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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

07. September 2009 Editorial: Aktuelle Entwicklungen in Diagnostik und Therapie der chronischen myeloischen Leukämie

In dieser Ausgabe von JOURNAL ONKOLOGIE finden sich zwei Übersichtsartikel, welche Neuerungen in der Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren sowie den aktuellen Stand der Diagnostik bei der CML zum Thema haben. Der Beitrag über die Therapieoptionen bei Imatinib-Resistenz oder -Intoleranz (G. Keller, T. H. Brümmendorf) widmet sich insbesondere den Ergebnissen des letztjährigen Kongresses der American Society of Hematology (ASH, 2008) in San Francisco und geht auf die verschiedenen Strategien ein, die bei Imatinib-Resistenz verfolgt werden sowie in größerem Umfang auf die aktuelle Datenlage zur Entwicklung neuer Tyrosinkinaseinhibitoren. Aktuelle Studien-Auswertungen zeigen, dass Nilotinib und Dasatinib aus der zweiten Generation der Tyrosinkinaseinhibitoren hervorragende Alternativen bei Patienten mit einer chronischen Phase der CML darstellen, falls eine Unverträglichkeit gegen Imatinib besteht. Kreuzintoleranz ist selten.
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Bei Imatinib-Resistenz stellt die Umstelllung auf Zweitgenerations-Präparate bei Patienten mit einer chronischen Phase einen vielversprechenden Ansatz dar, der in vielen Fällen eine gute Kontrolle der Erkrankung erlaubt. Im Weiteren geht der Beitrag auf die Entwicklung neuer Tyrosinkinaseinhibitoren ein. Bosutinib (SKI-606) befindet sich derzeit in der Phase der klinischen Prüfung. Von neuen Tyrosinkinaseinhibitoren wie VX-680/MK-0457 und PHA-739358 erhofft man sich eine Hemmung der Mutation T315I, die ein hohes Maß an Resistenz vermittelt, welche mit keinem der bislang vorhandenen Tyrosinkinaseinhibitoren durchbrochen werden kann.

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PD Dr. Bacher
Der zweite Beitrag in dieser Ausgabe fasst den aktuellen Stand der Diagnostik bei der CML zusammen. Der Ausgangspunkt der Überlegungen ist die erhebliche Komplexität der Erkrankung aus phänotypischer und genetischer Sicht im Sinne der charakteristischen Stadienabfolge, des Phänomens der zytogenetischen klonalen Evolution sowie des Spektrums verschiedener BCR-ABL-Fusionstranskripte mit unterschiedlichen Bruchpunkten. Selbst auf zytogenetischer Ebene zeigt sich die Philadelphia-Translokation heterogen, da in niedriger Frequenz kryptische (=submikroskopische) BCR-ABL-Rearrangements oder auch variante Translokationen auftreten. Anhand der Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) lassen sich darüber hinaus noch submikroskopische Deletionen in der Bruchpunktregion identifizieren. Daher überrascht es nicht, dass die Diagnostik bei der CML nur in der Zusammenschau verschiedener Techniken möglich ist, wobei sowohl Zytomorphologie als auch Zytogenetik/FISH und die Molekulargenetik interagieren.

Mit Einführung der Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren ergaben sich darüber hinaus für die Diagnostik der CML neue Herausforderungen: Hier sind das Phänomen der Philadelphia-negativen klonalen chromosomalen Veränderungen unter Imatinib oder das Screening auf BCR-ABL-Mutationen zu nennen. Damit haben auch weitere Techniken wie die denaturierende Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (DHPLC) Eingang in die Diagnostik bei CML-Patienten gefunden. Auch das Spektrum der verschiedenen Methoden der Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung mit Interphase-, Hypermetaphasen- oder 24-Farben-FISH (SKY) hat sich bei der CML erweitert. Angesichts dieser zunehmenden Komplexität der Therapie und Diagnostik der CML gewinnen Spezialsprechstunden sowie eine zentrale Referenzdiagnostik zunehmend an Stellenwert.

PD Dr. Ulrike Bacher, Interdisziplinäre Klinik für Stammzelltransplantation, Universität Hamburg
PD Dr. Claudia Haferlach, MLL, Münchner Leukämie-Labor, München

Quelle:


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