Samstag, 31. Oktober 2020
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

17. März 2005 Fortschritte in der Therapie des Ovarialkarzinoms durch Einhalten von Standards

Die Prognose von Patientinnen mit Ovarialkarzinom hat sich in den letzten Jahren für alle Stadien verbessert, was im Wesentlichen auf eine Zunahme der Operationsradikalität und damit der optimalen Zytoreduktion zurückgeführt werden kann. Eine bedeutende Rolle spielt auch die systemische Therapie, in der Platin nach wie vor die wichtigste Substanz in der Primärtherapie darstellt und in Kombination mit einem Taxan für die Patientinnen einen Überlebenszeitgewinn bringt.
Anzeige:
Xospata
 
Für Frauen mit Ovarialkarzinom ist die Größe des Tumorrests der wichtigste Prognosefaktor. Dies gilt ausnahmslos für alle Stadien, denn die makroskopische Tumorfreiheit schafft die besten Voraussetzungen für die Wirksamkeit der Zytostatika. Ein Tumorrest < 1 cm ist dabei als der „kritische Rest“ einzustufen, bei dem eine Chemotherapie greift, erläuterte Prof. Barbara Schmalfeldt, München, während eines Fortbildungsseminars*. Dieser kritische Rest kann in spezialisierten Zentren in rund 70% aller Fälle erreicht werden, wenn nach Standard operiert wird, wie eine Auswertung eigener Daten von 79 Patientinnen gezeigt hat. Die Realität in Deutschland sieht leider anders aus, wie eine Auswertung der AGO im Jahr 2001 ergab: In nicht-universitären Einrichtungen werden weniger als 50% der Ovarialkarzinompatientinnen optimal, d.h. mit postoperativem Tumorrest < 1cm, operiert. Sie verfehlten damit das Qualitätsziel der operativen Therapie.
Der operative Standard beim Ovarialkarzinom ist gut definiert. Obligat ist der Längsschnitt zur systematischen Inspektion der gesamten Peritonealhöhle, sowie die Hysterektomie und beidseitige Adnektomie und das infragastrische Absetzen des Omentum majus. Meist ist auch eine Peritonektomie notwendig sowie bei fortgeschrittenen Ovarialkarzinomen in 40% eine Darmresektion. Da das Ovarialkarzinom auf dem Peritoneum oberflächlich und nicht in die Tiefe wächst, können durch eine Peritonektomie häufig auch Patientinnen, die erst als inoperabel eingestuft wurden, noch optimal operiert werden.
Eine Lymphonodektomie ist Bestandteil des Stagings. Da sich Lymphknotenmetastasen am häufigsten paraaotal zwischen Nierenvene und Abgang der A. mesenterica inferior befinden, ist eine pelvine und paraaortale Lymphadenektomie obligat, sagte Schmalfeldt. Eine therapeutische Bedeutung konnte der Lymphadenektomie aufgrund der bisher vorliegenden Daten noch nicht zugewiesen werden, allerdings erscheint sie sinnvoll bei Patientinnen, die mit Tumorrest < 1 cm operiert werden können. Von zusätzlichen Eingriffen wie z.B. Cholezystektomie, Splenektomie, Pankreasteilresektion oder Deperitonisierung des Zwerchfells, profitieren nur Patientinnen, die makroskopisch tumorfrei operiert werden können, da diese Eingriffe die Morbidität stark erhöhen.
Welche Rolle die neoadjuvante Chemotherapie für Patientinnen in fortgeschrittenen Stadien spielen könnte, wird zur Zeit in einer EORTC-Studie geprüft, deren Ergebnisse in ca. 2 Jahren vorliegen werden. Laut Schmalfeldt erscheint eine neoadjuvante Chemotherapie sinnvoll bei Patientinnen, bei denen absehbar ist, dass sie nicht tumorfrei zu operieren sind.

