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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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09. November 2018

Hämato-Onkologie: Wirtschaftlichkeit regelmäßiger IgG-Bestimmungen

Untersuchungen legen nahe, dass eine körpergewichtsadaptierte und Talspiegel-geführte Therapie mit Immunglobulinen zur Behandlung sekundärer Immundefekte bei hämatoonkologischen Patienten z.B. mit chronischer lymphatischer Leukämie Vorteile bietet (1, 2). Eine adäquate Dosierung führte zu einer deutlich reduzierten Zahl von Infekten und auch zu einem geringeren klinischen Schweregrad. Des Weiteren gibt es Hinweise, dass die Vermeidung von infektiösen Komplikationen zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens (OS) in dieser Hochrisiko-Population führt (3).
Deshalb stellen sich für den Hämato-Onkologen, insbesondere vor dem Hintergrund der seit dem 01. April 2018 in Kraft getretenen Laborreform, 2 praktische Fragen:

• Welche Möglichkeiten zur Abrechnung von IgG-Bestimmungen in der vertragsärztlichen Versorgung gibt es?
• Welche Auswirkungen hat dies auf den Laborwirtschaftlichkeitsbonus sowie die Wirtschaftlichkeit der IgG-Bestimmungen?


Bestimmung von Immunglobulin G

Die gängige Bestimmung von IgG erfolgt bei gesetzlich Versicherten nach der Gebührenordnungsposition (GOP) 32104 des EBM:

• Quantitative immunochemische Bestimmung im Serum; 0,60 Euro pro Bestimmung.

Die seltenere Bestimmung der Immunglobuline in anderen Körpermaterialien, z.B. im Liquor oder Harn, ist nach den dafür vorgesehenen GOP des Kapitels 32.3 berechnungsfähig:

• 32488 Immunglobulin A, G oder M im Liquor = 8,50 Euro
• 32449 Immunglobulin G im Harn = 5,50 Euro

Die IgG-Bestimmung kann als Auftragsleistung an ein Einsendelabor deligiert oder von der Praxis selbst erbracht werden. Die Abrechnung von Leistungen des Abschnitts 32.3 des EBM (Speziallabor) setzt eine Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung nach der Vereinbarung zu den Laboratoriumsuntersuchungen gemäß § 135 Abs. 2 SGB V voraus.


Wirtschaftliche Leistungserbringung von Laborleistungen

Seit dem 01. April 2018 gelten für die Erbringung von Laborleistungen neue Regelungen. Diese betreffen insbesondere die Berechnung des sogenannten Wirtschaftlichkeitsbonus. Für diesen zählen alle Behandlungsfälle im Quartal, in denen mind. eine Versicherten-, Grund- und/oder Konsiliarpauschale der EBM-Kapitel 3, 4, 7 bis 11, 13, 16, 17, 18, 20, 21, 26, 27 oder 30.7 abgerechnet wurde. Die Spannbreite für den Laborbonus pro Fall reicht seitdem von 32 Cent bei Chirurgen bis 3,94 Euro bei Nephrologen und Endokrinologen.

Bei Hämato-Onkologen beträgt der Bonus je Fall 23 Punkte, dies entspricht 2,45 Euro. Bei einer Praxis mit 750 Scheinen (Fachgruppenschnitt) ergibt sich für den Hämato-Onkologen ein Laborbonus von 1.838 Euro/Quartal.

Mit dem Bonus soll der sparsame Umgang mit Laborleistungen „belohnt“ werden. In die Summe der Kosten fließen alle Laborleistungen nach den Abschnitten 32.2 und 32.3 EBM ein, die eine Praxis von Laborgemeinschaften bezogen, als Auftragsleistung überwiesen und/oder selbst durchgeführt hat.

Je nach Höhe der veranlassten bzw. selbst erbrachten Laborleistungen schmilzt dieser Bonus ab; er kann allerdings nicht negativ werden. Generell gilt: Bei Fachgruppen, die umfangreiche Labordiagnostik veranlassen oder durchführen, ist der Betrag höher. Insgesamt liegt der Laborwirtschaftlichkeitsbonus bei Hämato-Onkologen pro Fall 20% über dem der Hausärzte.

Bei bestimmten Indikationen können definierte Laborleistungen durch das Setzen von Ausnahmekennziffern gekennzeichnet werden. Diese Leistungen werden dann bei der Berechnung des Bonus nicht berücksichtigt. Einen übersichtlichen Vergleich der bisherigen und der neuen Regelungen des Labors liefert Tabelle 1.
 
