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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

01. Mai 2004 Endokrine Therapie beim Mammakarzinom: Weitere Verbesserungen stellen entscheidende Behandlungsoptionen

Die Therapie des hormonsensitiven Mammakarzinoms konnte sowohl in der metastasierten als auch in der adjuvanten Situation in den letzten Jahren durch den Einsatz der Aromatasehemmer wie Anastrozol wesentlich verbessert werden. Aber die Entwicklung bleibt nicht stehen: Ein völlig neuen Typ von Östrogen-Rezeptor-Antagonist ohne agonistische Wirkung ist Fulvestrant. Diese Substanz bietet ein länger anhaltendes Ansprechen auf die Behandlung und weist im Vergleich zu Aromatasehemmern und Tamoxifen Vorteile bei der Verträglichkeit auf.
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In der Therapie des fortgeschrittenen Mammakarzinoms haben Aromatasehemmer einen hohen Stellenwert erlangt. Im adjuvanten Setting sind sie dabei an die Stelle von Tamoxifen zu treten. Aktuelle Studien beschäftigten sich mit der Wirksamkeit von Anastrozol im neoadjuvanten Setting und mit der Frage, ob eine Umstellung von Tamoxifen auf Anastrozol von Vorteil ist. Interessante Ergebnisse wurden dazu in retrospektiven Analysen zur ATAC-Studie gefunden.
Im Rahmen der neoadjuvanten IMPACT-Studie wurden 330 Patientinnen mit operablem Mammakarzinom randomisiert der Therapie mit Anastrozol, Tamoxifen oder der Kombination beider Substanzen (A+T) zugeordnet. Die klinische Ansprechrate war in allen 3 Therapiegruppen vergleichbar: Anastrozol 37%, Tamoxifen 36%, A+T 39%. Auch die mittels Ultraschall erhobene Ansprechrate zeigte keine signifikanten Unterschiede. Tendenziell war die Kombinationstherapie etwas effektiver als Tamoxifen (28% vs. 20%). Prof. Walter Jonat führte aus, dass nach der neoadjuvanten Therapie in der Anastrozol-Gruppe bei mehr Patientinnen häufiger brusterhaltend operiert werden konnte als unter Tamoxifen bzw. A+T. In der Subgruppe der Mastektomie-Kandidatinnen zeigte sich unter Anastrozol eine tendenziell höhere Responserate als unter Tamoxifen (39% vs. 27%). Jonat folgerte aus diesen Daten, dass Anastrozol auch in der neoadjuvanten Therapie eine interessante Option ist.

ITA-Studie zeigt Überlegenheit der Aromatasehemmer
In der großen italienischen ITA-Studie wurde hinterfragt, ob die Tamoxifen-Therapie nicht auf 2-3 Jahre begrenzt werden soll, um dann auf einen Aromatasehemmer umzustellen. In die Untersuchung wurden 448 Patientinnen eingeschlossen, die nach 2- bis 3-jähriger Tamoxifen-Therapie randomisiert auf Anastrozol umgestellt oder mit Tamoxifen weiter behandelt wurden. Nach einer medianen Beobachtungsdauer von 36 Monaten war es in der Tamoxifen-Gruppe zu 45 Ereignissen gekommen, in der Anastrozol-Gruppe nur zu 17 Ereignissen. Die Inzidenz lokoregionaler Rezidive wurde durch Anastrozol ebenso gesenkt wie das Risiko für Fernmetastasen und Zweitmalignome. Dies untermauert die Überlegenheit von Anastrozol gegenüber Tamoxifen nach ATAC in einer weiteren adjuvanten Studie. 0

Östrogenrezeptor-Downregulation bietet neue Therapieoption
Über längere Zeiträume können Tumorzellen eine Resistenz gegen Tamoxifen und Aromatasehemmer entwickeln; daraus ergibt sich der Bedarf nach neuen Arzneimitteln, so Prof. Kurt Possinger, Berlin. „Schreitet bei postmenopausalen Frauen der Tumor trotz einer früheren Antiöstrogenbehandlung weiter fort, so gibt es nun mit Fulvestrant eine weitere therapeutische Option.“ Die Wirkung von Fulvestrant (Faslodex®) basiert auf der Blockade und dem Ausschalten der Östrogenrezeptoren in den Zellen des Mammakarzinoms. Fulvestrant ahmt daher nicht, wie dies bei Tamoxifen der Fall ist, die Wirkung von Östrogen nach. Die Substanz wird alle 4 Wochen i.m. injiziert und verringert die Zahl der Östrogenrezeptoren auf der Zelloberfläche. Wegen des unterschiedlichen Wirkmechanismus besitzt die neue Substanz keine Kreuzresistenz mit Tamoxifen oder Aromatasehemmern und bietet eine zusätzliche endokrine Behandlungsoption, so Possinger weiter. Zu Fulvestrant liegen die Daten von 2 multizentrischen, randomisierten Phase-III-Studien vor, die nachweisen, dass die 1x monatliche intramuskuläre Injektion von 250 mg Fulvestrant mindestens so effektiv ist wie die tägliche Gabe von 1mg des Aromatasehemmers Anastrozol. Possinger: „Bei Versagen einer Tamoxifen-Therapie steht uns jetzt eine weitere überaus effektive und verträgliche Therapie zur Verfügung. Das erweitert unseren Spielraum erheblich.“

Bettina Reich

Quelle: Pressekonferenz AstraZeneca „Erfolgreiche Lösungen in der Onkologie“ im Rahmen des Deutschen Krebskongresses in Berlin, 2004


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