Systemische Therapie
Die wichtigste Substanz in der systemischen Therapie ist Platin, betonte Dr. Sonia Sinz, München. Standard in der primären Chemotherapie ist die Kombination Carboplatin/Paclitaxel, die dort das beste Wirkungs/Nebenwirkungs-Profil aufweist.
Die Hinzunahme einer 3. Substanz hat keine zusätzliche Wirkung gezeigt. In der AGO-Ovar-5-Studie führte Epirubicin in Kombination mit dem Standard lediglich zu mehr Toxizität. Daten zur Kombination Carboplatin/Paclitaxel/Topotecan, die derzeit in der AGO-GINECO-Studie Ovar 7 geprüft wird, liegen noch nicht vor.
Eine Rationale für eine längere Erhaltungstherapie mit Paclitaxel lieferte die Studie der Southwest Oncology Group SWOG S9701, eine Phase-III-Studie mit Patientinnen in fortgeschrittenen Stadien (FIGO IIIa-IV), in der die Wirksamkeit einer 3-monatigen vs. einer 12-monatigen Therapie mit Paclitaxel bzgl. progressionsfreies Überleben und Gesamtüberleben geprüft wurde. Die Studie wurde vom Data and Safety Comittee nach Rekrutierung von 277 Patientinnen vorzeitig abgebrochen, da während der 12-monatigen Behandlung mit Paclitaxel weniger Rezidive aufgetreten waren. Es gibt bis jetzt aber noch keine Überlebensdaten. Nach dem Stop der Chemotherapie ist allerdings in beiden Gruppen die Rezidivrate angestiegen, so dass sich die Frage stellt, ob die 12-monatige Erhaltungstherapie, unter der mehr Toxizitäten auftreten, das Auftreten der Rezidive unterdrückt.
Patientinnen mit einem frühen Ovarialkarzinom, Stadium Ia/b G1, profitieren nicht von einer Chemotherapie, für sie wird keine adjuvante Therapie empfohlen. Patientinnen mit Frühkarzinom aus der High-Risk-Gruppe (Ia/b G > 1) profitieren hingegen, empfohlen wird eine Monotherapie mit Carboplatin (AUC 5) oder Cisplatin. Daten zu Kombinationstherapien liegen für diese Gruppe nicht vor.
Die Mehrzahl der Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom erleidet ein Rezidiv. Im Mittelpunkt stehen dann Symptomkontrolle, die Lebensqualität und die Verbesserung des progressionsfreien Überlebens. Bei Progression unter einer platinhaltiger Kombinationstherapie oder Frührezidiv (Progression < 6 Monate nach Platin) ist für Taxan-naive Patientinnen eine Monotherapie mit Paclitaxel, Topotecan oder pegyliertem liposomalen Doxorubicin gleichwertig. Damit lassen sich Remissionsraten um 20% erreichen. Bei Taxan-vorbehandelten Patientinnen empfiehlt die Organkommission Ovar der AGO pegyliertes liposomales Doxorubicin und Topotecan als gleichwertig. Eine Kombinationstherapie bietet keine Vorteile, sagte Sinz, und die Monotherapie sollte nach der Verträglichkeit ausgewählt werden. Beim Spätrezidiv (Progression > 6 Monate nach Platin) ist hingegen eine platinhaltige Kombinationstherapie gefordert, da durch Wiederholung der primären Kombinationstherapie (Carboplatin/Paclitaxel) Hoffnung auf eine Vollremission besteht. Eine Alternative bietet die Kombination Carboplatin / Gemcitabin, vor allem, wenn die Patientin auf gar keinen Fall mehr einen kompletten Haarausfall in Kauf nehmen will. In einer ausgesprochenen palliativen Situation sind auch endokrine Therapien, z.B. mit Tamoxifen, eine Option.
Als einen wesentlichen Fortschritt in der Rezidivdiagnostik des Ovarialkarzinoms bezeichnete Schmalfeldt das PET-CT. Bei der Rezidivsuche ist es der konventionellen Diagnostik überlegen und könne so Patientinnen in fortgeschrittenen Stadien unnötige Operationen ersparen.

Molekularbiologische Ansätze
Als effektiv in der Aszites-Therapie des rezidivierten Ovarialkarzinoms hat sich der trifunktionelle, bispezifische Antikörper Removab erwiesen. Wie Sinz berichtete, kommt es nach intraperitonealer Gabe von Removab zur Abnahme des Aszites, zur Tumorzellreduktion und zur Verbesserung der Lebensqualität. In der Studie AGO-Ovar 2.10, eine randomisierte, multizentrische, offene Phase IIa-Studie, wird die Wirksamkeit von Removab an Patientinnen mit platinresistenem epithelialem Ovarialkarzinom in 2 Dosisstufen getestet. Weitere molekularbiologische Ansätze in der Therapie des Ovarialkarzinoms, die Sinz vorstellte, sind die Hemmung der Tyrosinkinaseaktivität des EGF-Rezeptors mit Gefitinib oder Erlotinib oder die Inhibition der Proteasen (z.B. mit WX-UK1). Zu weiteren tumorbiologischen Therapieansätzen, die derzeit beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom geprüft werden, zählen Inhibitoren der Angiogenese, Resistenzmodulatoren und gentherapeutische Ansätze.
*Fortbildungsseminar Ovarialkarzinom, Klinikum rechts der Isar, München, 2. Februar 2005.

as


Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Fortschritte in der Therapie des Ovarialkarzinoms durch Einhalten von Standards"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib