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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

07. Februar 2012 Kasuistik I : Patient mit metastasiertem Kastrationsrefraktären Prostatakarzinom (mCRPC) und Zweitlinientherapie mit Cabazitaxel

Bei einem damals 58-jährigen Patienten wird Anfang 2002 ein lokal fortgeschrittenes, primär lymphogen metastasiertes Adenokarzinom der Prostata diagnostiziert. Der Patient hat diverse Begleiterkrankungen, u.a. eine arterielle Hypertonie mit Aorten- und Mitralklappeninsuffizienz (jew. Grad 1), Coxarthrose und Hüftgelenksnekrose, und ist starker Raucher.
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Diagnose

Januar 2002: Erstdiagnose cTX pN2 (3/5) cM0, Gleason 7 (3+4) mit initialem PSA-Wert von 80 ng/ml.

Therapie und Verlauf

Ab März 2002: primäre kontinuierliche Androgendeprivation (Bicalutamid) und LHRH-Analogon (Leuprorelin) plus perkutane Bestrahlung der Prostataloge plus Lymphabflusswege (66,6 Gy gesamt). Der PSA-Nadir sinkt auf 4,0 ng/ml.

April 2005: Therapiewechsel auf Ketokonazol (sekundäre Hormonmanipulation) wegen isoliertem PSA-Progress.

April 2007: Metastase im Brustwirbelkörper (BWK) 4 mit Myelonkompression und Querschnittssymptomatik. Behandlung: operative Dekompression mit postoperativ fraktionierter Bestrahlung von BWK 3-5 (2,5 Gy/35,0 Gy gesamt) und nachfolgend erneuter Behandlung mit LHRH-Analogon (Leuprorelin, 1-Monats-Depot-Präparat) plus Bisphosphonat (Zoledronsäure).

Februar/März 2008: Die Skelettszintigraphie zeigt eine verstärkte Anreicherung in BWK 5 und Lendenwirbelkörper (LWK) 2+5. PSA-Wert-Anstieg auf 10,0 ng/ml. Therapieumstellung auf Leuprorelin als 3-Monats-Depot-Präparat.

August 2008: fraktionierte Bestrahlung von Halswirbelkörper (HWK) 4 – BWK 1 (34,6 Gy gesamt). PSA-Wert-Anstieg auf 87,4 ng/ml (09/2008) und 157 ng/ml (11/2008).

Dezember 2008 - Mai 2009: Chemotherapie mit Docetaxel (6 Zyklen wöchentlich: kumulative Docetaxel-Dosis von ~500 mg/m² KOF absolut) zusätzlich zu Leuprorelin. PSA-Wert-Abfall auf 67 ng/ml.

28.05.2009: Abbruch der Chemotherapie wegen Unverträglichkeit (Anämie, Leukopenie, peripher schlecht kontrollierbare Ödeme). Leuprorelin-Gabe wird fortgeführt. PSA-Progress auf 748 ng/ml (08/2010).

August 2010: Wechsel von LHRH-Analogon auf sekundäre Hormonmanipulation mit transdermalem Estradiol; PSA-Wert-Anstieg auf 1.049 ng/ml (10/2010).

12.10.2010: Erstvorstellung des Patienten in der urologischen Universitätsklinik Düsseldorf. Patient kommt mit dem Wunsch einer Zweitlinien-Chemotherapie mit Cabazitaxel und wird in das Cabazitaxel-Härtefall-Programm aufgenommen.


Status Quo vor Cabazitaxel-Behandlung

67-jähriger Patient (174 cm, 98 kg, BMI 32,4) mit leicht eingeschränktem Allgemeinzustand (ECOG 1), steigendem PSA-Wert (aktuell: 1.049 ng/ml), suprapubischem Blasenkatheter, Harnaufstau rechts und peripherer Polyneuropathie CTC Grad 1. Ossäre Metastasierung im Stammskelett, in der Schädelkalotte und den Extremitäten (Betonung auf HWK 6+7, BWK 4+6, Deckplatteneinbruch von LWK 2+5) (Abb. 1); keine messbaren Anzeichen (RECIST 1.0) für Lungen-, Leber- und Lymphknotenmetastasen, leichte bis mäßige Schmerzen (Oxycodon 20 mg).

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Abbildung 1: Baseline-Skelettszintigraphie (21.10.2010) mit 720 MBq Tc-99m-DPD vor 1. Cabazitaxelgabe. Ablaufschlauch des suprapubischen Katheters (Pfeile).

19.11.2010-01.03.2011: Sechs Zyklen Cabazitaxel in der Standard-Dosierung (25 mg/m² KOF) plus G-CSF-Support, Ciprofloxacin und Schmerzmedikation (Oxycodon und Tetrazepam). Nach sechs Zyklen Cabazitaxel zeigt sich ein PSA-Wert-Abfall von 1.049 ng/ml auf 530,8 ng/ml.

17.03.2011: Re-Staging nach sechs Zyklen Cabazitaxel
Keine Anhaltspunkte für einen weiteren Progress der vor Therapiebeginn mit Cabazitaxel rasch progredienten Tumorerkrankung (Abb. 2).

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Abbildung 2: Skelettszintigraphie mit 720 MBq Tc-99m-DPD (17.03.2011) nach der Cabazitaxelgabe. Harnstau rechte Niere (keine neue Metastase, Pfeile orange). Ablaufbeutel des suprapubischen Katheters (Pfeile grün).

In der Computertomographie zeigt sich eine leichte Zunahme der Sklerosierung der diffusen Knochenmetastasen im Sinne eines Therapieansprechens auf die Behandlung mit Cabazitaxel (Abb. 3+4).

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Abbildung 3: Zunehmende Sklerosierung der Knochenmetastasen im CT. Wirbelkörpermetastase vor Cabazitaxel (oranger Pfeil).Wirbelkörpermetastase nach Cabazitaxel (grüner Pfeil).

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Abbildung 4: Zunehmende Sklerosierung der Knochenmetastasen im CT. Rippenmetastase vor Cabazitaxel (oranger Pfeil). Rippenmetastase nach Cabazitaxel (grüner Pfeil).

Ab 17.03.2011: Trotz Therapieansprechen und guter Verträglichkeit wird aufgrund der hohen kumulativen Taxan-Dosis (Docetaxel + Cabazitaxel) eine Therapiepause gemacht mit Re-Staging alle drei Monate und monatlicher PSA-Wert-Kontrolle. Der Patient war Ende April 2011 noch ohne Progress und hat zu diesem Zeitpunkt eine progressionsfreie Überlebenszeit von etwa 5,5 Monaten erreicht bei guter Lebensqualität und ohne therapierelevante Nebenwirkungen.

Quelle:


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