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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. April 2014 Immunonkologisches Wirkprinzip ermöglicht Langzeitüberleben

DKK 2014 - Immuntherapie

Das Konzept, das körpereigene Immunsystem über eine therapeutische Maßnahme gegen den Tumor zu aktivieren, galt Immunologen und Onkologen schon seit langem als besonders attraktiv, da sich daran auch die Hoffnung knüpfte, lang anhaltende Tumorremissionen zu generieren, erklärte Prof. Dr. Christian Peschel, München. Die Fähigkeit von Tumorzellen, sich über das körpereigene Immunsystem mittels endogener Toleranzinduktion sowie multipler Immun-Escape-Mechanismen hinwegzusetzen, hat die Entwicklung spezifischer Immuntherapien allerdings immer wieder erschwert.

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Inzwischen seien sich Onkologen wie Immunologen weitgehend einig, dass die Aufhebung der tumorinduzierten Immuntoleranz als Durchbruch für die Immunonkologie zu werten sei, erklärte Prof. Dr. Stephan Grabbe, Mainz: Bei der sogenannten "Immun-Checkpoint"-Blockade mit dem anti-CTLA-4-Antikörper Ipilimumab würden erstmals zentrale Mechanismen der tumorassoziierten Immunsuppression beeinflusst, indem die physiologische Bremsfunktion des CTLA-4-Moleküls entfallen und zytotoxische T-Lymphozyten wieder dazu befähigt würden, antitumoral wirksam zu werden. Bei Ipilimumab habe das eigentliche Interesse der Experten schon früh den langzeitüberlebenden Melanompatienten im metastasierten Tumorstadium gegolten, betonte Grabbe: 45,6% vs. 25,3% überlebten unter Ipilimumab vs. Vergleichstherapie in der zulassungsrelevanten Studie MDX010-20 nach 1 Jahr, nach 2 Jahren waren es noch 23,5% vs. 13,7% (1). Inzwischen sei die Substanz seit 2,5 Jahren zugelassen und die klinische Evidenz dafür, dass einige Patienten von einem dauerhaften Langzeiteffekt profitierten, nehme weiter zu. Gepoolte Phase-II/-III-Daten bei fortgeschrittenen Melanompatienten zeigten einen plateauförmigen Kurvenverlauf beim Gesamtüberleben an, der sich über den Anteil langzeitüberlebender Patienten erklären lässt: Demnach überlebten bis zu 22% bereits seit 3 Jahren bei einem medianen Gesamtüberleben von über 11 Monaten (2).

Indikationsübergreifendes Potenzial


Das Therapieprinzip der Immun-Checkpoint-Inhibition wird inzwischen auch bei anderen Tumorentitäten sowie weiteren Substanzen untersucht, die in immunregulatorische Signalwege eingreifen. So würden frühe klinischen Daten mit Checkpoint-Inhibitoren, die am PD-("programmed death"-) 1/PD1-L-Pathway ansetzen, bereits dafür sprechen, dass z.B. auch Patienten mit einem fortgeschrittenen Nierenzell- oder Lungenkarzinom von einer langfristigen Stabilisierung des Tumors profitieren könnten, so Prof. Jürgen Wolf, Köln (3). Für die Zukunft seien bei malignen Tumorerkrankungen patientenindividuelle Therapiestrategien denkbar, bei denen unterschiedliche immuntherapeutische Ansätze, aber auch Chemotherapien sowie andere Therapieansätze miteinander kombiniert würden.

Dr. med. Yuri Sankawa

Literaturhinweise:
(1) Hodi FS et al. N Engl J Med 2010; 363:711-723.
(2) Schadendorf D et al. Eur J Cancer 2013; 49:Abstract 24LBA.
(3) Topalian et al. N Engl J Med 2012; 366:2443-54.

BMS-Symposium "Immunonkologie: Potential und Herausforderung" im Rahmen des DKK, Berlin, 20.02.2014


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