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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

17. Juli 2009 ITP: Stimulierung der Thrombopoese vermeidet Splenektomie

Die Immun-Thrombozytopenische Purpura (ITP) ist eine seltene, schwere und oft chronische Autoimmunstörung, bei der Blutplättchen einerseits beschleunigt zerstört, andererseits zu langsam nachgebildet werden. An therapeutischen Strategien wurden bis vor kurzem vor allem immunsuppressiven Behandlungen, Immunglobuline und Splenektomie angewendet, aber auch danach stellen sich mit der Zeit immer mehr Rezidive ein. Der Peptibody Romiplostim hat sich in der therapierefraktären Situation bewährt, und neue Daten beim Kongress der European Hematology Association (EHA) in Berlin zeigen, dass sich damit in vielen Fällen die Splenektomie vermeiden lässt.
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Romiplostim ist ein so genannter Peptibody, d.h. eine rekombinant hergestellte Kombination aus Peptid und Antikörper. Es bindet einerseits an den Rezeptor für Thrombopoetin (TPO) und stimuliert dadurch die Neubildung von Blutplättchen. Das Molekül trägt aber auch die Fc-Domäne humaner IgG-Antikörper, bindet damit an den neonatalen Fc-Rezeptor auf Immunzellen und verlängert dadurch die Halbwertzeit des Peptidbody im Kreislauf erheblich.

Romiplostim ist zugelassen zur wöchentlichen Behandlung erwachsener Patienten mit ITP, die gegen konventionelle Therapien mit Kortikosteroiden, Immunglobulinen etc. refraktär sind und kann als Zweitlinientherapie für Patienten erwogen werden, bei denen eine Splenektomie kontraindiziert ist. Wie Prof. Matthias Rummel, Gießen, beim EHA-Kongress erläuterte (Abstract #1059), wurden in einer internationalen Studie 234 Patienten mit ITP und Thrombozytenzahlen von weniger als 50 x 109/l im Verhältnis 2:1 randomisiert, entweder Romiplostim oder den „Standard of Care“ (SOC) zu erhalten. Bezüglich beider primärer Endpunkte war Romiplostim bei weitem überlegen (Tabelle 1):
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Tabelle 1: Inzidenz von Splenektomie und Therapieversagen unter Romiplostim

– Lediglich 8% der mit dem Peptibody behandelten Patienten benötigten eine Splenektomie oder mussten die Therapie abbrechen im Vergleich zu 35% derer in der Kontrollgruppe (Odds Ratio (OR) 0,169, p < 0,0001).
– Beim zweiten Endpunkt, der Häufigkeit eines Therapieversagens oder Therapieabbruchs (≤20 x 109/l Thrombozyten bei der höchsten empfohlenen Dosierung über vier konsekutive Wochen, schweres Blutungsereignis oder Änderung der Therapie wegen intolerabler Nebenwirkungen oder Blutungen) war das Verhältnis mit 12% gegenüber 27% etwas ausgeglichener, aber dennoch ausgesprochen vorteilhaft für die Verumgruppe (OR 0,374, p = 0,0039).
Blutungsereignisse vom Schweregrad ≥3 traten in der SOC-Gruppe bei 8%, in der Romiplostim-Gruppe lediglich bei 3% der Patienten auf. Behandlungsbedingte schwere Nebenwirkungen waren unter Romiplostim mit 5% etwas seltener als unter SOC mit 8%.
Bei nicht splenektomierten Patienten mit ITP, so Rummels Schlussfolgerung, kann Romiplostim das Risiko für eine Splenektomie ebenso wie das für ein Therapieversagen hochsignifikant reduzieren. Die Behandlung mit dem Peptibody erwies sich als ausgesprochen sicher und gut verträglich.
Josef Gulden

Quelle:


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