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Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. März 2017
Seite 2/5

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JOURNAL ONKOLOGIE: Wie lässt sich feststellen, ob ein Virus tatsächlich mit Erfolg Krebszellen infiziert hat?

Lauer:
Der direkte Nachweis der Virusinfektion von Krebszellen sowie der daraufhin unmittelbar gestarteten Produktion an Nachkommenviren gelingt mit dem Elektronenmikroskop, das eine ausreichende Auflösung zum Nachweis dieser kleinsten aller Lebensformen bietet. Da diese Art des Virusnachweises aber sehr aufwändig und langwierig ist, werden Virotherapeutika sehr häufig mit zusätzlichen Fremd-Genen, sog. Marker-Genen, ausgestattet, die in menschlichen Zellen nicht vorkommen. Der Nachweis der davon gebildeten Marker-Proteine kann dann mit in der klinischen Routine zur Verfügung stehenden laborchemischen und histopathologischen Verfahren in einfacher Weise zeitnah geführt werden. Da solche Marker-Gene immer gekoppelt mit den Virus-Genen vermehrt und weitergegeben werden, bedeutet jeder Nachweis eines Marker-Proteins, dass die exprimierende Zelle definitiv auch mit dem entsprechenden Virotherapeutikum infiziert ist.


JOURNAL ONKOLOGIE: Können onkolytische Viren prinzipiell bei allen Tumorarten eingesetzt werden, sind alle dafür empfänglich oder sind Unterschiede zu erwarten?

Lauer:
Unsere Immunüberwachung hat nicht nur zur Aufgabe, infizierte Zellen in unserem Körper aufzuspüren und zu bekämpfen, sondern auch möglichst frühzeitig Prozesse der Immortalisierung und malignen Transformation an bis dato gesunden Körperzellen zu erkennen und mit effektiven antitumoralen Gegenmaßnahmen zu beantworten. Als eine der wichtigsten Zytokin-Effektoren sind dabei Interferone (IFN) immunmodulierend aktiv, und zwar sowohl in der antiviralen als auch in der antitumoralen Abwehr.

Vor diesem Hintergrund kommt es zur Selektion von Krebszellen, die erfolgreich „Escape“-Mechanismen zur Unterwanderung der IFN-vermittelten Immunüberwachung akquirieren. Kommt es beispielsweise zu Alterationen in den zellulären IFN-Signalwegen, kann keine IFN-getriggerte Transkriptionsstimulation von Genen, die an den diversen antitumoralen Aktivitäten von IFN beteiligt sind, mehr erfolgen. Damit erwirbt sich die Krebszelle zwar einen bedeutsamen Schutz vor der Erkennung und Vernichtung durch unser Immunsystem, kann aber gleichzeitig nun Virusinfektionen aller Art nicht mehr adäquat abwehren (s. die historisch beobachteten Beispiele erfolgeicher natürlich ablaufender Virotherapien).

Diese Achillesferse von Tumorzellen besteht bei nahezu allen Tumorentitäten, weshalb die Virotherapie ein ausgesprochen breites Einsatzgebiet bei sämtlichen soliden und nicht soliden Tumorarten aufweist. Je nachdem, wie schlecht bzw. wie gut die IFN-Abwehr gegen Virotherapeutika in den jeweiligen Krebszellen noch funktioniert, desto besser bzw. schlechter wirken Virotherapeutika. Dabei haben unsere eigenen präklinischen Untersuchungen gezeigt, dass auch geringe Defizienzen in der IFN-Abwehr z.B. durch zusätzlichen Einsatz von Virotherapeutika-kodierten Suizidgenen nutzbar gemacht werden können, um zu einer effekti-ven Tumorzell-Abtötung zu kommen.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Nebenwirkungen können auftreten bzw. sind zu erwarten? Ist z.B. ein Tumorlysesyndrom ein Problem?

Lauer:
Die häufigsten Nebenwirkungen, die beim Einsatz von Virotherapeutika bei Krebspatienten verzeichnet werden, entsprechen denen, die bei natürlichen Viruserkrankungen beobachtet werden: grippeähnliche Symptome wie Fieber, Müdigkeit, Glieder- und Kopfschmerzen. Im Vergleich zu den Nebenwirkungen von Standard-Chemotherapien werden diese Infektionssymptome von den Krebspatienten in aller Regel als deutlich weniger belastend empfunden, auch angesichts der Tatsache, dass diese nur passager auftreten und nach kurzer Zeit wieder komplett verschwunden sind.

In aller Regel werden bei der Virotherapie die Krebszellen erst nach und nach zerstört, da die Virusinfektion sich ja von einer zur nächsten benachbarten Krebszelle erst einmal „durcharbeiten“ muss. Auch die zusätzliche antitumorale Wirkung des Immunsystems ist langsam in ihrer Natur und häufig erst nach vielen Wochen spür- und messbar. Nur in sehr selten Fällen kann es auch bei der Virotherapie zu einem Tumorlysesyndrom kommen, wenn aufgrund von Mutationen in den Krebszellen die Virusabwehr nahezu komplett außer Kraft gesetzt wurde, und Virusvermehrung und Onkolyse dadurch exorbitant schnell einsetzen und verlaufen.
 

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