Freitag, 30. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Giotrif
Giotrif

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

02. September 2013 Editorial Hodentumore

Die Hodentumore werden grob in Seminome und nichtseminomatöse Keimzelltumore, meist Mischtumore, eingeteilt. Seminome sind strahlensensitiv und können bis zu einem klinischen Stadium IIb (Metastasen im Retroperitoneum bis 5 cm) einer Strahlentherapie zugeführt werden. Die Standardtherapie der metastasierten Nichtseminome besteht aus einer Kombinationschemotherapie mit Cisplatin, Etoposid und Bleomycin. Hierunter ist die Heilungsrate sehr hoch. Entsprechend der Risikoprofile nach der IGCCCG-Klassifikation liegt die rezidivfreie Zeit innerhalb von 5 Jahren zwischen 90 und 41%. Bisher konnten aggressivere Therapieschemata wie das PEI und eine Hochdosischemotherapie in der Primärtherapie keinen wesentlichen Vorteil im onkologischen Outcome erbringen, wohl sind diese Therapien aber mit signifikant höheren Nebenwirkungen assoziiert.

 

Anzeige:
Empliciti
Empliciti

 

Bei einem Rezidiv nach einer adäquaten Primärtherapie hat sich das TIP-Schema mit Paclitaxel, Ifosfamid und Cisplatin etabliert. Inwiefern in diesem Setting eine Hochdosischemotherapie mit einer Verbesserung des Krankheitsverlaufs einhergeht, ist Gegenstand einer derzeit laufenden klinischen Studie.

Aufgrund der hervorragenden Überlebensraten der Patienten mit einem Hodentumor wird besonderes Augenmerk auf Nebenwirkungen der Therapien gelegt. Dies betrifft insbesondere Patienten ohne Nachweis von Metastasen im klinischen Stadium I. In diesem Fall sollte eine Therapieentscheidung anhand von Risikofaktoren getroffen werden. Fehlen diese (Größe des Tumors, eine Rete-testis-Infiltration beim Seminom, eine vaskuläre Invasion und Anteil an embryonalem Karzinom bei Nichtseminomen), sollte dem Patienten eine aktive Überwachung angeboten werden. Somit wird eine Übertherapie bei einem großen Anteil der Patienten vermieden. Hintergrund der forcierten Empfehlung zur aktiven Überwachung ist die Erkenntnis, dass es nach Strahlentherapie beim Seminom im klinischen Stadium I aus den 80er und 90er Jahren zu vermehrten Zweitmalignomen kam. Der Einfluss einer prophylaktischen Chemotherapie ist bisher noch unklar.

Die Arbeitsgruppe von Schuler et al. stellt die aktuellen Therapien der Weichgewebssarkome dar. Analog zu den Hodentumoren handelt es sich um eine seltene Tumorentität, deren Therapie in erfahrenen Zentren erfolgen sollte. Wenn möglich sollte eine operative Entfernung angestrebt werden, was aufgrund des meist fortgeschrittenen Tumorstadiums primär nicht erreicht werden kann. Im Sinne eines multimodalen Therapieansatzes mit neoadjuvanter Chemotherapie oder Radio-Chemotherapie kann ein operativ angehbares Stadium erreicht werden. Insgesamt ist die Kombinationschemotherapie mit einer höheren Rate an kompletten Remissionen aber auch höheren Toxizitäten vergesellschaftet. Die Autoren geben zuletzt einen Ausblick in die Zukunft mit einer individuellen Therapie durch eine targeted Therapie und interessante Studienergebnisse, die auf der diesjährigen ASCO-Jahrestagung präsentiert wurden.

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen Ihr

PD Dr. med. David Pfister
 


Anzeige:
Tecentriq
Tecentriq
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Editorial Hodentumore"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab