Samstag, 28. März 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. April 2019 Immuntherapie beim triple-negativen Mammakarzinom: Neue Hoffnung mit Atezolizumab

Interview mit Prof. Dr. med. Andreas Schneeweiss, Universitätsklinikum u. Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Für die Behandlung des triple-negativen Mammakarzinoms (TNBC) stehen aktuell nur wenige wirksame Therapien zur Verfügung. In der metastasierten Situation handelt es sich dabei in erster Linie um Chemotherapien bzw. Chemotherapie in Kombination mit Bevacizumab (Avastin®). Nun kündigen aktuelle Daten zu Atezolizumab (Tecentriq®), der ersten Immuntherapie in dieser Indikation, den ersten bedeutenden Therapiefortschritt für die Firstline-Therapie des metastasierten TNBC an. JOURNAL ONKOLOGIE sprach mit Prof. Dr. Andreas Schneeweiss vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen am Universitätsklinikum und Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg.
JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Prognose haben Patientinnen mit TNBC mit den aktuell zur Verfügung stehenden Therapieoptionen?

Schneeweiss:
Patientinnen mit metastasiertem TNBC versterben, sobald sie Metastasen entwickelt haben, unter den derzeitigen Therapiemöglichkeiten im Schnitt innerhalb von 1-2 Jahren. Das heißt, wir haben hier einen sehr großen „clinical need“ und brauchen dringend neue Therapiemöglichkeiten. Die Immuntherapie mit Atezolizumab + nab-Paclitaxel stellt einen vielversprechenden neuen Ansatz für Patientinnen dar, die noch keine Therapie für ihre metastasierte Erkrankung bekommen haben.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Daten zu Atezolizumab beim TNBC liegen vor und was sind die zentralen Resultate?

Schneeweiss:
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Atezolizumab + nab-Paclitaxel wurde in der Studie IMpassion130 versus Placebo + nab-Paclitaxel untersucht. Das zentrale Resultat der Studie ist, dass das progressionsfreie Überleben bei Patientinnen mit einer PD-L1-Expression auf tumor-infiltrierenden Immunzellen (IC) von mindestens 1% signifikant um 2,5 Monate verlängert werden konnte – und es zeichnet sich ab, dass sich dies auch in einen bedeutsamen Überlebensvorteil überträgt (1). Die zweite Interimsanalyse dieser Studie wird in Kürze erwartet.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht eine PD-L1-IC-Testung?

Schneeweiss:
Die IMpassion130-Studie zeigt, dass nur jene Patientinnen von Atezolizumab profitieren, die mindestens 1% PD-L1-Expression auf ICs aufweisen. Das sind ungefähr 40% aller Patientinnen mit metastasiertem TNBC. Um diese Patientinnen in der klinischen Praxis zu identifizieren, ist die PD-L1-IC-Testung von ganz entscheidender Bedeutung. In der Studie erfolgte die Testung mit dem Ventana SP142 Test Kit.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie vertragen die Patientinnen die Behandlung mit Atezolizumab + nab-Paclitaxel?

Schneeweiss:
Patientinnen, die Atezolizumab zusätzlich zu nab-Paclitaxel bekommen, haben vermehrt Nebenwirkungen. Dabei handelt es sich aber in erster Linie um autoimmunvermittelte Nebenwirkungen von Grad 1 und 2. Achten muss man deshalb z.B. auf jegliche unklaren Symptome, insbesondere Hyper- und Hypothyreosen, Hautausschläge und auch Pneumonitiden. Wenn man um diese Nebenwirkungen weiß, sie frühzeitig erkennt und adäquat behandelt, sind sie in der Regel gut beherrschbar.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser Kombination im Klinikalltag gemacht?

Schneeweiss:
Im Rahmen der Studien haben wir in Heidelberg schon länger Erfahrung mit der Gabe von Checkpoint-Inhibitoren bei Patientinnen mit metastasiertem TNBC und sehen hier sehr gute Erfolge bezüglich Ansprechen und Langzeitansprechen. Ich erinnere mich an 2 Patientinnen aus der IMpassion130-Studie, bei denen wir die Erkrankung bis zu 2 Jahre kontrollieren konnten – das haben wir bei Patientinnen mit metastasiertem TNBC vorher so nicht gesehen. Insofern gehe ich davon aus, dass sich Atezolizumab nach der Zulassung schnell zum neuen Standard für Patientinnen mit metastasiertem TNBC etablieren wird, die noch keine Systemtherapie für ihre metastasierte Erkrankung bekommen haben und bei denen man im Tumorgewebe eine Expression von PD-L1 auf den tumorinfiltrierenden Immunzellen nachweisen kann.


Vielen Dank für das Gespräch!

Literatur:

(1) Schmid P et al. N Engl J Med 2018;379: 2108-21.


Das könnte Sie auch interessieren

Brustkrebs: Forscher wollen krankheitsauslösende Gene identifizieren

Brustkrebs: Forscher wollen krankheitsauslösende Gene identifizieren
© Photographee.eu / fotolia.com

Jede zehnte Frau in Deutschland, die an Brustkrebs erkrankt, ist noch keine 45 Jahre alt. Experten vermuten, dass viele der jungen Betroffenen erblich vorbelastet sind: Sie sind Trägerinnen eines oder mehrerer schädlich veränderter Gene, die den Tumor entstehen lassen. Die bereits bekannten Hochrisikogene wie etwa BRCA1 oder BRCA2 sind allerdings nur für höchstens ein Viertel der Fälle bei jungen Frauen verantwortlich. Ein Hamburger Forscherteam macht sich nun...

Übergewicht als Krebsrisiko

Übergewicht als Krebsrisiko
© Creativa Images / fotolia.com

Fettleibigkeit könnte bald dem Rauchen den ersten Rang als Hauptursache für Krebs ablaufen. Denn während die Anzahl der Krebserkrankungen aufgrund von Tabakkonsum in Deutschland stetig sinkt, nimmt die Zahl übergewichtiger Menschen mit Krebs statistisch gesehen zu. Auf die Entstehung aller Krebskrankheiten gerechnet hat die Fettleibigkeit einen Anteil von schätzungsweise 16%. Würden alle Menschen das Normalgewicht einhalten, könnten allein in Deutschland...

Filmstar unterstützt Patienten mit seltener Blutkrankheit in Regensburg

Filmstar unterstützt Patienten mit seltener Blutkrankheit in Regensburg
© UKR / Marion Schweiger

Der mehrfach preisgekrönte Schauspieler Adnan Maral, bekannt aus „Türkisch für Anfänger“, setzt sich als Schirmherr der Interessengemeinschaft „Sichelzellanämie“ für Patienten mit einer in Deutschland seltenen Bluterkrankung ein. Am vergangen Samstag war er auf dem „Patiententreffen Sichelzellerkrankungen“ in Regensburg vor Ort. Veranstalter war die Abteilung für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und...

Heller Hautkrebs: Signalweg entschlüsselt

Beim Hautkrebs gibt es verschiedene Krankheitsformen: Mit Abstand am häufigsten ist dabei das so genannte Basalzellkarzinom, eine Form von hellem Hautkrebs, bei der sich der Tumor von seinem Entstehungsort in der Haut langsam aber stetig ausbreitet. Zwar bildet das Basalzellkarzinom im Allgemeinen keine Tochtergeschwülste (Metastasen), der Tumor sollte jedoch so früh wie möglich behandelt werden, da er ansonsten das umgebende Gewebe zerstören und sogar Muskeln...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Immuntherapie beim triple-negativen Mammakarzinom: Neue Hoffnung mit Atezolizumab"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden