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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

11. September 2009 Fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom: Zulassung für Everolimus nach Therapie mit einem Tyrosinkinase-Inhibitor

Die Europäische Kommission hat den oral verfügbaren mTOR-Inhibitor Everolimus (Afinitor®) zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom, bei denen es während oder nach einer gegen VEGF gerichteten Therapie zu einer Krankheitsprogression kommt, zugelassen. Die Ergebnisse der internationalen, plazebokontrollierten Phase-III-Studie RECORD-1 waren die Basis für die Entscheidung der Europäischen Kommission: Everolimus verlängerte das mediane progressionsfreie Überleben im Vergleich zu Plazebo signifikant um mehr als das Doppelte (von 1,9 Monate auf 4,9 Monate; p<0,001). Zugleich reduziert Everolimus signifikant das Risiko von Krankheitsprogression oder Tod um 67% (p<0,001). JOURNAL ONKOLOGIE sprach mit Prof. Dr. Kurt Miller, dem Direktor der Urologischen Klinik der Charité-Universitätsmedizin Berlin.
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Prof. Dr. Kurt Miller,
Charité Berlin

Herr Professor Miller, wie reiht sich Everolimus in die Therapiemöglichkeiten des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms ein?

Miller: Everolimus ist bisher die einzige Substanz, die ihre Wirksamkeit in einer Phase-III-Studie nach Therapie mit einem Tyrosinkinase-Inhibitor gezeigt hat und folgt auf einen Tyrosinkinase-Inhibitor wie Sorafenib oder Sunitinib, die vermehrt in der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms eingesetzt werden.


Könnte man sich von Everolimus auch einen Vorteil in der Erstlinientherapie versprechen?

Miller: Eine Studie prüft derzeit die Kombination von Everolimus mit Bevacizumab in der Erstlinie. Da beide Substanzen unterschiedliche Wirkmechanismen aufweisen, ist diese Kombination sinnvoll und könnte das Therapie-Ansprechen verbessern.


Ist die Kombinationstherapie der Weg in die Zukunft?

Miller: Kombinationen können sinnvoll sein, aber wenn mehrere Substanzen kombiniert werden, treten auch zusätzliche, unerwartete Nebenwirkungen auf. Eine andere Therapieoption beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom ist die sequenzielle Therapie. Untersucht wird unter anderem zur Zeit die Sequenz Sunitinib-Sorafenib.


Welche Rolle spielt heute noch das Interferon in der Therapie des Nierenzellkarzinoms?

Miller: Es gibt eine Subgruppe von Patienten, die auf Interferon Langzeitremissionen zeigen, so dass etwa 10 -15% der behandelnden Ärzte bei bestimmten Patienten noch Zytokine einsetzen. Grundsätzlich handelt es sich hier um Patienten mit einer guten Prognose. Welche Patienten auf Zytokine mit einer Langzeitremission reagieren, lässt sich leider nicht vorhersagen. Auch mit Sunitinib gibt es in Einzelfällen Langzeitremissionen, doch auch hier lässt sich im Vorfeld nicht abschätzen, welche Patienten dazu zählen.


Wie beurteilen Sie die Verträglichkeit der neuen Substanzen zur Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms?

Miller: In der Verträglichkeit der Tyrosinkinase-Inhibitoren Sunitinib und Sorafenib gibt es keine großen Unterschiede. Bei der Behandlung mit Bevacizumab in Kombination mit Interferon ist zu berücksichtigen, dass das Interferon per se schon Nebenwirkungen verursacht. Die mTOR-Inhibitoren werden generell als nebenwirkungsärmer eingeschätzt. In der Zulassungsstudie hatte der oral verfügbar mTOR-Inhibitor Everolimus ein günstiges Nebenwirkungsprofil. Nebenwirkungen verlaufen meist mild bis moderat und sind gut therapierbar.


Wie unterscheidet sich Everolimus von dem anderen zur Therapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms zugelassenen mTOR-Inhibitor Temsirolimus?

Miller: Everolimus ist eine oral verfügbare Substanz, Temsirolimus wird als Infusion verabreicht. Außerdem konnte Temsirolimus nur bei Patienten mit schlechter Prognose bisher einen Vorteil zeigen. Nur Everolimus wird von den europäischen Leiliniengremien der EAU und der EORTC-GU als medikamentöse Standardtherapie beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom nach Behandlung mit einem Tyrosinkinase-Inhibitor mit höchstem Evidenzlevel empfohlen. Auch in den amerikanischen Guidelines des NCCN für das fortgeschrittene Nierenzellkarzinom wird Everolimus mit einer Kategorie-1-Empfehlung aufgeführt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Quelle:


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