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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

18. Oktober 2013 Humaner Antikörper Trastuzumab jetzt auch subkutan zu applizieren

Trastuzumab (Herceptin®) ist der erste gegen HER2 gerichtete Antikörper und hat seit seiner Einführung vor mehr als einem Dezennium die bis dahin unzureichende Therapie des HER2-positiven Mammakarzinoms einen entscheidenden Schritt vorangebracht. Mittlerweile hat diese Substanz einer Vielzahl von Patientinnen mit dieser besonders aggressiven Manifestation des Brustkrebses zu einer substanziell besseren Prognose verholfen. Sie erreichen eine vergleichbare Überlebenszeit wie Patientinnen ohne HER2-Überexpression. Seit Ende August 2013 kann Trastuzumab auch subkutan injiziert werden. Von der einfachen und raschen subkutanen Applikation profitieren nicht nur die Frauen, sondern auch Ärzte und Pflegekräfte.

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"Trastuzumab brachte eine unglaubliche Innovation für die Therapie des Mammakarzinoms", konstatierte Prof. Christian Jackisch aus Offenbach. Der humane Antikörper kann allein und in Kombination mit der Hormon- oder Chemotherapie eingesetzt werden. Er begleitet die Patientinnen im Alltag über viele Jahre. Weil aber die intravenöse Gabe bis zu eineinhalb Stunden dauern kann und ohne Venenpunktion nun mal nicht auskommt, konnten sich viele Frauen nicht auf Dauer mit dieser Prozedur anfreunden. Als willkommene Alternative ist jetzt die subkutane Applikation möglich, und zwar alle drei Wochen innerhalb von weniger als fünf Minuten per Spritze.

Subkutanes Trastuzumab enthält eine rekombinante humane Form der Hyaluronidase (rHuPH20) als Trägerstoff, der die Hyaluronsäure spaltet und dadurch lokal und temporär die Dispersionsfläche des subkutanen Gewebes vergrößert. Trastuzumab SC wird, unabhängig vom Körpergewicht, in einer fixen Dosierung von 600 mg appliziert und ist als gebrauchsfertige 5-ml-Lösung verfügbar, erläuterte der Offenbacher Gynäkologe.

Subkutane und intravenöse Gabe sind gleich stark wirksam

Wie es um die Wirksamkeit beider Applikationsformen bestellt ist, wurde in der HannaH-Studie (1) überprüft. An der offenen, multizentrischen und randomisierten Phase-III-Studie nahmen 596 Patientinnen teil, die an einem inoperablen oder lokal fortgeschrittenen HER2-positiven Mammakarzinom im Frühstadium litten. Die Teilnehmerinnen bekamen alle drei Wochen Trastuzumab subkutan oder intravenös, und zwar in Kombination mit einer Chemotherapie in der neoadjuvanten Situation oder als Monotherapeutikum postoperativ.

Die Studie zeigte, dass beide Applikationsformen eine gleich gute Wirksamkeit entfalteten. Die mediane Zeit bis zum Ansprechen betrug in beiden Gruppen 6 Wochen. Die Gesamtansprechrate erreichte bei beiden Formulierungen beinahe 90%. Die Wirksamkeit beider Formulierungen wurde vom Körpergewicht der Patientinnen nicht beeinflusst. In puncto Sicherheit und Verträglichkeit war die subkutane Gabe der intravenösen ebenbürtig.

Weniger Schmerzen und enorme Zeiteinsparung


Welcher Applikationsmodus von den Patientinnen favorisiert wird, untersuchte man in der randomisierten und multizentrischen Phase-II-Crossover-Studie PrefHer (2). Daran nahmen 488 Patientinnen mit operiertem und histologisch gesichertem HER2-positiven Brustkrebs im Frühstadium teil, berichtete Dr. Beyhan Ataseven aus Essen. In den jeweils zwei zweiarmigen Kohorten wurden die subkutane und intravenöse Gabe in jeweils umgekehrter Reihenfolge getestet. Bei den 248 Frauen der Kohorte I erfolgte die subkutane Applikation mit einem speziellen Einweg-Injektionsgerät, bei den 240 Frauen der Kohorte II manuell mittels Spritze.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Bei der telefonischen Befragung nach Abschluss der Therapie stellte sich heraus, dass 91,5% der Patientinnen der subkutanen Applikation gegenüber der intravenösen klar den Vorzug gaben. Diese extrem hohe Präferenz für Trastuzumab SC wurde weder von der Reihenfolge der Verabreichung noch von einer etwaigen Vortherapie mit intravenösem Trastuzumab beeinflusst. Von den Interviewten bekannten sich darüber hinaus 67,4% zu einer "sehr starken" und 19,1% zu einer "ziemlich starken" Präferenz für die subkutane Gabe von Trastuzumab.

Der Vorteil der subkutanen Darreichung, der aus Sicht der Patientinnen am stärksten ins Gewicht fällt, ist der nicht unerhebliche Zeitgewinn. Für die subkutane Gabe spricht auch, dass sie weniger schmerzhaft und weniger psychisch belastend ist. Geschätzt wird von den Frauen auch die gegenüber der intravenösen Applikation einfachere und bequemere Anwendbarkeit. Von den befragten Ärzten und Pflegekräften bekannten fast drei Viertel, mit der subkutanen Darreichung zufriedener zu sein.

kbf

Pressekonferenz "Zulassung für Herceptin SC - Mehr Freiraum für Frauen mit HER2-positivem Mammakarzinom", Hamburg, 12.09.2013; Veranstalter: Roche


Literaturhinweise:

(1) Gustavo I, et al. Lancet Oncol 2012;13: 869-878.
(2) Pivot X, et al. Lancet Oncol 2013;14: 962-970.


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