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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

31. Juli 2019
Seite 1/5
Highlights der 16. ENETS-Jahreskonferenz 2019 zur Diagnose und Therapie der neuroendokrinen Tumorerkrankung

Berichterstattung: M. Anlauf1, N. Begum2, H. Jann3, A. König4, V. Prasad5. 1Institut für Pathologie, Zytologie und Molekularpathologie, Überregionale Gemeinschaftspraxis, Limburg, 2Klinik für Allgemein-, Viszeral- und minimalinvasive Chirurgie, Agaplesion Ev. Klinikum Schaumburg, Obernkirchen, 3Medizinische Klinik für Hepatologie, Gastroenterologie und Stoffwechselerkrankungen, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, 4Klinik für Gastroenterologie und gastrointestinale Onkologie, Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen, 5Klinik für Nuklearmedizin, Universität Ulm, Ulm.

Die 16. Jahreskonferenz der European Neuroendocrine Tumor Society (ENETS) fand vom 6. bis 8. März 2019 erneut in der katalanischen Metropole Barcelona statt. Mehr als 1.530 Teilnehmer aus aller Welt nahmen an der Tagung teil, davon alleine rund 220 Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. 81 Referenten stellten in 10 Sessions mit 40 Vorsitzenden die Ergebnisse ihrer Arbeit vor, insgesamt wurden 318 wissenschaftliche Poster präsentiert.
Pathologie
 
One for all – die neue WHO-Klassifikation 2019
 
Wie Aurel Perren, Bern, Schweiz, (Session #3) hervorhob, wird die im Juli 2019 erwartete neue WHO-Klassifikation die Kategorie der neuroendokrinen Tumoren (NET) G3 nun für den gesamten Verdauungstrakt klassifizieren. Sie stellt damit wieder eine einheitliche Klassifikation für Pankreas-, Lungen- und gastrointestinale neuroendokrinen Neoplasien (NEN) dar. Erstmals wird die Untersuchung auf p53- und Rb-Mutationen für die im Einzelfall schwierige Abgrenzung von NET G3 versus neuroendokrine Karzinome (NEC) empfohlen. Bei einem Ki-67-Proliferationsindex > 40 % sei das Vorliegen eines NET G3 eher unwahrscheinlich, bei einem Ki-67 < 40 % das Vorliegen eines NEC. Mit der Einführung des Begriffs „Mixed Neuroendocrine-Non-neuroendocrine Neo-plasm“ (MiNEN) anstelle von „Mixed Adenoneuroendocrine Neoplasm“ (MANEC) wurde die Terminologie dieser gemischt differenzierten Neoplasien präzisiert. Damit können jetzt auch NEN mit einem plattenepithelial differenzierten Anteil, wie z. B. im Ösophagus möglich, als gemischt differenzierte NEN korrekt benannt werden. Darüber hinaus wurde präzisiert, dass es sich beim früheren „Becherzellkarzinoid“ nicht um einen neuroendokrinen Tumor handelt, sondern dass diese Neoplasie eindeutig ein Adenokarzinom darstellt und als solches behandelt werden muss. Das „Becherzellkarzinoid“ wird mit der neuen WHO-Klassifikation des Verdauungstrakts daher als Becherzellkarzinom klassifiziert.
 

Pathologie von NEN G3 und klinische Konsequenzen
 
Der Beitrag von Helge Elvebakken und Kollegen, Ålesund, Norwegen, (Abstract #H09) beschäftigte sich mit der Validierung und dem Qualitätsmanagement in der Pathologie: Eine verblindete Auswertung von 196 GEP-NEN G3-Fällen aus dem Nordic NEC-Register für gastroenteropankreatische (GEP) NEC durch 4 Experten anhand 6 konventioneller morphologischer Kriterien (ohne Ki-67 und weitere immunhistochemische Analysen) konnte eine sehr gute Übereinstimmung von mehr als 85 % Konkordanz der Befunde zeigen. Damit sind die zur morphologischen Charakterisierung erarbeiteten diagnostischen Kriterien unter Experten valide und nachvollziehbar bestimmbar, was bei entsprechender Schulung auch im Rahmen der allgemeinen pathologischen Routineuntersuchung möglich sein sollte.
 
