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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. April 2019 Immuntherapie beim triple-negativen Mammakarzinom: Neue Hoffnung mit Atezolizumab

Interview mit Prof. Dr. med. Andreas Schneeweiss, Universitätsklinikum u. Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Für die Behandlung des triple-negativen Mammakarzinoms (TNBC) stehen aktuell nur wenige wirksame Therapien zur Verfügung. In der metastasierten Situation handelt es sich dabei in erster Linie um Chemotherapien bzw. Chemotherapie in Kombination mit Bevacizumab (Avastin®). Nun kündigen aktuelle Daten zu Atezolizumab (Tecentriq®), der ersten Immuntherapie in dieser Indikation, den ersten bedeutenden Therapiefortschritt für die Firstline-Therapie des metastasierten TNBC an. JOURNAL ONKOLOGIE sprach mit Prof. Dr. Andreas Schneeweiss vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen am Universitätsklinikum und Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg.
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JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Prognose haben Patientinnen mit TNBC mit den aktuell zur Verfügung stehenden Therapieoptionen?

Schneeweiss:
Patientinnen mit metastasiertem TNBC versterben, sobald sie Metastasen entwickelt haben, unter den derzeitigen Therapiemöglichkeiten im Schnitt innerhalb von 1-2 Jahren. Das heißt, wir haben hier einen sehr großen „clinical need“ und brauchen dringend neue Therapiemöglichkeiten. Die Immuntherapie mit Atezolizumab + nab-Paclitaxel stellt einen vielversprechenden neuen Ansatz für Patientinnen dar, die noch keine Therapie für ihre metastasierte Erkrankung bekommen haben.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Daten zu Atezolizumab beim TNBC liegen vor und was sind die zentralen Resultate?

Schneeweiss:
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Atezolizumab + nab-Paclitaxel wurde in der Studie IMpassion130 versus Placebo + nab-Paclitaxel untersucht. Das zentrale Resultat der Studie ist, dass das progressionsfreie Überleben bei Patientinnen mit einer PD-L1-Expression auf tumor-infiltrierenden Immunzellen (IC) von mindestens 1% signifikant um 2,5 Monate verlängert werden konnte – und es zeichnet sich ab, dass sich dies auch in einen bedeutsamen Überlebensvorteil überträgt (1). Die zweite Interimsanalyse dieser Studie wird in Kürze erwartet.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht eine PD-L1-IC-Testung?

Schneeweiss:
Die IMpassion130-Studie zeigt, dass nur jene Patientinnen von Atezolizumab profitieren, die mindestens 1% PD-L1-Expression auf ICs aufweisen. Das sind ungefähr 40% aller Patientinnen mit metastasiertem TNBC. Um diese Patientinnen in der klinischen Praxis zu identifizieren, ist die PD-L1-IC-Testung von ganz entscheidender Bedeutung. In der Studie erfolgte die Testung mit dem Ventana SP142 Test Kit.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie vertragen die Patientinnen die Behandlung mit Atezolizumab + nab-Paclitaxel?

Schneeweiss:
Patientinnen, die Atezolizumab zusätzlich zu nab-Paclitaxel bekommen, haben vermehrt Nebenwirkungen. Dabei handelt es sich aber in erster Linie um autoimmunvermittelte Nebenwirkungen von Grad 1 und 2. Achten muss man deshalb z.B. auf jegliche unklaren Symptome, insbesondere Hyper- und Hypothyreosen, Hautausschläge und auch Pneumonitiden. Wenn man um diese Nebenwirkungen weiß, sie frühzeitig erkennt und adäquat behandelt, sind sie in der Regel gut beherrschbar.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser Kombination im Klinikalltag gemacht?

Schneeweiss:
Im Rahmen der Studien haben wir in Heidelberg schon länger Erfahrung mit der Gabe von Checkpoint-Inhibitoren bei Patientinnen mit metastasiertem TNBC und sehen hier sehr gute Erfolge bezüglich Ansprechen und Langzeitansprechen. Ich erinnere mich an 2 Patientinnen aus der IMpassion130-Studie, bei denen wir die Erkrankung bis zu 2 Jahre kontrollieren konnten – das haben wir bei Patientinnen mit metastasiertem TNBC vorher so nicht gesehen. Insofern gehe ich davon aus, dass sich Atezolizumab nach der Zulassung schnell zum neuen Standard für Patientinnen mit metastasiertem TNBC etablieren wird, die noch keine Systemtherapie für ihre metastasierte Erkrankung bekommen haben und bei denen man im Tumorgewebe eine Expression von PD-L1 auf den tumorinfiltrierenden Immunzellen nachweisen kann.


Vielen Dank für das Gespräch!

Literatur:

(1) Schmid P et al. N Engl J Med 2018;379: 2108-21.


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