Sonntag, 25. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Giotrif
Giotrif

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. September 2008 Hirntumoren: Highlights vom ASCO-Jahrestreffen 2008

Das oral verfügbare Alkylans Temozolomid ist seit der wegweisenden EORTC-Studie Chemotherapeutikum der Wahl während und nach der Radiotherapie in der Primärbehandlung des Glioblastoma multiforme. Vor allem bei hoch malignen Gliomen, aber auch bei weniger bösartigen Tumoren sind die Ergebnisse aber nach wie vor unbefriedigend, deshalb wird Temozolomid in den verschiedensten klinischen Situationen in anderen Schemata und in Kombination mit anderen Substanzen mit neuartigen Wirkmechanismen untersucht. Wichtige Ergebnisse dazu wurden kürzlich auf dem 44. Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago (Illinois, USA) vorgestellt.
In einer deutschen Phase-II-Studie untersuchten Weiler et al.1 ein dosisdichtes Temozolomid-Schema („one week on/one week off“) beim neu diagnostizierten Glioblastom. Verglichen mit den Daten aus der EORTC-Studie profitierten offenbar nur Patienten mit methyliertem Promotor des MGMT-Gens von der Intensivierung des Temozolomid-Schemas, was das mediane progressionsfreie oder Gesamtüberleben betraf, so Weller. Das gleiche Schema wendete eine italienische Arbeitsgruppe (Soffietti et al.2) auch bei progredienten niedrigmalignen Oligodendrogliomen an, und es erwies sich in dieser Indikation als verträglich und wirksamer als das Standard-Regime, bei dem Temozolomid nur an 5 von 28 Tagen gegeben wird.

Die Variante III des Rezeptors für den epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR) ist eine immunogene Mutation, die in keinem normalen Gewebe exprimiert wird, aber beim Glioblastom und anderen Neoplasien verbreitet ist und dadurch zu einem attraktiven Ziel für aktive Immuntherapien wird, so Weller. Sampson et al.3 untersuchten die Kombination aus einer EGFRvIII-spezifischen Peptid-Vakzine und Temozolomid beim neu diagnostizierten EGFRvIII-positiven Glioblastom und fanden gegenüber bisherigen Resultaten vorteilhafte Überlebensdaten. Die Kombination aus Impfung und Temozolomid wird deshalb zurzeit in einer randomisierten Phase-III-Studie untersucht.

In der Second-line-Therapie gibt es zahlreiche Hinweise, dass die abermalige Gabe von Temozolomid wirksam sein kann, wie Weller bemerkte. Deshalb untersuchten Perry et al.4 die kontinuierliche tägliche Applikation von dosisdichtem Temozolomid (50 mg/m2) für bis zu einem Jahr. Sie fanden eine im Vergleich zu anderen häufig verwendeten Schemata günstige Wirksamkeit und halten dieses Regime für „ideal zur Anwendung in Kombination zum Beispiel mit den neuen zielgerichteten Substanzen“. Zu den attraktivsten dieser zielgerichteten Substanzen zählen derzeit antiangiogenetische Medikamente wie Bevacizumab, das in mehreren Studien getestet wurde, unter anderem mit täglich verabreichtem Temozolomid beim rezidivierten Glioblastom (Maron et al.5). Dieses Regime wird als aktiv mit akzeptabler Toxizität beurteilt.

In der NOA-04-Studie der deutschen Neuro-Onkologischen Arbeitsgemeinschaft (NOA), die Prof. Wolfgang Wick (Heidelberg) in einer Oral Abstract Session des ASCO-Kongresses vorgestellt hatte6, ging es um die Primärtherapie anaplastischer Gliome des WHO-Grads III. Standard-Primärtherapie war bislang die Bestrahlung, beim Rezidiv konnte dann eine Chemotherapie zum Einsatz kommen. Die NOA-04-Studie mit 318 Patienten sollte randomisiert klären, ob man mit der umgekehrten Sequenz genauso gute Langzeitergebnisse erzielt. Die Hälfte der Patienten wurde zunächst bestrahlt, die übrigen wurden wiederum randomisiert, um entweder Temozolomid oder eine Kombinationschemotherapie aus Procarbazin, CCNU und Vincristin (PCV) zu erhalten. Bei Progression erhielten die Patienten die Behandlung der jeweils anderen Gruppe, wobei bei den primär bestrahlten Patienten in der zweiten Stufe wieder eine Randomisierung auf entweder Temozolomid oder PCV erfolgte.

Primärer Endpunkt war der Vergleich der Zeit bis zum Therapieversagen nach der 2. Therapiestufe. Beide Sequenzen erwiesen sich als gleichwertig mit einer medianen Zeit bis zum Therapieversagen nach der 2. Therapiestufe von mindestens 42,7 Monaten in der ersten und 43,8 Monaten in der zweiten Gruppe. Auch die beiden Chemotherapien waren gleichwertig, egal ob als Primär- oder als Folgetherapie. Günstige prognostische Faktoren waren ein Verlust von genetischem Material auf den Chromosomen 1p und 19q, die Methylierung des MGMT-Promotors im Tumorgewebe sowie eine oligodendrogliale Komponente (d.h. anaplastische Astrozytome waren prognostisch ungünstiger).

Auch beim progressionsfreien Überleben war kein Unterschied zwischen den verschiedenen Armen zu erkennen. Die Verträglichkeit der Radiotherapie war hervorragend, die Verträglichkeit der Chemotherapie ebenfalls gut: Hämatotoxizität vom Grad 3/4 trat unter Temozolomid (4%) seltener auf als unter PCV (17,5%). Insgesamt beendeten nur 8,9% der Patienten die Therapie vorzeitig aufgrund von Nebenwirkungen.

Quelle: Post ASCO Presseworkshop. ASCO Highlights 2008 – neue Erkenntnisse zur Behandlung von primären Hirntumoren und Hirnmetastasen. München, 23. Juli 2008.
Veranstalter: Essex pharma

1. ASCO 2008, Abstract #2044
2. ASCO 2008, Abstract #2019
3. ASCO 2008, Abstract #2011
4. ASCO 2008, Abstract #2010
5. ASCO 2008, Abstract #2074
6. ASCO 2008, Abstract #LBA2007


Anzeige:
Avastin MammaCA BC
Avastin MammaCA BC
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hirntumoren: Highlights vom ASCO-Jahrestreffen 2008"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab