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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

09. Juli 2006 Fortgeschrittenes kolorektales Karzinom: Angiogenesehemmer verlängert das Überleben

Einen deutlichen Fortschritt bei der Behandlung des fortgeschrittenen kolorektalen Karzinoms bietet der Angiogenesehemmer Bevacizumab. In Kombination mit der Standard-Chemotherapie verlängert er das Überleben der Patienten um 5 Monate, was einer Steigerung von 30% gleichkommt.
Bevacizumab bindet an VEGF (Vascular endothelial growth factor) einen Wachstumsfaktor, der von den Tumorzellen gebildet und an die Umgebung abgegeben wird, wo er die Neoangiogenese triggert. Über diesen Weg sorgt der Tumor für seine Gefäßversorgung und auch bei der Metastasierung spielt die Neoangiogenese eine zentrale Rolle.
„Wir kennen inzwischen verschiedene VEGF-Subtypen, die aber alle durch Bevacizumab gehemmt werden“, erklärte Dr. Herbert Hurwitz aus Durham/North Carolina, USA. Als bislang einziger Wirkstoff bindet Bevacizumab dabei nicht an den Rezeptor, sondern an den Liganden und unterbindet damit auch das „Down-Stream Signalling“, also die Signalübertragung in die Zelle, die letztlich die Gefäßneubildung vermittelt. „Es handelt sich somit um den einzigen echten Angiogenesehemmer“, betonte Hurwitz in Berlin.
Welche klinischen Effekte von der Angiogenesehemmung zu erwarten sind, wurde nach Hurwitz in einer Phase-III-Studie bei 815 Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom geprüft. 403 der Studienteilnehmer erhielten den Antikörper zusätzlich zu einer Chemotherapie mit 5-FU/FS/Irinotecan in einer Dosierung von 5 mg/kg alle 2 Wochen. Die 412 übrigen Patienten wurden mit der gleichen Chemotherapie sowie mit Placebo behandelt. „Primärer Endpunkt der Studie war die Überlebensdauer“, so Hurwitz.
Die Kombinationsbehandlung mit Bevacizumab hatte bei den behandelten Patienten einen deutlichen Überlebensvorteil zur Folge. Die Überlebenskurven trennten sich schon früh voneinander und es resultierte eine signifikant längere mediane Überlebenszeit in der Verumgruppe. Konkret wurde das mittlere Überleben durch die zusätzliche Antikörpergabe von 15,6 auf 20,3 Monate verlängert. „Das bedeutet eine Steigerung von etwa 30%“, betonte Hurwitz. Gleichzeitig wurde das progressionsfreie Überleben um 4,4 Monate verlängert, auch dies ist nach Hurwitz ein relevanter Vorteil für die Patienten. Die Ansprechrate lag mit 44,8% höher als unter Placebo plus Chemotherapie (34,8%) und auch die Responsedauer war mit 10,4 Monaten länger als unter Placebo (7,1 Monate)
Bevacizumab wurde nach Angaben des Onkologen gut vertragen, der Antikörper erwies sich als wenig toxisch, die Nebenwirkungen waren kaum höher als unter alleiniger Chemotherapie. „Vor allem Übelkeit, Durchfälle und eine Leukopenie traten nicht häufiger auf als unter der alleinigen Chemotherapie“, sagte Hurwitz.
Bevacizumab (Avastin®) ist in den USA schon seit Feburar 2004 (in Europa seit Januar 2005) im Handel ist und wird regelmäßig eingesetzt. „Unsere ganze Einstellung zum kolorektalen Karzinom hat sich dadurch geändert“, erklärte Dr. Axel Grothey aus Rochester / USA. Schon die Weiterentwicklung der Standard-Chemotherapie hat nach seinen Worten Patienten mit fortgeschrittenem kolorektalem Karzinom Überlebensvorteile gesichert, die nunmehr durch den Angiogenesehemmer noch deutlich verbessert werden. Metaanalysen zufolge ist dabei ein Überleben von 25 Monaten durchaus realistisch. Dazu Grothey: „Das zeigt die Potenz, die in dieser Substanz steckt“. Es geht deshalb nach seinen Worten längst nicht mehr um die Frage, wer Bevacizumab erhalten sollte, sondern eher darum, wer diese Therapie nicht bekommen sollte.

Symposium „Angiogenese-Hemmung mit Bevacizumab (Avastin®) : Zielgerichtete Therapie beim metastasierten kolorektalen Karzinom“ am 24. März 2006 beim 27. Deutschen Krebskongress in Berlin, Veranstalter: Hoffmann-La Roche

CV

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