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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. Mai 2019 „Beim TNBC ist Bevacizumab/Paclitaxel für mich die gesetzte First-Line-Therapie“

Interview mit Prof. Dr. med. Eugen Ruckhäberle, Professor für Konservative Gynäkologische Onkologie am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Seit der Zulassung vor rund 14 Jahren hat Bevacizumab (Avastin®) die Therapieoptionen in der Onkologie maßgeblich erweitert: Die Erfahrungen aus 6 zugelassenen Indikationen mit mehr als 3 Mio. behandelten Patienten zeigen, dass der VEGF-Antikörper eine wirksame und gut verträgliche Therapie in Kombination mit einer Chemotherapie darstellt, ein zuverlässiges Ansprechen gewährleistet und die Prognose der Patienten signifikant verbessern kann (1, 2). Auch beim HER2-negativen, metastasierten Mammakarzinom (mBC) hat sich Bevacizumab als effektive und gut verträgliche Therapieoption etabliert und besitzt einen festen Stellenwert, wenn ein schnelles und zuverlässiges Ansprechen erreicht werden soll.
Eugen Ruckhäberle
Welchen Einfluss hatte die Zulassung von Bevacizumab auf die Behandlung von Brustkrebs?

Für das HER2-negative mBC war die Zulassung von Bevacizumab ein enormer Gewinn. Erstmals stand ein innovativer Wirkmechanismus zur Verfügung, der die Chemotherapie sinnvoll ergänzt. Die Steuerbarkeit ist gut, das Risiko für Nebenwirkungen niedrig, was gerade beim mBC von großer Bedeutung ist. Mit der Kombination aus Bevacizumab und Paclitaxel oder Capecitabin (Xeloda®) erzielen wir eine enorm gute objektive Ansprechrate (ORR), die der einer zweiten Chemotherapie entspricht. Zudem erreichen wir sehr gute Resultate in Bezug auf das progressionsfreie Überleben (PFS), die wir so mit keiner Chemotherapie sehen. Das sind so viele Vorteile, dass Bevacizumab in meinem Klinikalltag fester Bestandteil der Therapie dieser Patientinnen ist – ob bei HR-positiver oder triple--negativer Form der Erkrankung (TNBC).


Welche Brustkrebspatientinnen sollten eine First-Line-Therapie mit Bevacizumab erhalten?

Beim TNBC ist Bevacizumab/Paclitaxel für mich die gesetzte First-Line-Therapie. Aus meiner Sicht haben wir in dieser Situation keine adäquate Alternative; auch nicht die duale Chemotherapie, die eine deutlich schlechtere Verträglichkeit besitzt.

Gute Erfahrungen mit Bevacizumab und Paclitaxel oder Capecitabin haben wir aber auch bei HR-positiven Patientinnen mit viszeraler Metastasierung und der Notwendigkeit eines raschen Therapieansprechens gemacht, also dann, wenn nicht die Prognose, sondern der Leidensdruck durch die Symptome im Vordergrund steht.

Beispielsweise bei einem symptomatischen Pleuraerguss würde ich eher nur zu einem begrenzten Versuch mit einem CDK4/6-Inhibitor tendieren. Bei massiv erhöhten Leberwerten mit multiplen Metastasen entscheide ich mich klar für den Einsatz von Bevacizumab in Kombination mit einem Taxan wie Paclitaxel. Neben den Patientinnen, die direkt zu Beginn der metastasierten Situation Behandlungsdruck aufweisen, gibt es viele Patientinnen, die nach einer endokrinen Therapie (ET) mit CDK4/6-Inhibitoren nach der ersten oder spätestens nach der zweiten Therapielinie progredient sind, die also trotz CDK4/6-Inhibitoren eine endokrine Resistenz entwickelt haben. Dann setzen wir in der nächsten Linie eine Kombination von Bevacizumab und Paclitaxel oder Capecitabin ein. Ich würde also, wenn die ET ausgeschöpft sind, rasch zu Bevacizumab/Chemotherapie wechseln.


Welchen Einfluss hat die Einführung der PARP-Inhibitoren auf den Stellenwert der Kombinationstherapie Bevacizumab/Chemotherapie?

Mit der Zulassung der PARP-Inhibitoren werden wir eine Änderung erfahren, die in der Second- und Third-Line-Chemotherapie für HER2-negative Patientinnen eine gute Option darstellt – das betrifft allerdings nur den Teil der BRCA-positiven Patientinnen. Die Rate an Patientinnen, die in der zweiten Linie eine Langzeitmonotherapie mit einem PARP-Inhibitor bekommen, ist deshalb leider begrenzt. Ein früherer Einsatz in der Erstlinientherapie ist aufgrund des Studiendesigns (keine Taxane im Kontroll-Arm) und aufgrund der bislang gezeigten Effektivität aus meiner Sicht nur in wenigen Fällen vorstellbar.


Wie wird sich die Therapielandschaft des TNBC verändern?

Aktuelle Studiendaten, die beispielsweise beim Jahrestreffen der European Society for Medical Oncology (ESMO) 2018 in München präsentiert wurden, untersuchen den Stellenwert der Kombination aus Krebs-immuntherapie und Chemotherapie beim TNBC. Damit betreten wir Gynäkoonkologen eine neue Therapielandschaft mit einem aus meiner Sicht sehr großen Potential.


Vielen Dank für das Gespräch!


Mit freundlicher Unterstützung der Roche Pharma AG

Dr. Beate Fessler

Literatur:

(1) Fachinformation Avastin®, Stand: März 2018.
(2) PBRER Periodic Benefit-Risk Evaluation Report, February 2018, Roche.


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