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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. Februar 2017 Kopf-Hals-Tumoren und Magenkarzinom: Immunonkologie als Therapieoption

„Es ist spannend zu sehen, wohin sich die immunonkologischen Therapiemöglichkeiten zur Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren und des Magenkarzinoms entwickeln“, berichtete Prof. Dr. Ulrich Keilholz, Berlin, im Rahmen eines Satellitensymposiums auf dem 13. Herbstkongress der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft (AIO) in Berlin.
Kopf-Hals-Tumoren: Nivolumab verlängert OS

Plattenepitheliale Kopf-Hals-Karzinome können die körperlichen Funktionen eines Patienten, beispielsweise das Atmen, Schlucken, Essen und Trinken, die persönlichen Merkmale, die sensorischen Fähigkeiten sowie psychische und soziale Fähigkeiten stark beeinträchtigen.

Im Rahmen der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie CheckMate -141 wurde die Wirksamkeit von Nivolumab (Opdivo®) bei Patienten mit rezidivierten oder metastasierten plattenepithelialen Kopf-Hals-Tumoren (SCCHN, squamous cell carcinoma of the head and neck) nach einer Platin-Therapie im Vergleich zur Standardtherapie (Methotrexat, Docetaxel oder Cetuximab) untersucht (1), erläuterte Keilholz. In der Nivolumab-Gruppe zeigte sich mit 7,5 Monaten ein signifikant verlängertes medianes Gesamtüberleben (OS) im Gegensatz zu einem OS von 5,1 Monaten in der Standardtherapie-Gruppe (HR=0,70; 97,73%-KI: 0,51-0,96; p=0,01). Die erwartete 1-Jahres-OS-Rate erwies sich unter Nivolumab höher als unter der Standardtherapie (36,0% vs. 16,6%). Hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens (PFS) konnte mit 2,0 Monaten unter Nivolumab-Therapie und mit 2,3 Monaten unter Standardtherapie kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungsgruppen festgestellt werden (HR=0,89; 95%-KI: 0,70-1,13; p=0,32). Die Ansprechraten betrugen 13,3% unter Nivolumab und 5,8% unter Standardbehandlung. Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4 traten bei 13,1% der Patienten in der Nivolumab-Gruppe und bei 35,1% in der Standardtherapie-Gruppe auf.

Darüber hinaus wurden in der CheckMate -141-Studie Patient-Reported Outcomes (PRO) analysiert. Während Patienten der Nivolumab-Gruppe nach 15 Wochen stabile PRO zeigten, verzeichneten Patienten der Standardtherapie-Gruppe eine signifikante und klinisch bedeutsame Verschlechterung ihrer körperlichen, beruflichen und sozialen Funktionsfähigkeiten (p<0,001 vs. Nivolumab). Zudem verschlechterten sich in dieser Gruppe Symptome wie beispielsweise Fatigue (p<0,001 vs. Nivolumab), Dyspnoe (p<0,001 vs. Nivolumab) und Appetitlosigkeit (p=0,004 vs. Nivolumab). Nivolumab verlängerte verglichen mit der Standardtherapie die mediane Zeit bis zur Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands (7,7 vs. 3,0 Monate), der körperlichen Funktion (7,8 vs. 3,6 Monate), der beruflichen (8,6 vs. 3,8 Monate), kognitiven (7,8 vs. 3,3 Monate) und sozialen Funktionen (7,7 vs. 3,0 Monate). Die mediane Zeit bis zur Verschlechterung des Gesundheitszustands erwies sich im Nivolumab-Therapiearm mit 9,1 Monaten nahezu dreimal so lang wie im Standardtherapiearm (3,3 Monate).

„Wir müssen den Weg weitergehen, die programmed death-ligand 1(PD-L1)-Blockade mit anderen Therapiemöglichkeiten, wie beispielsweise Chemotherapien, Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) oder anderen immunonkologischen Substanzen, zu kombinieren. Optionen hierfür gibt es viele“, bemerkte Keilholz abschließend.


