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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

01. Mai 2009 Invasive Mykosen: Europäischer Forschungsverbund sucht nach neuen diagnostischen und therapeutischen Wegen

Die Zahl der Neuinfektionen an invasiven Mykosen steigt seit Jahren an. Ursache ist vor allem die Zunahme immunsupprimierter Patienten. Ein besonders hohes Risiko, eine Pilzinfektion zu entwickeln, haben Patienten mit Leukämie oder nach Knochenmarktransplantation mit lang dauernder Neutropenie. Die Zunahme an tödlich verlaufenden Pilzinfektionen ist vor allem den invasiven Aspergillosen zuzuschreiben. Hauptproblem bei invasiven Pilzinfektionen ist nach wie vor die Diagnostik, sodass man bei Verdacht meist auf eine empirische Therapie angewiesen ist. Der von der EU geförderte Europäische Forschungsverbund MANASP (Development of Novel Management Strategies for Invasive Aspergillosis) unter Leitung der Universität Würzburg hat sich zum Ziel gesetzt, neue Ansätze in der Dia-gnostik der Aspergillosen zu finden. Der Forschungsverbund soll auch dazu beitragen, die Behandlung zu verbessern. Vor kurzem trafen sich die Mitglieder des Konsortiums in Würzburg zu einem Meinungsaustausch und in einem Interview mit JOURNAL ONKOLOGIE erläuterte Professor Hermann Einsele die neuen Strategien in der Diagnostik und Therapie, die vom Forschungsverbund entwickelt werden.
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Herr Professor Einsele, wie setzt sich die MANASP zusammen, und wie sind die Aufgaben innerhalb dieses Verbundes verteilt?
Einsele: Es handelt sich um ein großes europäisches Konsortium, das mit 3 Mio Euro von der EU unterstützt wird und in dessen Rahmen neue diagnostische und therapeutische Strategien umgesetzt werden sollen. Beteiligt sind Würzburg als führendes Zentrum, dann die Kollegen aus Jena (Hans Knöll Institut Jena), Irland (Trinity College Dublin), Frankreich (Institut Pasteur in Paris, INSA Toulouse) und Italien (Universität Perugia). Die Kollegen aus Toulouse beschäftigen sich vor allem mit den Erbsubstanzen der Aspergillen, die Gruppe aus Perugia untersucht an Mausmodellen die Immunabwehr gegen Pilze. Es handelt sich um europäisches Netzwerk mit sehr enger Zusammenarbeit zwischen Klinikern und Grundlagenwissenschaftlern. Es finden mehrmals pro Jahr Treffen statt, auch Wissenschaftler wechseln zwischen den Instituten und es werden Proben ausgetauscht.
Bestimmte Vorentwicklungen finden zum Beispiel in Toulouse oder Paris statt und deren Ergebnisse werden in die Kliniken in Dublin oder Würzburg überführt. Untersucht wird u.a. welche Antigene beim Pilz hochreguliert werden, wie die Zelle reagiert, wenn sie in Kontakt mit dem Pilz kommt, welche Gene dann angeschaltet werden. Daraus versuchen wir abzuleiten, wie eine optimale Immunantwort gegen den Pilz abläuft. Ziel ist die Verbesserung in der Diagnostik der Aspergillose oder auch andere Pilze, denn eine ganze Reihe der neuen diagnostischen Methoden ist aber auch übertragbar auf andere Pilzinfektionen.
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Prof. H. Einsele,
Medizinische Klinik und Poliklinik II,
Universität Würzburg

Um welche neuen diagnostischen Methoden handelt es sich?

Einsele: Es geht dabei um Strategien, mit denen sich die Infektion in einem sehr frühen Stadium sichern lässt, bevor der Patient Fieber entwickelt. Es gibt inzwischen den schon relativ gut etablierten Galaktomannantest. Wir arbeiten vor allem sehr stark mit der PCR-Technologie, mit der sich Nukleinsäurefragmente der Pilze im Blut des Patienten nachweisen lassen. Assoziiert mit diesem europäischen Programm läuft auch inzwischen eine europaweite Studie mit dem Ziel, diese Technologie in verschiedenen Labors abzugleichen. Es sollen Ringversuche gestartet werden, um einen neuen Diagnosestandard zu entwickeln.

Bei welchen Patienten soll später diese PCR-Technologie für die Diagnose zum Einsatz kommen?

Einsele: Vor allem bei Leukämiepatienten und den transplantierten Patienten. Aber auch andere Patientengruppen können davon profitieren, z.B. Patienten mit cystischer Fibrose oder chronischer granulomatöser Erkrankung – also Patienten, die im Bereich der Lunge oder der weißen Blutkörperchen Defekte aufweisen, die sie anfällig für Pilzinfektionen werden lassen.

Und welche therapeutischen Strategien verfolgt der Forschungsverbund?
Einsele: Wir stellen uns drei verschiedene Strategien vor. Zum einen, dass man einen Pilzbestandteil verwendet, der immunogen ist und damit Blutzellen anregt, so dass diese gegen den Pilz aktiv werden. Zum anderen, dass man mit einem Oberflächenmolekül die Immunzellen vom Patienten oder sogar vom Stammzellenspender stimuliert und solche stimulierten Immunzellen nach der Transplantation überträgt. Bei diesem Ansatz handelt es sich um eine richtige Zelltherapie. Bei der dritten Strategie handelt es sich um eine Antikörpertherapie. Man verwendet einen gegen eine Oberflächenstruktur des Pilzes spezifisch gerichteten Antikörper, der anschließend modifiziert wird. Es gibt bereits einen AK, der bei einer Candida-Infektion eingesetzt wurde und sich als wirksam erwiesen hat und einen Hinweis darauf gibt, dass ein entsprechender Ansatz auch bei der Aspergillose wirksam sein sollte.

Vielen Dank für das Gespräch!

Quelle:


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