Wie Elvebakken unterstrich, stellen NEC sowohl in der morphologischen und molekularpathologischen Untersuchung als auch in der klinischen Betrachtung eine heterogene Gruppe von Tumoren dar, die eine weitere Subklassifikation erfordern. Dabei scheint die Proliferationsrate einen größeren Einfluss auf klinische Parameter zu haben als morphologische Kriterien. Es ist seit längerem bekannt, dass Patienten mit NET G3 (gute bis mäßige Differenzierung) deutlich schlechter auf eine platinbasierte Chemotherapie ansprechen als solche mit NEC (schlechte Differenzierung), auch wenn Patienten mit NET G3 ein deutlich besseres Gesamtüberleben aufweisen als solche mit NEC. In der jetzt vorgestellten Untersuchung konnte überraschenderweise gezeigt werden, dass auch niedriger proliferative NEC-Low (Ki-67 21-55 % und schlechte Differenzierung) vergleichbar schlecht auf eine platinbasierte Chemotherapie ansprechen wie Patienten mit NET G3. Im Gegensatz dazu konnte das vergleichsweise gute Ansprechen auf diese Chemotherapie von Patienten mit NEC-High (Ki-67 > 55 % und schlechte Differenzierung), welches in früheren Studien bereits nachgewiesen werden konnte, bestätigt werden. Somit konnte einmal mehr die zentrale Bedeutung der Proliferationsrate für das klinische Verhalten von neuroendokrinen Tumoren aufgezeigt werden.
 

Neues zur Molekularpathologie
 
Wie Lynnette Fernandez-Cuesta, Lyon, Frankreich, (Session #5B) berichtete, gelang es mittels Next Generation -Sequencing (NGS)-basierter Clusteranalyse, ein aggressives broncho-pulmonales „Suprakarzinoid“ zu identifizieren, das in seinem molekularen Markerprofil einem großzelligen NEC (LCNEC) ähnelt. Betroffene Patienten weisen ein niedriges Gesamtüberleben auf, der Subtyp lässt sich nur in der molekularpathologischen Untersuchung, jedoch nicht nach morphologischen Kriterien abgrenzen. Allgemein wird dadurch die Indikation für NGS-basierte molekulare Analysen bei broncho-pulmonalen LCNEC unterstrichen.
 
Die Indikation für ein generelles molekulares Screening aller NEN in der klinischen Routine erscheint jedoch nach wie vor unklar. Jaume Capdevila, Barcelona, Spanien, (Session #4B) berichtete, dass bei bis zu 50 % kolorektaler NEC eine potentiell therapierelevante BRAF-V600E-Mutation gefunden wurde (1). Einer dänischen Studie zufolge konnten jedoch mit einem NGS-basierten Tumorhotspot-Panel aus 50 unselektierten Genen keine direkt therapierelevanten Mutationen nachgewiesen werden. Für die Zukunft wegweisend erscheint der Ansatz der MASTER-Studie aus Heidelberg, der von Leonidas Apostolidis vorgestellt wurde (Abstract #I01). So konnte mithilfe dieses Programms bei 87 % von 108 NEN-Patienten ohne weitere zugelassene Therapieoption auf der Basis umfassender molekularer Analysen (Whole Genome Sequencing und Expressionsanalysen) eine Therapieempfehlung gegeben werden. Diese umfasste am häufigsten die Applikation von Poly(ADP-Ribose)-Polymerase 1 (PARP)-Inhibitoren, von Modulatoren im mTOR-Signalweg sowie von Immuncheckpoint-Inhibitoren. Offene Fragen des Projekts betreffen v. a. den Datenrücklauf aus den behandelnden Zentren zur Abschätzung von Wirksamkeit, die Auswertung des tatsächlichen Ansprechens auf die empfohlene Therapie, die Toxizität sowie die Kosten-Nutzen-Bewertung der molekular-basierten Therapieoption.
 
Besonders innovativ war ein Kooperationsprojekt von Robb Tamsin aus Neuseeland (Abstract #C119), in dem der Verlauf eines Patienten mit einem metastasierten Lungen-Karzinoid detailliert über 10 Jahre dokumentiert und nach Schnellautopsie eine 3D-Skelettrekonstruktion durchgeführt wurde. Per virtueller Realität konnte der zeitliche Verlauf der Erkrankung virtuell „begangen“ werden.
 
 
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ESMO 2019
  • PD-L1-positives NSCLC: Pembrolizumab-Monotherapie bei Patienten mit und ohne Hirnmetastasen vergleichbar wirksam
  • Tumormutationslast etabliert sich als prädiktiver Marker für das Ansprechen auf Pembrolizumab bei soliden Tumoren
  • Hohes und langanhaltendes Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei unterschiedlichen MSI-H-Tumoren
  • Checkpoint-Inhibition in der adjuvanten und metastasierten Situation hat für Patienten mit Melanom das Überleben neu definiert
  • Magenkarzinom/Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs: Patienten mit MSI-high-Tumoren profitieren besonders von Checkpoint-Inhibition
  • Pembrolizumab + Chemotherapie beim Plattenepithelkarzinom-NSCLC: Überlegenes OS, PFS, ORR und PFS2 gegenüber alleiniger Chemotherapie
  • Frühes TNBC: signifikant verbesserte pCR-Rate durch neoadjuvante Therapie mit Pembrolizumab + Chemotherapie
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