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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. Mai 2008 Eskalationstherapie mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan bei NHL: Hochdosiskonzepte bei älteren Patienten

Die Wirksamkeit von myeloablativen Hochdosis-Chemotherapieregimen wie BEAM bei B-Zelllymphomen ist hoch, so Prof. Alessandro Gianni, Mailand. Allerdings sind diese Therapien sehr toxisch und ihre Anwendung ist limitiert, weil eine dreiwöchige stationäre Aufnahme in einem spezialisierten Zentrum erforderlich ist und die Patienten nicht über 60, allerhöchstens 65 Jahre alt sein dürfen und überdies in einem ausgezeichneten Allgemeinzustand sein müssen. Da das mediane Alter bei Diagnose eines NHL bei 67 Jahren liegt, ist somit bei mehr als der Hälfte der Patienten eine solche Therapie nicht mehr möglich.
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Auch die mittlerweile zum Standard gewordene Therapie mit Rituximab und CHOP (R-CHOP) ist bei über 60-jährigen Hochrisikopatienten mit DLBCL (IPI ≥ 2) nur mit einer langfristigen Überlebensrate von höchstens 45% assoziiert. Es ist daher eine besondere Herausforderung, so Gianni, gerade für diese älteren Patienten mit DLBCL neue, wirksamere und besser verträgliche Regime zu entwickeln. Die Radioimmuntherapie mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan hat auch in myeloablativer Dosierung hohe Wirksamkeit und ausgezeichnete Verträglichkeit gezeigt und bot sich deshalb zur Erprobung in dieser Situation an: 30 Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem NHL in einer von Gianni durchgeführten Pilotstudie mussten grundsätzlich für konventionelle Kombinationschemotherapien geeignet sein, und es mussten bei ihnen mindestens 6,5 x 106/kg KG CD34-positive Zellen mobilisierbar sein. Das mediane Alter lag bei 62 Jahren (es waren in dieser Studie auch jüngere Patienten zugelassen), je etwa die Hälfte der Erkrankungen war aggressiv bzw. indolent.
17 Patienten konnten die myeloablative Dosis von 44 MBq/kg KG (1,2 mCi/kg KG) des Radioantikörpers erhalten, die übrigen bekamen 30 MBq/kg KG (0,8 mCi/kg KG). Die Stammzellen wurden aufgeteilt und in 3 Fraktionen (eine nach R-AraC, eine 7 Tage nach der Radioimmuntherapie und die größte Portion 14 Tage danach) gegeben. Dadurch wurde ein zu starker Abfall der Neutrophilen verhindert, und eine relative Neutropenie auf etwa 2 Wochen begrenzt. Nur jeweils etwa die Hälfte der Patienten benötigte Erythrozyten- oder Thrombozyten-Transfusionen, und Infektionen, und febrile Neutropenien vom Grad 3 traten lediglich bei 5 Patienten auf; 3 von diesen mussten stationär behandelt werden. Es wurde keine zusätzliche nicht-hämatologische Toxizität be-obachtet. Hochdosiertes 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan erwies sich damit als vollständig ambulant durchführbares myelo-ablatives Therapieregime, so Gianni. Die Wirksamkeit war sekundärer Endpunkt: Nach median 30 Monaten lag die Überlebensrate bei den aggressiven Lymphomen bei etwa 80%, bei den indolenten Erkrankungen bei über 90%.
Um die Rolle von 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan als initiale Therapie von CD20-positiven Lymphomen zu etablieren, hat die GITIL (Gruppo Italiano Terapie Innovative nei Linfomi) kürzlich eine randomisierte Studie begonnen, die diesen Ansatz bei über 65-jährigen Patienten mit Hochrisiko-DLBCL untersuchen soll: Die rund 110 Patienten werden randomisiert, um entweder 6-8 Zyklen R-CHOP-14 zu erhalten oder diese Immunchemotherapie auf 3 Zyklen zu beschränken, daran eine Konsolidierung mit Rituximab plus Cyclophosphamid sowie Cytarabin und schließlich die Radioimmuntherapie mit 44 MBq/kg KG (1,2 mCi/kg KG) 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan anzuschließen. Bei Bedarf kann R-CHOP statt im zweiwöchigen im drei- oder vierwöchigen Abstand gegeben und die Dosierungen der übrigen Medikamente reduziert werden (90Y-Ibritumomab-Tiuxetan auf 30 MBq/kg KG (0,8 mCi/kg KG)).

Josef Gulden

Quelle: Satellitensymposium „Painting a brighter future. Improving clinical outcomes in transplant patients with NHL and CLL“ im Rahmen des 34th Annual Meeting of the European Group for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) am 30. März 2008 in Florenz, unterstützt von Bayer Vital GmbH


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