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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

20. Juli 2008 Interview: "Es eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten in der Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms"

American society of clinical oncology, ASCO 2008 - Chicago, Ill., USA, 29.5. - 4.6.2008

Herr Professor Wieland, wie bewerten Sie die Ergebnisse dieser Studie?

Dadurch eröffnen sich völlig neue Perspektiven und völlig neue Möglichkeiten in der Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms. Lange Zeit standen wir in der Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms ja mit dem Rücken an der Wand. Jetzt gibt es zielgerichtete Therapien mit tolerablen Nebenwirkungen - ein äußerst wichtiger Aspekt. Da hat sich eine neu Ära aufgetan.
Was Everolimus anbelangt, scheint die Substanz gerade bei Patienten Erfolg zu zeigen, die bereits ein Rezidiv nach einer Therapie mit anderen zielorientierten Substanzen hatten. Das lässt hoffen, dass man auch diesen Patienten etwas anbieten kann. Sehr optimistisch stimmt, dass die Studie abgebrochen wurde, da nach kurzer Zeit schon die Überlebenschancen der Patienten, die Everolimus bekommen hatten, eindeutig besser waren.

Welchen Stellenwert hat jetzt die Immuntherapie?

Die Immuntherapie war wie ein Strohhalm, da man sonst keine wirksame Behandlung anbieten konnte - Bestrahlung oder Chemotherapie sind praktisch wirkungslos. Hintergrund war, dass beim Nierenzellkarzinom Spontanremissionen dokumentiert sind und deshalb immunologische Reaktionen vermutet wurden. In weniger als 10% lassen sich aber Remissionen erzielen. Manche Patienten profitieren jedoch durchaus von der Immuntherapie, doch lässt sich vorher nicht feststellen, für welche Patienten das gilt. Auch können massive Nebenwirkungen auftreten, manche leiden unter nicht tolerablen depressiven Verstimmungen und stärksten grippeähnlichen Symptomen. Oft handelt es sich auch um multimorbide Patienten und dann ist die Immuntherapie aufgrund von bestehenden Comorbiditäten gar nicht einsetzbar. Allerdings kann jetzt die Immuntherapie in Verbindung mit Bevacizumab in niedriger Dosierung eingesetzt werden und es zeigt sich eine gute Wirksamkeit bei tolerablen Nebenwirkungen.

Nach langer Zeit stehen auf einmal mehrere wirksame neue Substanzen zur Verfügung. Nach welchen Kriterien richtet sich die Auswahl?

Die Therapie muss individuell an den Patienten angepasst werden. Man wird sich bei der Auswahl sicher am Nebenwirkungsspektrum orientieren und am Allgemeinzustand des Patienten. Ich glaube nicht, dass es – gerade in der Tumortherapie – Sinn macht, sofort „sein bestes Pferd im Stall“ laufen zu lassen. Man sollte eine Stufentherapie versuchen und zunächst Everolimus dann einsetzen, wenn andere Therapien versagen. Ein Nachteil vom finanziellen Aspekt her ist sicher, dass man die neuen Substanzen letztendlich kontinuierlich geben muss.

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