial Pegfilgastrim hat“, so Lyman abschließend.
Bettina Reich

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Abb. 1: Pegfilgastrim verbessert das PFS und OS


1. Kuderer NM et al. Cancer 2006; 106: 2258 -2266
2. Chirivella I et al. Breast Cancer Res Treat 2009: 114: 479-484
3. Bondonna G et al. NEJM 1995; 332: 901-906
4. Bonneterre J et al. JCO 2005; 23; 2686-2693
5. Bosly A et al. Ann Hematol 2008: 87: 277-288
6. Pettengell R et al. Ann Hematol 2008: 87: 429-430
7. Kuderer NM et al. J Clin Oncol. 2007;25(21):3158-67
8. Schwenkglenks M et al. EBCC-6 2008 Abstract 62


Quelle: Symposium: “The bone and the marrow” im Rahmen des ECCO 15-34 ESMO Congress, Berlin, 22. September 2009, Veranstalter Amgen

Quelle:


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