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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. März 2010 Hämatologische Neoplasien: Bendamustin kann sich mit den Therapiestandards messen

Bendamustin hat als Monotherapie sowie als Kombination mit Rituximab (B-R) eine hohe Aktivität bei bekannt gutem Verträglichkeitsprofil in der Behandlung niedrigmaligner Lymphome sowie der Chronischen Lymphatischen Leukämie (CLL) bewiesen. Aktuelle Studienergebnisse, die im Rahmen des Deutschen Krebskongresses vorgestellt wurden, haben laut dem Vorsitzenden des Symposiums Prof. Ulrich Dührsen, Essen, das Potenzial einen Paradigmenwechsel bei indolenten Lymphomen herbeizuführen.
Im Mittelpunkt der Präsentationen stand die erstmalige Vorstellung einer Studie in Deutschland, die schon im Dezember 2009 beim Amerikanischen Hämatologenkongress (ASH) für internationales Aufsehen sorgte [1]. In dieser randomisierten Phase-III-Untersuchung wurde Bendamustin (Ribomustin®) in Kombination mit Rituximab (B-R) direkt mit dem bisherigen Standard CHOP-R (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison plus Rituximab) bei 549 Patienten mit unvorbehandelten follikulären, indolenten und Mantelzell-Lymphomen verglichen. Studienleiter PD Dr. Mathias Rummel erläuterte, dass zwei Gründe für die Studiengruppe Indolente Lymphome (StiL) den Ausschlag gegeben hätten, eine solche Untersuchung durchzuführen: Zum einen stellt sich die Frage, ob CHOP bei den indolenten Lymphomen wirklich der optimale Partner für Rituximab ist, da diese Chemo-Immuntherapie mit einer hohen Toxizität behaftet ist. Zum anderen lagen viel versprechende Ergebnisse zweier Phase-II-Studien vor, die bestätigen, dass Bendamustin in Kombination mit Rituximab bei indolenten Lymphomen effektiv und zudem sicher ist.


B-R ist CHOP-R signifikant überlegen

Erwartungsgemäß war B-R deutlich besser verträglich als CHOP-R mit signifikant weniger Hämatotoxizität, berichtete M. Rummel. Zudem wurden deutlich weniger subjektiv belastende Nebenwirkungen wie periphere Neuropathie und weniger Stomatitis hervorgerufen. Ein vollständiger Haarverlust wurde unter B-R im Gegensatz zu CHOP-R praktisch nicht beobachtet.

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Abb. 1: Progressionsfreies Überleben unter B-R

Hinsichtlich der Effektivität zeigte sich eine geradezu sensationelle Signifikanz: Die Patienten im B-R-Arm lebten im Median 20,1 Monate länger progressionsfrei als die CHOP-R-Patienten (54,9 Monate vs. 34,8 Monate, p=0,00012). Ebenfalls erwies sich die Rate an kompletten Remissionen (CR) von 39,6% unter B-R signifikant höher als unter CHOP-R mit 30,0% (p=0,0262). Die Zeit bis zur nächsten Behandlung (Time to next treatment, TTNT) betrug bei CHOP-R median 37,5 Monate, unter B-R war der Median bei der Auswertung noch nicht erreicht (p=0,000022). „Dies ist ein bedeutendes Ergebnis, da der Parameter TTNT ein direkter Gradmesser des Therapieerfolges ist“, betonte M. Rummel.


Umdenken in der Primärtherapie indolenter Lymphome – erste Wahl B-R

Auf Grund dieser deutlichen Überlegenheit von B-R schlussfolgerte der Leiter des Schwerpunkts Hämatologie an der Universität Gießen: „Mit dieser Studie hat B-R eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass diese Chemo-Immuntherapie das Potenzial hat, bei den indolenten Lymphomen die Primärtherapie der ersten Wahl zu werden.“ Entsprechend reagierte die StiL-Studiengruppe: Im Rahmen ihrer neuen Studie NHL7-2008 zur Überprüfung der Dauer der Erhaltungstherapie mit Rituximab (2 vs. 4 Jahre) wird B-R als standardmäßige Erstlinientherapie verwendet. Auch U. Dührsen ergänzte, dass die Kombination B-R in seiner Essener Klinik bereits als Standardkombination für die indolenten Lymphome gehandhabt würde.


Überzeugende Daten auch bei der CLL

Bendamustin trägt nach Ansicht der Experten zudem dazu bei, die Therapieoptionen bei der CLL zu verbessern. So verwies Prof. Dr. Wolfgang Knauf, Frankfurt, auf eine Studie, die Bendamustin und Chlorambucil als Monotherapie bei CLL-Patienten vergleicht [2]. Die Gesamtremissionsrate unterschied sich mit 68% im Bendamustin-Arm und 31% im Chlorambucil-Arm in der Intention-to-Treat-(ITT)-Analyse signifikant (p<0,0001). Das histologisch verifizierte komplette Ansprechen im Knochenmark betrug unter Bendamustin 31%, unter Chlorambucil dagegen nur 2%. Auch das mediane PFS war unter Bendamustin mit 21,6 Monaten gegenüber 8,3 Monaten im Chlorambucil-Arm signifikant länger (p<0,0001). Eine aktuelle Subgruppenanalyse dieser Untersuchung belegt, dass die signifikant höhere Aktivität von Bendamustin auch bei Patienten über 65 Jahre und unabhängig vom Binet-Stadium und den LDH-Werten erhalten blieb [3]. Diese guten Daten aus der Monotherapie unterstützen den Einsatz von Bendamustin in Kombination mit Rituximab. Im CLL2M-Protokoll der Deutschen CLL Studiengruppe (DCLLSG) erwies sich die Kombination aus Bendamustin und Rituximab (B-R) sowohl bei rezidivierten Patienten mit CLL als auch in der Erstlinientherapie als hocheffektiv und gut verträglich [4,5]. „Da B-R nicht nur hochwirksam ist, sondern auch ein günstiges Toxizitätsprofil aufweist, lag eine direkte Vergleichsstudie mit FC-R nahe“, kommentierte Prof. Dr. Clemens Wendtner von der Uniklinik Köln. Dies wird momentan in der internationalen Phase-III-Studie der DCLLSG (CLL10 Protokoll) untersucht.

Bettina Reich, Hamburg

Literatur:
1. Rummel MJ et al. Blood 2009; 114(22): #405
2. Knauf WU et al. J Clin Oncol 2009; 27(26): 4378-4384
3. Knauf W, et al. Blood 2009; 114(22): #2367
4. Fischer K. et al. Blood 2008;112(11); #330
5. Fischer K. et al. Blood 2009; 114(22): #205

Quelle: Lunch-Symposium „Bendamustin – Paradigmenwechsel in der Behandlung hämatologischer Neoplasien“ anlässlich des 29. Deutschen Krebskongresses vom 24. bis 27. Februar 2010 in Berlin, unterstützt durch Mundipharma GmbH


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