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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

11. September 2009 Editorial: Magenkarzinom

Bei keiner anderen Krebserkrankung haben sich die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten so stark verändert wie beim ösophagogastralen Adenokarzinom. Erst kürzlich wurden bei operablen Patienten mit ösophagogastralen Tumoren in den Stadien I-III nach UICC erhebliche Fortschritte im interdisziplinären Management erzielt. Neben der Etablierung der peri-operativen Chemotherapie haben weitere Entwicklungen wie der Einsatz moderner Stagingverfahren, die Standardisierung des operativen Vorgehens und Fortschritte in der supportiven, post-operativen Ernährungstherapie zu einer spürbaren Verbesserung der Prognose geführt. Ein weiterer Etappensieg in der Therapie metastasierter Stadien folgte im Juni dieses Jahres. Die Ergebnisse der ToGA-Studie, welche auf dem diesjährigen ASCO-Kongress vorgestellt wurden, zeigten, dass die Zugabe des HER2-Antikörpers Trastuzumab zur Standardchemotherapie eine signifikante Verbesserung der medianen Überlebenszeit von 11,1 auf 13,8 Monate bewirkte.
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In der Subgruppe der Patienten mit HER2-Genamplifikation (FISH+) und immunhistochemisch dreifach positiver HER2-Expression (IHC 3+) stieg die mediane Überlebenszeit im Trastuzumab-Arm sogar auf 16 Monate an. Dieses Ergebnis ist von enormer Bedeutung. Wir sind im Hinblick auf die Verbesserung der Überlebenszeit beim metastasierten ösophagogastralen Adenokarzinom in der Vergangenheit ja nicht gerade verwöhnt worden. In Jahrzehnten der klinischen Forschung sind es gerade zwei Studien gewesen, die eine Verbesserung des Überlebens gegen-über einer Standardkombination zeigten (Webb et al. 1997 und Van Cutsem et al. 2006). Zudem war der Zugewinn an Überlebenszeit zum Teil gering und geschah auf Kosten erheblicher Zusatztoxizität. Umso wichtiger erscheint die Tatsache, dass die Addition von Trastuzumab zur Standardchemotherapie bestehend aus Capecitabin und Cisplatin oder 5-FU und Cisplatin ohne zusätzliche Toxizität einherging. Die Ergebnisse der ToGA-Studie stellen erstmalig unter Beweis, dass Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung nun auch in der Therapie des Adenokarzinoms des Magens und des Ösophagus angekommen sind.

Diese führen schon jetzt zu einer stark differenzierten Betrachtung dieser Entität. Das HER2-positive ösophagogastrale Adenokarzinom wird einem vom HER2-negativen gesonderten Therapiealgorithmus folgen. Kliniker müssen rechtzeitig an den Nachweis der HER2-Expression denken; die Pathologen müssen sich mit den Besonderheiten der HER2-Expression beim Magenkarzinom beschäftigen. Die ToGA Studie hat eine bedeutende Frage beantwortet. Viele Fragen bleiben noch unbeantwortet: Welcher HER2-Status im Hinblick auf die IHC/FISH-Konstellation qualifiziert für Trastuzumab? Wie gut sind die Nachweisverfahren und Gradingsysteme zur HER2-Expression beim Brustkrebs auf das diffuse Magenkarzinom übertragbar? Und zu welchem Zeitpunkt nach Diagnose sollte ein HER2-Test erfolgen? Außerdem muss konstatiert werden, dass nicht alle Patienten mit ösophagogastralen Tumoren HER2-positiv sind. Umso dringender stellt sich die Frage nach der Rolle anderer Antikörper wie z.B. Bevacizumab oder Cetuximab. Die Fülle an Fragen, die wir noch beantworten müssen, ist ein positives Zeichen. Die Therapie des Magenkarzinoms und Adenokarzinoms des ösophagogastralen Überganges wird sich auch zukünftig schnell weiter entwickeln. Die Vorzeichen lassen auf eine nachhaltige Verbesserung der Therapiemöglichkeiten hoffen.
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Dr. med. habil. Salah-Eddin Al-Batran,
Klinik für Onkologie und Hämatologie
Krankenhaus Nordwest
Frankfurt am Main

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