Therapiestrategien beim Magenkarzinom

„Das lokalisierte Magenkarzinom ist eine erschreckend aggressive Erkrankung, die mit Chirurgie alleine nur schwer kurativ behandelbar ist“, erläuterte Prof. Dr. Florian Lordick, Leipzig. Aus diesem Grund seien multimodale Behandlungsstrategien von großer Bedeutung. Diese werden weltweit unterschiedlich gehandhabt: Während in den USA eine Präferenz für adjuvante Radiochemotherapien besteht, werden in Asien adjuvante Chemotherapien präferiert. In Europa erhält gemäß den europäischen Leitlinien die perioperative Chemotherapie in den Stadien II und III mit Platin- und 5-FU-basierten Schemata den Vorzug. „Auch hier gilt es, in den nächsten Jahren das Feld weiter zu entwickeln, um neue Substanzen mit differenzierten Therapiestrategien zur Verfügung zu stellen“, sagte Lordick. Gerade in der Behandlung der Erkrankung im Stadium IV müsse die HER2-Expression kompetent bestimmt werden. Fällt die Expression dieses Biomarker negativ aus, sollte eine Platin- und 5-FU-basierte Therapie erfolgen, bei HER2-Positivität hingegen eine Kombinationstherapie mit Trastuzumab, so Lordick. Indessen seien relativ gut definierte Strategien für die Zweitlinien-Therapie verfügbar: Am effektivsten seien hier nach Lordick Paclitaxel und Ramucirumab.

„Es gibt Chancen, dass sich neue therapeutische Wege für das Magenkarzinom ergeben“, bemerkte Lordick. Hierzu sei eine bessere Charakterisierung der Erkrankung nötig. Beispielsweise sei eine molekulare Einteilung in Epstein-Barr-Virus-assoziierte Magenkarzinome, Magenkarzinome mit Mikrosatelliteninstabilität, chromosomal instabile und genomisch stabile Magenkarzinome sinnvoll. „Diese 4 Entitäten unterscheiden sich nicht nur in ihren molekularen Charakteristika, sondern sind durchaus auch anatomisch unterschiedlich verteilt“, erklärte Lordick.

Darüber hinaus laufen derzeit Untersuchungen spezifischer Therapieprinzipien, die z.B. Tumorzellen mit Stammzelleigenschaften adressieren. Eine Inhibierung des STAT3-Signalwegs, der eine wichtige Rolle für Krebsstammzellen spielt, wird derzeit untersucht. Als neues, beim Magenkarzinom hochexprimiertes Tumortarget hat sich das Adhäsionsmolekül Claudin 18.2 herausgestellt. „Aufgrund der hohen Expression eignet es sich als vielversprechendes Therapietarget“, führte Lordick aus. Da insbesondere Epstein-Barr-Virus-assoziierte und mikrosatelliteninstabile Magenkarzinome häufig mit einer Expression des PD-L1 assoziiert sind, könnten sich Immuntherapien in diesen Fällen besonders eignen. „Nivolumab in Verbindung mit Ipilimumab gefolgt von einer Nivolumab-Erhaltungstherapie führte zumindest im Trend zu günstigeren PFS-Raten, so dass diese Strategie weiter verfolgt werden wird“, erklärte Lordick. Untersuchungen von Nivolumab in fortgeschrittener Therapielinie wurden aktuell durchgeführt und zeigten einen positiven Endpunkt. Die Präsentation der Ergebnisse wird 2017 erwartet.

(ma)

Quelle: Satellitensymposium „Die Immunonkologie: auch eine Therapieoption über das Melanom, NSCLC und RCC hinaus?“, anlässl. des 13. Herbstkongresses der AIO, 18.11.2016, Berlin; Veranstalter: Bristol-Myers Squibb

Literatur:

(1) Ferris RL et al. N Engl J Med 2016;375:1856-67.


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