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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

30. Oktober 2006 Frühes Rezidiv des Ovarialkarzinoms Kombinationstherapie verlängert das Überleben nicht

Eine umfassende Phase-III-Studie deutscher Provenienz sorgte auf dem ASCO 2006 für Aufsehen. Demnach ist gesichert, dass sich die Überlebenszeit von Patientinnen mit einem früh rezidivierenden Ovarialkarzinom mit einer Kombinationstherapie nicht verlängern lässt. Standard der Rezidivtherapie bleibt also die Monotherapie mit Topotecan oder pegyliertem liposomalem Doxorubicin (Caelyx).
Feinere Operationstechniken und hohe Ansprechraten von rund 75% auf die Erstlinien-Chemotherapie mit Paclitaxel und Carboplatin haben die Situation beim Ovarialkarzinom deutlich verbessert. Dennoch werden im FIGO-Stadium III und IV zwei von drei der Patientinnen von einem Rezidiv oder einer Tumorprogression befallen, die ad exitum führen. Wird beim Rezidiv eines platinsensitiven Ovarialkarzinoms eine systemische Therapie erwogen, sollte man speziell Nebenwirkungsspektrum und Lebensqualität berücksichtigen, riet PD Dr. Jalid Sehouli, Berlin.

Hierauf wurde in einer Phase-I/II-Studie der NOGGO geachtet, in der 24 Patientinnen mit platinsensitivem Ovarialkarzinomrezidiv einer Kombinationstherapie aus Topotecan plus Carboplatin unterzogen wurden. Um herauszufinden, ob das Nebenwirkungsprofil vom rezidiv- bzw. therapiefreien Intervall beeinflusst wird, teilte man die Patientinnen danach ein, ob das rezidivfreie Intervall sechs bis zwölf Monate oder länger gedauert hatte. Die Analyse von insgesamt 145 Zyklen ergab eine mediane Zykluszahl von sechs. „Das unterstreicht die gute Machbarkeit und Verträglichkeit“, sagte Sehouli. Geplant ist jetzt eine randomisierte Phase-III-Studie mit Topotecan 0,75 mg/m2 plus Carboplatin AUC 5. Zum Vergleich dient die Standardtherapie mit Paclitaxel/Carboplatin oder Carboplatin/Gemcitabin.

Standard ist nach wie vor die Monotherapie
Immer noch unbefriedigend ist die Rezidivtherapie des platinresistenten Ovarialkarzinoms. Wie dagegen am besten vorzugehen ist, sollten vor allem die Tumorkontrolle, das Toxizitätsprofil und die Präferenz der Patientinnen bestimmen. Unter Beachtung dieser Kriterien wurde die offene und randomisierte NOGGO-Phase-III-Studie mit 505 Patientinnen aus 93 Kliniken konzipiert, für deren Präsentation Sehouli auf dem ASCO 2006 neidlose Anerkennung zuteil wurde.

Ein Frührezidiv mit einem platinfreien Intervall von weniger als sechs Monaten ist platinresistent und wird in aller Regel monotherapeutisch mit Topotecan (Hycamtin®) oder Caelyx therapiert. Aus einer Umfrage erfuhr Sehouli indessen, dass immerhin rund 40% der deutschen Onkologen beim frühen Rezidiv des platinresistenten Ovarialkarzinoms eine Kombinationstherapie vornehmen. Ob sie damit lege artis handeln, sollte die NOGGO-Studie klären helfen. Alle Teilnehmerinnen hatten post operationem eine platinhaltige Primärtherapie bekommen. Nach Randomisierung in drei Arme erhielten sie entweder Topotecan allein, Topotecan plus Etoposid oder Topotecan plus Gemcitabin.

Topotecan-Monotherapie am besten wirksam und verträglich
Die Auswertung der Phase-III-Studie überraschte und erbrachte jetzt den definiten Beweis, dass beim Frührezidiv mit einem platinfreien Intervall unter zwölf Monaten die Überlebenszeit durch eine Kombinationsbehandlung im Vergleich zur Standard-Monotherapie keineswegs verlängert wird. Das Gesamtüberleben erreichte in den drei Gruppen 17,8, 17,8 und 15,3 Monate. Und daraus resultiert keine signifikante Differenz. Angesichts dieser klaren Daten riet Sehouli dringend davon ab, weiterhin die Kombinationstherapie zu betreiben. Die beste Wirksamkeit und Verträglichkeit entfaltet die Topotecan-Monotherapie mit 1,25 mg/m2 (d1-5q21d).

Alle Patientinnen mit rezidivierendem Ovarialkarzinom können jetzt ab der dritten Therapielinie in die NOGGO-Präferenzstudie eingeschlossen werden, sofern sie mindestens 70 Jahre alt sind. In dieser prospektiven Erhebung werden die Frauen dahingehend interviewt, ob sie der oralen oder der parenteralen Applikation von Treosulfan den Vorzug geben. Zudem werden Wirksamkeit, Verträglichkeit und Compliance untersucht.

In einer Studie mit 44 Frauen, die ein Rezidiv eines platinsensitiven Ovarialkarzinoms hatten, bewirkte die Therapie mit Bevacizumab eine partielle Ansprechrate von 16%. Ferner ließ sich dank der Monotherapie die Erkrankung in 25% der Fälle stabilisieren. Allerdings kam es fünfmal zu einer Darmperforation, die einmal letal endete. Als prädisponierende Faktoren diskutiert werden Tumorbefall von Dünn- und Dickdarm sowie Ileussymptome. – Geplant ist eine First-Line-Studie, die den Nutzen von Bevacizumab (Avastin®) in Kombination mit dem Standard Paclitaxel plus Carboplatin in der adjuvanten Situation analysiert.

kbf

Quelle: Post-ASCO-Pressegespräch, Berlin, 28. Juni 2006


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