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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. Oktober 2012 Jahressymposium MASCC/ISOO 2012 – Supportive Therapien

Ausgewählte Highlights von internationalen Kongressen 2012

Ausschließlich der onkologischen Supportivtherapie in all ihren Facetten widmete sich das internationale MASCC/ISOO-Jahressymposium vom 28. bis 30. Juni in New York. Das von über 1.400 Teilnehmern aus 62 Ländern besuchte Symposium stand unter dem Vorsitz von Richard Gralla, New York, und Harry Raftopoulos, Lake Success, New York. Themen der 980 Abstracts und 660 Poster waren unter anderem Antiemese, geriatrische Krebspatienten, Hauttoxizitäten onkologischer Therapien, Neutropenie, Mukositis, ossäre Komplikationen, psychische, seelische und soziale Auswirkungen einer Krebserkrankung, Schmerztherapie und die Verfügbarkeit von Leitlinien und deren Umsetzung in die Praxis. Zum ersten Mal gehörte zum jährlichen Symposium von MASCC und ISOO auch ein eigenes Symposium für Krebspatienten, deren Familien und Pflegekräfte.

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Antiemese

Nach wie vor ist die Umsetzung von Leitlinien ein viel diskutiertes Thema.Koh et al. hatten in ihrer Studie (Abstr. 390) untersucht, inwieweit die MASCC-Guidelines zur Prophylaxe von Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen (CINV) in der Praxis Anwendung finden. Die Unterlagen von 520 Patienten wurden analysiert. Bei den Patienten, die eine hoch emetogene Chemotherapie (HEC) bekommen hatten, wurden 67,5% nicht leitlinienkonform behandelt, hauptsächlich bekamen sie kein Aprepitant. Die 32,5% Patienten, die gemäß den Leitlinien eine Dreifach-Prophylaxe mit NK1-RA, 5-HT3-Rezeptorantagonist (5-HT3-RA) und Kortikosteroid erhalten hatten, waren mehrheitlich in Abteilungen für medizinische Onkologie behandelt worden. Die Studie demonstrierte, dass ein NK1-RA zwar nicht bei HEC, aber bei AC-basierter Chemotherapie eingesetzt wurde. Außerdem zeigte sie, dass sich die Abteilungen für medizinische/internistische Onkologie im Vergleich zu chirurgischen Abteilungen häufiger an die Leitlinien hielten.

In den neuen ASCO Leitlinien 2011 wird die AC-haltige Chemotherapie als hochemetogen eingestuft und erfodert daher eine Dreifachkombination, wie oben beschrieben. Ein deutsches Poster von Schilling et al. zeigte anhand einer Umfrage bei 1299 in niedergelassenen gynäko-onkologischen Praxen, dass die Dreifachprophylaxe mit Palonosetron den wirksamsten Schutz vor CINV bei Mammakarzinompatientinnen, die eine AC-haltige Chemotherapie erhalten, bot (Abstr. 947).

MASCC Präsident Steven Grunberg stellte den Entwicklungsstand der neuen NK1-Rezeptorantagonisten (NK1-RA) Netupitant und Rolapitant, die für ihn eine weitere Bereicherung des antiemetischen Armamentariums darstellen können, vor. Ob alle Vertreter der Substanzklasse die gleichen pharmakologischen Eigenschaften und Nebenwirkungen haben oder ob sich die individuellen Substanzen deutlich unterscheiden können, ist noch zu klären.

Palliative Strahlentherapien

Ivanova et al. untersuchten palliative Strahlentherapien für schmerzhafte Knochenmetastasen und hatten dazu 2 Fraktionen mit jeweils 8 Gy mit 5 Fraktionen mit jeweils 4 Gy bei 76 Patienten ver-glichen (Abstr. 802). Der analgetische Effekt beider Strahlentherapieregime war gleich, jedoch hielt die Schmerzkontrolle mit der fünffachen Fraktionierung länger an und es war weniger häufig eine erneute Bestrahlung notwendig. Nach konventioneller palliativer Strahlentherapie verspüren bis zu 40% der Patienten eine vorübergehende Verstärkung der Schmerzen im Zeitraum von etwa 10 Tagen nach der Strahlentherapie (Pain Flare).

Zeng et al. hatten in ihrer Studie den Pain Flare nach stereotaktischer Strahlentherapie (SBRT) bei 41 Patienten mit Knochenmetastasen untersucht (Abstr. 247). 17 Patienten erhielten eine Fraktion SBRT, die restlichen zwischen 2 und 5 Fraktionen SBRT. Bei 66% der Patienten verstärkten sich die Schmerzen vorübergehend, zumeist am ersten Tag nach der SBRT. Bei den Patienten, die nur eine Fraktion SBRT erhalten hatten, war die Inzidenz leicht erhöht. Patienten, die vor der SBRT ein Steroid erhalten hatten (n=4), erlebten keinen Pain Flare. Damit war die Inzidenz von Pain Flares bei den Patienten, die eine SBRT für ihre spinalen Knochenmetastasen erhalten hatten, deutlich höher als bei den Patienten, deren Knochenmetastasen konventionell bestrahlt worden waren. Dies deutet nach Meinung der Autoren darauf hin, dass nicht die Größe des bestrahlten Areals, sondern die verabreichte Strahlendosis für den Pain Flare verantwortlich ist. Die Rolle von prophylaktisch verabreichten Steroiden muss noch weiter untersucht werden.

Prävention der Strahlendermatitis

Naumann et al. stellten die Zwischenergebnisse der multizentrischen, kontrollierten, randomisierten Studie CREAM-1 zur Prophylaxe der akuten Strahlendermatitis (ARD) vor (Abstr. 428). 120 Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren, die mit einer Radiochemotherapie behandelt wurden, erhielten zur Prophylaxe einer Strahlendermatitis randomisiert entweder topisch angewendetes R1 und R2 (eine zweistufige Behandlung mit Lactokin-haltigem Gel und Lotion) oder die in dem jeweiligen Zentrum zur Prophylaxe standardmäßig eingesetzte Hautpflege. Primärer Studienendpunkt war die Anzahl der Patienten, die eine ARD vom Grad 3 oder 4 erlitten. Zum Zeitpunkt der Zwischenanalyse waren 43 Patienten im Hinblick auf die Verträglichkeit auswertbar. R1 und R2 erwiesen sich als gut verträglich, es traten keine Toxizitäten vom Grad 3 oder 4 auf, auch die Lebensqualität der Patienten, die durch Fragebögen erfasst wurde, blieb bei den Patienten, die R1 und R2 anwendeten, erhalten. Die Autoren bewerteten die Prophylaxe der ARD mit R1 und R2 damit als effektiv und sicher durchführbar. Weite Patienten werden in die Studie aufgenommen.

Berichterstattung: Dr. rer. nat. Petra Ortner, München

Das nächste gemeinsame Jahressymposium von MASCC und ISOO wird vom 27. bis 29. Juni 2013 in Berlin unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Petra Feyer, Berlin, und Dr. Petra Ortner, München, stattfinden.


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