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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. Mai 2011 Interview mit Prof. Dr. Peter Malfertheiner, Magdeburg

SORAMIC-Studie

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Prof. Dr. Peter Malfertheiner, Magdeburg


Herr Professor Malfertheiner, würden Sie bitte kurz umreißen, was das Besondere an der SORAMIC-Studie ist?

SORAMIC ist eine große multi-zentrische Studie, an der 41 Zentren in Europa beteiligt sind. Ziel ist es, die Wirksamkeit einer Kombination aus Strahlentherapie und systemischer Therapie bei Patienten mit frühem und fortgeschrittenem hepatozellulären Karzinom (HCC) zu prüfen. Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren werden mit Selektiver Interner Radiotherapie (SIRT) mit SIR-Spheres® und anschließend mit Sorafenib behandelt oder nur mit Sorafenib. Da die Mehrzahl der Patienten in einem späten Stadium kommen, stellt sich die Frage, ob man mit dieser Mikrotherapie plus systemischer Therapie mehr erreichen kann als mit einer alleinigen systemischen Therapie, deren Wirksamkeit in diesem Stadium schon nachgewiesen worden ist.

In den zweiten Studienarm sind Patienten mit einem Karzinom im frühen Stadium eingeschlossen, die noch operabel sind, eventuell sogar kurativ. Sie erhalten randomisiert zur Überbrückung bis zur Transplantation und eventuell sogar kurativ eine Radiofrequenz-Thermoablation oder Radiofrequenz-Thermoablation und zusätzlich Sorafenib. Es gibt also einen palliativen und einen kurativen Arm. Geklärt werden soll die Frage, wie lange es nach der jeweiligen Therapie dauert, bis es zum Progress kommt.

Gibt man Sorafenib sozusagen als „Prophylaxe“, damit keine neuen Herde entstehen?

Im Frühstadium der Erkrankung steht tatsächlich das Konzept dahinter, dass wir mit Sorafenib eine Art Prophylaxe betreiben, um die Neubildungen von Tumorzellen zu verhindern.

Warum bei Frühkarzinomen Radiofrequenz-Thermoablation und keine SIRT?

Die Radiofrequenz-Thermoablation ist weniger aufwändig als SIRT. Bei dieser Methode wird ultraschallgesteuert gezielt eine Sonde in den Herd eingebracht und durch lokale Hyperthermie eine Koagulationsnekrose erzeugt. In fortgeschrittenen Stadien ist diese Methode aufgrund Tumorgröße, Zahl der Tumorherde oder Gefäßinvasion oft nicht mehr durchführbar. Deshalb werden in weiter fortgeschrittenen Stadien SIRT-Spheren in die tumorversorgenden Gefäße injiziert, so dass der Tumor von innen verstrahlt wird. Bei Frühkarzinomen wiederum wird SIRT nicht eingesetzt, weil relativ große Areale – also auch gesundes Gewebe – verstrahlt werden würden und auch weil die Kosten einer SIRT sehr hoch sind.

Haben Patienten mit Frühkarzinomen durch die Mikrotherapie und anschließende Sorafenib-Behandlung möglicherweise eine schlechtere Chance auf eine spätere Transplantation?

Nein, eben nicht. HCC-Patienten müssen in der Regel 12 oder mehr Monate auf eine Transplantation warten. Ohne Therapie kann der Tumor in der Wartezeit von einem transplantablen in einen nicht mehr transplantablen Tumor übergehen. Gleichzeitig haben wir die Chance zu sehen, ob eine Therapie, die wir zur Überbrückung einsetzen, ein erneutes Auftreten der Erkrankung auch ganz verhindern kann. Eine RFTA ist im Frühstadium des HCC bei Leberzirrhose vergleichbar mit der resezierenden Chirurgie. Durch die Zugabe von Sorafenib soll geprüft werden, ob sich damit die metachrone Metastasierung verhindern lässt.

Wird auch die Transarterielle Chemoembolisation (TACE) in der SORAMIC-Studie eingesetzt?

TACE ist ein Verfahren, das im Therapie-Algorithmus bei fortgeschrittenem HCC Standard ist. Der Vorteil ist, dass dieses Verfahren mehrmals wiederholt werden kann. In der SORAMIC-Studie setzen wir TACE nicht ein. Ein kritischer Punkt an dieser Stelle ist natürlich, warum man bei Patienten, bei denen man eventuell noch TACE einsetzen könnte, gleich mit so schwereren Geschossen wie SIRT aufwartet. Hier steht immer eine Einzelfallentscheidung an.

Wann kann eine TACE nicht mehr durchgeführt werden?

Die TACE kann bei einer Pfortaderthrombose, bei der es sich um eine Komplikation im Rahmen des Tumors handelt, nicht mehr durchgeführt werden – aber die SIRT schon noch, solange man Gefäße findet, in die man die Radionuklidkügelchen einspritzen kann.

Sorafenib wird nach der Mikrotherapie gegeben, kann man auch eine Radiotherapie geben, wenn Patienten gerade mit Sorafenib behandelt werden?

Wir setzen die Radiotherapie immer zuerst ein und dann Sorafenib. Es ist angestrebt, dass Radiotherapie und Sorafenib synergistisch wirken. Doch mit Radiotherapie und gleichzeitiger Gefäßblockade könnte der Effekt für die Leber zu stark werden.

Im Rahmen der Studie werden auch kontrastmittelverstärkte CT und MRT verglichen, um zu sehen, welche Methode genauer ist in der Stadienbeurteilung. Ist denn die MRT nicht immer genauer?

Eigentlich schon, doch viele Zentren bevorzugen das CT, und es gibt keine Studie, die bisher prospektiv, randomisiert und verblindet untersucht hat, wie groß die Überlegenheit wirklich ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quelle:


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