Tab. 1: Übersicht zu den Regelungen für die Erbringung von Laborleistungen in der GKV.
Regelung "alt" Regelung "neu" seit 01.04.2018
Laborbudget:
Budget-Laborkosten=Bonus
Kein Budget mehr,
dafür obere/untere Begrenzung
Ausnahmekennziffern Ausnahmekennziffern
Alle Laborbestimmungen mit
Kennziffern sind bonusneutral
Nur bestimmte Laborbestimmungen
sind bonusneutral
Nur Scheine ohne Ausnahme-
kennziffer zählen für den Bonus
Alle Scheine mit Grundpauschalen
zählen für den Bonus
Eine Ausnahmekennziffer/Schein Mehrere Ausnahmekennziffern/Scheine


Laborwirtschaftlichkeitsbonus bei Hämato-Onkologen

Die Laborreform hat jetzt zu einer neuen Berechnungsgrundlage des Laborwirtschaftlichkeitsbonus geführt. Es wurde ein oberer und ein unterer spezifischer Fallwert für die jeweiligen Fachgruppen definiert. Hämato-Onkologen haben jetzt einen unteren bzw. einen oberen spezifischen Fallwert von 10,90 Euro bzw. 30,50 Euro. Dies bedeutet: Liegen die durchschnittlichen Laborkosten der Praxis

• < 10,90 Euro/Fall, wird der Bonus voll bezahlt

• zwischen dem oberen und unteren Fallwert, wird er anteilig gezahlt

• > 30,50 Euro, entfällt der Bonus.

Inwieweit die zusätzlichen Kosten der IgG-Bestimmungen den Laborwirtschaftlichkeitsbonus mindern, ist also insbesondere bei einer anteiligen Zahlung relevant. Dies soll an folgendem Beispiel einer Praxis mit 1.000 Scheinen verdeutlicht werden:

Die Praxis hat Laborkosten von durchschnittlich 18 Euro je Fall. Die Kosten liegen also zwischen dem unteren und oberen Fallwert. Der Wirtschaftlichkeitsfaktor beträgt 0,638. Ergebnis: Der Bonus wird anteilig ausgezahlt.


Berechnung

• Der Wirtschaftlichkeitsfaktor wird wie folgt bestimmt: Die Differenz zwischen dem arztgruppenspezifischen oberen begrenzenden Fallwert und dem durchschnittlichen praxisspezifischen Fallwert (30,50 - 18,00 = 12,50 Euro), dividiert durch die Differenz zwischen dem arztgruppenspezifischen oberen und unteren begrenzenden Fallwert (30,50 - 10,90 = 19,60 Euro). Also: 12,50 ÷ 19,60 = 0,638.

• Bei einem Wirtschaftlichkeitsfaktor von 0,638 erhält eine hämato-onkologische Praxis 1.563 Euro (Bonus pro Fall 2,45 Euro x 1.000 Behandlungsfälle x Wirtschaftlichkeitsfaktor 0,638).

• Bei 10 bzw. 50 Patienten, die eine monatliche IgG-Bestimmung erhalten, würden zusätzliche Laborkosten von 18 bzw. 90 Euro/Quartal anfallen. Der Wirtschaftlichkeitsbonus würde sich durch diese zusätzlichen Kosten um 7 bzw. 12 Euro auf 1.556 bzw. 1.551 Euro reduzieren. Der Effekt dieser zusätzlichen Laborkosten ist also vernachlässigbar gering.

Für Patienten mit onkologischen Erkrankungen gibt es eine neue Ausnahmekennziffer: GOP 32012 – Erkrankungen unter antineoplastischer Therapie oder systemischer Zytostatikatherapie und/oder Strahlentherapie. Die Abrechnung der GOP 32104, d.h. die Bestimmung des IgG-Spiegels, fällt allerdings nicht unter die definierten Laborleistungen der Ausnahmekennziffer 32012.

Bezogen auf den Gesamtumsatz im GKV-Bereich hat der Laborbonus für den Hämato-Onkologen bei einem durchschnittlichen Honorarumsatz pro Behandlungsfall von 157 Euro bzw. 87.056 Euro/Quartal pro Arzt (KBV-Honorar-bericht 02/2016) eine sehr nachgeordnete finanzielle Bedeutung. Es gibt also von Seiten des Laborbudgets keine ökonomischen Hemmnisse für die Durchführung einer Talspiegel-geführten und körpergewichtsadaptierten Immunglobulintherapie, wenn der Patient eine entsprechende Infektanfälligkeit zeigt.

Nur durch die regelmäßige Bestimmung des IgG-Spiegels bei einer Behandlung mit Immunglobulinen ist eine bedarfsgerechte Behandlung möglich. Neben den medizinischen Vorteilen dieser Vorgehensweise sichert die Praxis so auch die Wirtschaftlichkeit und die Qualitätssicherung der Anwendung des Arzneimittels ab.


Fazit für die Praxis

• Bei Immunglobulin-Infusionen zur Therapie sekundärer Immundefekte liefern die regelmäßigen Bestimmungen der IgG-Talspiegel klinisch relevante Informationen zur Adaption der patientenindividuellen Dosierung.

• Zusätzliche Erbringung von IgG-Bestimmungen haben so gut wie keinen Einfluss auf den Laborwirtschaftlichkeitsbonus.

• Bei einer definierten medizinischen Indikation und einer plausiblen Menge/Frequenz sind die veranlassten Laborleistungen und die damit verbundenen Kosten als wirtschaftlich anzusehen.


Mit freundlicher Unterstützung der CSL Behring GmbH
Dr. Georg Lübben, AAC Praxisberatung AG, Berlin
Literatur:
(1) Reiser M et al. ESID Meeting 2016, Barcelona.
(2) Otremba B et al. DÖSGHO-Tagung 2017, Stuttgart.
(3) Ehlers HU et al. DÖSGHO-Tagung 2017, Stuttgart.
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