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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. Dezember 2018 Fortgeschrittenes nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom (NSCLC): „Wir setzen Bevacizumab breit ein“

Interview mit Dr. med. Nicolas J. Dickgreber, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Thoraxonkologie und Beatmungsmedizin am Klinikum Rheine, Mathias-Spital.

Seit der Zulassung vor rund 13 Jahren hat Bevacizumab (Avastin®) die Therapieoptionen in der Onkologie maßgeblich erweitert: Die Erfahrungen aus 6 zugelassenen Indikationen (1) mit mehr als 3 Mio. (2) behandelten Patienten zeigen, dass der VEGF-Antikörper eine wirksame und gut verträgliche Therapie in Kombination mit Chemotherapie darstellt, ein zuverlässiges Ansprechen gewährleistet und die Prognose der Patienten signifikant verbessern kann. Auch beim fortgeschrittenen NSCLC hat sich Bevacizumab seit der Zulassung 2007 als Standardoption der First-Line-Therapie fest etabliert.
Dickgreber
Welchen Stellenwert besitzt Bevacizumab in der onkologischen Therapie?

Bevacizumab ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil in der Therapie des metastasierten Lungenkarzinoms. Seit der Zulassung zur NSCLC-Behandlung konnte in verschiedenen Studien, z.B. AVAiL, gezeigt werden, dass die Hinzunahme von Bevacizumab zur Chemotherapie mit einer deutlichen Wirkverbesserung einhergeht. Damit ist die Kombination aus Chemotherapie und Bevacizumab für einen nicht unerheblichen Teil der Patienten mit nicht-plattenepithelialen NSCLC ohne Treibermutation eine der wirksamsten First-Line-Therapien.


Welchen Vorteil bringt die Behandlung mit Bevacizumab für Patienten?

Ein großer Vorteil von Bevacizumab ist, dass durch die Hinzunahme des Antikörpers das Ansprechen deutlich verbessert wird. So zeigen die Ergebnisse der Sandler-Studie, dass der Zusatz von Bevacizumab mit einer Verdopplung der Ansprechraten einhergeht (5). Dass so das Tumorwachstum zusätzlich gebremst wird, ist beispielsweise für Patienten mit hohem Remissionsdruck besonders entscheidend. Zudem ist auch der stabilisierende Effekt von Bevacizumab als Erhaltungs-Monotherapie sehr gut. Durch die kombinierte Induktionstherapie wird ein hoher Patientenanteil so stabilisiert, dass eine Erhaltungstherapie mit Bevacizumab allein möglich ist. Das bedeutet wiederum weniger Belastung für die Patienten (5).

NSCLC-Patienten mit einer EGFR-Mutation können mit Bevacizumab in Kombination mit Erlotinib behandelt werden. Die Studiendaten zeigen, dass auch unter dieser Kombination aus VEGF-Antikörper und Tyrosinkinaseinhibitor das Ansprechen und das mediane PFS deutlich verbessert sind.

Des Weiteren wurde jüngst gezeigt, dass VEGF immunmodulatorische Eigenschaften aufweist, die den Tumor vor dem körpereigenen Immunsystem schützen – auch hier greift Bevacizumab ein (3, 4).


Welche NSCLC-Patienten profitieren besonders von Bevacizumab?

Auf der einen Seite profitieren – und das zeigen sowohl die Studiendaten als auch eigene Erfahrungen – besonders Patienten mit einem sehr hohen, durch ein schnelles Tumorwachstum bedingten Behandlungsdruck von einer Therapie mit Bevacizumab. Diese Tumoren scheinen eine deutlich größere Abhängigkeit vom VEGF-Signalweg und damit letztlich vom Gefäßwachstum zu haben. Durch die Anti-VEGF-Therapie mit dem Antikörper wird diese Angiogenese unterbrochen, das Tumormikromilieu verändert und somit das Ansprechen erhöht. Auf der anderen Seite deuten Subgruppendaten darauf hin, dass Patienten mit Lebermetastasen einen besonderen Nutzen von Bevacizumab haben (5). Diese Aspekte sollten bei der Therapieauswahl mitentscheidend sein. Auch wenn wir Bevacizumab bei unseren NSCLC-Patienten breit einsetzen, sollten wir gerade bei Patienten mit Lebermetastasen oder mit hohem Behandlungsdruck bevorzugt an diese Therapieoption denken.


Wie schätzen Sie die Rolle von Bevacizumab in Zukunft ein?

Bevacizumab ist aus der Therapielandschaft des NSCLC nicht wegzudenken. Der VEGF-Inhibitor hat aus meiner Sicht in den letzten Jahren sogar an Bedeutung gewonnen. Auch weil Alternativregime – wie beispielsweise bei Patienten mit Lebermetastasen – nicht immer äquivalent effektiv sind.

Neuere Daten untersuchen, ob bei Tumoren, die bislang nicht ausreichend auf Krebsimmuntherapien ansprachen, durch die zusätzliche Anti-VEGF-Therapie das Ansprechen verbessert werden kann. Dadurch ließe sich das bisherige Einsatzgebiet auf die Kombination mit dem Ansatz der Checkpoint-Inhibition ausweiten.

Und letztlich benötigt auch das Gros der Patienten mit Treibermutation im Anschluss an die TKI-Therapie eine Chemotherapie. Bei nicht-plattenepithelialen Patienten bleibt dafür die klassische Kombination aus Chemotherapie und Bevacizumab eine der wirksamsten Optionen.


Vielen Dank für das Gespräch!


Mit freundlicher Unterstützung der Roche Pharma AG

Berit Abel

Literatur:

(1) Fachinformation Avastin®; Stand: März 2018.
(2) PBRER Periodic Benefit-Risk Evaluation Report, Februar 2018, Roche data on file.
(3) Wallin JJ et al. Nat Commun 2016;7:12624.
(4) Motz GT et al. Nat Med 2014;20:607-615.
(5) Sandler A et al. N Engl J Med 2006;355:2542-2550.


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