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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. Juli 2018
Seite 3/3

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Fachinformation


Pembrolizumab mono in der Erstlinie: Hohe Ansprechraten beim klarzelligen RCC

Während der klinische Benefit einer PD-1-Inhibitor-basierten Erstlinien-Kombinationstherapie beim fortgeschrittenen klarzelligen Nierenzellkarzinom (RCC) bereits gezeigt werden konnte, gibt es bisher kaum Daten zur klinischen Wirksamkeit einer PD-1-Inhibitor-Monotherapie bei diesem Patientenkollektiv. Dass eine Monotherapie mit Pembrolizumab bei therapienaiven Patienten mit fortgeschrittenem klarzelligen RCC hochwirksam ist, zeigen die Daten der offenen, einarmigen Phase-II-Studie KEYNOTE-427. Wie Prof. David F. McDermott, Boston, USA, in einer Oral Abstract Session beim ASCO berichtete, lag die ORR unter dieser Erstlinientherapie bei 38% (9). Patienten mit intermediärem/ungünstigem Risikoprofil (ORR: 42%) und Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren (ORR: 50%) profitierten besonders (9, 10).


Metastasiertes Urothelkarzinom: langanhaltendes Ansprechen auf Immuntherapie

Aufgrund von Komorbiditäten, Niereninsuffizienz oder Nebenwirkungen primärer Therapien kommen viele Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom nicht für eine Platin-basierte Chemotherapie in der metastasierten Situation in Frage. Die beim ASCO vorgestellten Langzeitdaten der Phase-II-Studie KEYNOTE-052 mit 370 Patienten zeigten ein klinisch relevantes und langanhaltendes Ansprechen der Patienten auf Pembrolizumab bei guter Verträglichkeit (11).

Nach einem medianen Follow-up von 11,5 Monaten betrug die ORR 28,9% (95%-KI: 24,3-33,8), darunter 30 (8%) Patienten mit CR und 77 (21%) Patienten mit PR. Die mediane DoR war noch nicht erreicht.

Das mediane OS lag bei 11,5 Monaten (95%-KI: 10,0-13,3), 47,5% der Patienten überlebten mehr als ein Jahr. Bei den 110 Patienten mit einer höheren PD-L1-Expression ≥ 10% betrug die ORR 47,3% (95%-KI: 37,7-57,0) und das mediane OS 18,5 Monate (95%-KI: 12,2-NR). Die Bedeutung einer hohen PD-L1-Expression, die in dieser Studie mit einem längeren Überleben einherging, sollte nach Ansicht der Autoren weiter evaluiert werden (11).


Erfolgversprechende Studiendaten bei weiteren Tumorentitäten

Die laufende Phase-II-Studie Keynote-158 untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit einer Pembrolizumab-Monotherapie bei Patienten mit 11 verschiedenen fortgeschrittenen soliden Tumoren, die nach Standardtherapien einen Progress erlitten haben. Beim ASCO wurde eine aktuelle Analyse der 98 eingeschlossenen Patientinnen mit fortgeschrittenem Zervixkarzinom vorgestellt (12). Die ORR lag bei 12,2%, wobei die Frauen, bei denen es zu einer Remission kam, dauerhaft auf den CI ansprachen. Ausschließlich Patientinnen mit PD-L1-positiven Tumoren erreichten eine CR oder PR. Die vorgestellten Daten bestätigen, dass auch bei diesen schwer behandelbaren, mehrfach vorbehandelten Patientinnen durch eine Immuntherapie mit Pembrolizumab noch ein langanhaltendes Ansprechen inklusive CR erreicht werden kann.

Das Merkelzellkarzinom ist ein seltener, sehr aggressiver Tumor der Haut, bei dessen Entstehung häufig die Infektion mit dem Merkelzell-Polyomavirus (MCPyV) eine Rolle spielt. Bis vor kurzem war eine Chemotherapie die einzige Behandlungsoption für betroffene Patienten, doch zunehmend finden Inhibitoren der PD-1-Achse Eingang in die Therapie. Dr. Paul Nghiem, Seattle, USA, stellte die Daten einer erweiterten Phase-II-Studie vor, die Pembrolizumab als Erstlinien-Monotherapie bei 50 Patienten mit fortgeschrittenem Merkelzellkarzinom untersuchte (13, 14). Es zeigten sich erstaunlich hohe objektive Ansprechraten (ORR: 56% mit 24% CR und 32% PR) unabhängig vom Virusstatus und bei generell guter Verträglichkeit. Das mediane OS war noch nicht erreicht. Es handelt sich um die derzeit längsten Nachbeobachtungsdaten von Patienten mit Merkelzellkarzinom, die in der Erstlinie mit einem PD-1-Inhibitor behandelt wurden. Laut Nghiem zeichnet sich für Responder ein Langzeitüberleben ab.

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Literatur:

(1) KEYTRUDA® Fachinformation, Stand März 2018.
(2) Lopes G et al. J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr LBA4).
(3) Lopes G. Vortrag im Rahmen der Plenary Session, ASCO-Meeting 2018, 03. Juni 2018.
(4) Paz-Ares LG. Vortrag im Rahmen des Clinical Science Symposiums „Compelling Combinations: Raising the Bar With Immunotherapy“, ASCO 2018, 03. Juni 2018.
(5) Paz-Ares LG et al. J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr 105).
(6) Long GV. Vortrag im Rahmen der Oral Abstract Session Melanoma/Skin Cancers, ASCO 2018, 04. Juni 2018.
(7) Long GV et al. J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr 9503).
(8) Hamid O et al. J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr 9516).
(9) McDermott DF Vortrag im Rahmen der Oral Abstract Session „Genitourinary (Nonprostate) Cancer“, ASCO 2018, 03. Juni 2018.
(10) McDermott DF et al. J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr 4500).
(11) Vuky J et al. J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr 4524).
(12) Chung HC et al. J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr 5522).
(13) Nghiem P et al. J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr 9506).
(14) Nghiem P Vortrag im Rahmen der Oral Abstract Session „Melanoma/Skin Cancers“, ASCO 2018, 04. Juni 2018.

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