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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. Januar 2004 „Entscheidende Qualtiätskriterien sind die Anzahl durchgeführter Operationen, das Operationsteam und das entsprechende Umfeld“

Interview mit Jürgen Kleeberg, Vorsitzender des Arbeitskreises der Pankreatektomierten e.V. (AdP)

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Interview mit Jürgen Kleeberg, Vorsitzender des Arbeitskreises der Pankreatektomierten e.V. (AdP)
„Entscheidende Qualtiätskriterien sind die Anzahl durchgeführter
Operationen, das Operationsteam und das entsprechende Umfeld“

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Herr Kleeberg, würden Sie bitte die Ziele bzw. Aktivitäten des AdP beschreiben?

Der Schwerpunkt liegt auf Beratung und Unterstützung. Der Verein vermittelt Patienten, die an Pankreastumoren erkrankt sind an Zentren, die auf diesem Gebiet große Erfahrung haben, damit sie die best mögliche Behandlung erhalten. Dabei hilft der wissenschaftliche Beirat des Vereins. Zu den Zentren mit großer Erfahrung zählen beispielsweise die Universitätsklinik Heidelberg, das Virchow Klinikum in Berlin, die Uniklinik in Mannheim, und das Universitätsklinikum Leipzig und das Rotkreuz Krankenhaus in Mündchen. Ganz besonders hilft der Verein bei der Bewältigung postoperative Probleme Pankreatektomierter. Ein Riesenproblem ist zum Beispiel die Ernährung.
Wir bemühen uns auch ein Netz aufzubauen, damit wir den Patienten sagen können, wo sie sich in ihrer Region optimal behandeln lassen können. Da gibt es nicht all zu viele Möglichkeiten. Viele Ärzte sehen im Lauf ihrer Praxistätigkeit vielleicht zwei Pankreasfälle und sind nicht in der Lage die optimalen Auskünfte zu erteilen. Wir sind in ständigem Kontakt mit Kliniken und niedergelassenen Ärzten. Außerdem dienen unsere regelmäßigen Treffen, die Teilnahme an Tagungen und Kongressen dazu Erfahrungen zu sammeln, sich über den neuesten Stand zu informieren und Experten kennen zu lernen.

Wo bestehen Probleme bei der Umsetzung ihrer Ziele?

Wir sind nicht in der Lage Pankreaskarzinompatienten in fortgeschrittenen Stadien so zu helfen, wie wir das gerne möchten und könnten.

Woran liegt das, wird die Hilfe nicht in Anspruch genommen? Bestehen Kommunikationsproblem?

Ein Kommunikationsproblem besteht auf jeden Fall, wenn man davon ausgeht, dass in der Bundesrepublik jährlich rund 10.000 Menschen an einem Pankreastumor erkranken und jährlich nur 100 bis 150 Mitglieder zu uns stoßen. Dennoch sind wir in den letzten Jahren sicherlich bekannter geworden durch unsere regelmäßigen Treffen, die Internetpräsens (www.adp-dormagen.de) und die Hinweise auf den Beipackzetteln von Pankreasenzympräparaten. Vor 5 Jahren hatten wir noch 700-800 Mitglieder, jetzt sind es über 1000. Wir könnten und möchten aber noch viel mehr Menschen beraten, doch es wenden sich noch zu wenige an uns. Viele wollen nicht und in einigen Regionen gibt es keine Kontaktstellen – z.B. im Norden von Deutschland (Raum Greifswald, Rostock, Schwerin, Stralsund) wo zwar hervorragende Internisten und Chirurgen tätig sind, wir aber niemanden finden, der das Amt des Kontaktstellenleiters übernehmen würde. Auch im Südosten – z.B. in Passau und Umgebung – haben wir kaum Möglichkeiten über Kontaktstellen Patienten zu erreichen.

Welche Qualitätskriterien sollte ein Zentrum erfüllen?

Ein Qualitätskriterium ist sicherlich die Anzahl der durchgeführten Operationen pro Jahr. Doch die Anzahl allein ist nicht immer entscheidend. Eine hohe Qualität ist auch dann zu erwarten, wenn die Operationen immer von dem gleichen Team durchgeführt werden. Ein solches Team habe ich beispielsweise in Stralsund kennen gelernt. Ein drittes Qualitätskriterium ist das entsprechende Umfeld von der Ernährungsberatung bis hin zur Sozialberatung, die Hinweise gibt, wie man eine Anschlussreha oder einen Behindertenausweis bekommt. Diese drei Dinge sind für uns entscheidend. Der beste Chirurg nützt nichts, wenn anschließend die Diätassistentin Sauerkraut mit Blutwurst serviert.
Nachteilig für die Qualität ist, dass die Pankreasoperationen für den Verwaltungsdirektor einer Klinik sehr lukrativ erscheint. Zwischen 10000 bis 12000 Euro fließen in die Klinikkasse. Mit der Einführung der DRG’s und dem höheren Wettbewerbsdruck unter den Kliniken wird die Situation sicher noch drastischer werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

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