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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

30. Oktober 2017
Seite 1/5
Ernährungstherapie bei Magen- und Pankreaskarzinom

I. Rötzer, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Heidelberg.

Mangelernährung hat bei Pankreastumoren sowie Tumoren des Magens bzw. des ösophagogastralen Übergangs (AEG) durch alle Behandlungsphasen eine hohe Inzidenz und stellt im klinischen Alltag eine große Herausforderung dar. Der Ernährungszustand hat Einfluss auf das Behandlungsergebnis und die Lebensqualität der Betroffenen und sollte von der Diagnosestellung bis hin zur Nachsorge regelmäßig über ein validiertes Screening-Tool erfasst werden. Bei vorhandenen Ernährungsproblemen oder einem erhöhten Risiko für eine Mangelernährung sollte die Vorstellung bei einem multidisziplinären Ernährungsteam erfolgen. Die Festlegung der Ernährungstherapie erfolgt in einem weiterführenden Assessment und kann von der Adaption des Ernährungsverhaltens bis hin zur künstlichen Ernährung reichen.
Für beide Tumorentitäten, Pankreas- und Magenkarzinom, zeigen Studien, dass bei einer Vielzahl (70-85%) der Betroffenen vor Diagnosestellung ein z.T. klinisch relevanter Gewichtsverlust vorliegt. Der Gewichtsverlust ist unabhängig von der Krankheitsschwere prognostisch relevant (Abb. 1) (1-6). Bachmann et al. konnten in ihrer Arbeit zeigen, dass bei Patienten mit Pankreaskarzinom ein Gewichtsverlust von > 10% bei Diagnosestellung mit einer signifikant schlechteren Prognose einhergeht. Das zeigt sich in häufigeren unerwünschten Wirkungen der Therapie, einem reduzierten Ansprechen auf die antitumorale Therapie, eingeschränkter Leistungsfähigkeit und Lebensqualität sowie einer verkürzten Lebenszeit (Abb. 2).
 
Abb. 1: Gradierungsschema (Grad 0 bis 4) zur Vorhersage des Gesamtüberlebens bei Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung, basierend auf BMI-Gruppierung und Gewichtsverlust (0=beste, 4=schlechteste Prognose) (p<0,001; adjustiert für Alter, Geschlecht, Lokalisierung der Erkrankung, Stadium und Performance-Status, mod. nach (1)).
Abb. 1: Gradierungsschema (Grad 0 bis 4) zur Vorhersage des Gesamtüberlebens bei Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung.


Der Bedeutung eines guten oder schlechten Ernährungsstatus für das Behandlungsergebnis sollte vor allem Therapie-begleitend für beide Tumor-entitäten im Behandlungskonzept Rechnung getragen werden. Wichtigstes ernährungstherapeutisches Ziel ist die Behandlung bzw. das Vermeiden von Ernährungsdefiziten (2, 6, 7).

Für einen frühzeitigen und zielgerichteten Behandlungsansatz ist es wichtig, dass die ernährungstherapeutische Maßnahme in das onkologische Behandlungskonzept integriert ist. Angebote von der klassischen Ernährungsberatung, Adaption des Ernährungsverhaltens an die veränderte Situation bis hin zur künstlichen Ernährung wie enterale oder parenterale Ernährung können zum Einsatz kommen. In die Entscheidungsfindung sollte die Auswirkung der Mangelernährung auf zukünftige belastende Therapien und Lebensqualität sowie die Krankheitssituation mit einfließen (2, 8).
 
Abb. 2: Kaplan-Meier-Überlebenskurve bei Patienten mit Pankreaskarzinom mit/ohne Kachexie (n=242) (mod. nach (7)).
Abb. 2: Kaplan-Meier-Überlebenskurve bei Patienten mit Pankreaskarzinom mit/ohne Kachexie (n=242) (mod. nach (7)).
 
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