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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. Januar 2004 Editorial 05/03

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0 Das Pankreaskarzinom besitzt innerhalb der Gruppe der gastrointestinalen Tumoren die schlechteste Prognose und ist in der Bundesrepublik Deutschland die fünfthäufigste tumorbedingte Todesursache. Dieses beruht einerseits darauf, dass nur etwa jeder 5. am Pankreaskarzinom erkrankte Patient sinnvoll operabel ist. Doch auch nach erfolgreicher, kurativ intendierter Operation liegt die mediane Lebenserwartung deutlich unter 2 Jahren. Andererseits fehlten in der Vergangenheit die Möglichkeiten, inoperable Tumorstadien erfolgreich medikamentös zu behandeln. Die mediane Überlebenszeit lag bei 3 bis 4 Monaten, so dass insgesamt etwa 95% der an einem Pankreaskarzinom erkrankten Patienten an ihrer Grundkrankheit versterben. Das späte Auftreten von krankheitsspezifischen Symptomen und die eingeschränkten Möglichkeiten der Frühdiagnostik lassen befürchten, dass weiterhin die überwiegende Mehrzahl der Patienten in einem fortgeschrittenen, und damit gegenwärtig inkurablem Stadium diagnostiziert werden.
Mit der Einführung von Gemcitabin steht erstmals ein Medikament zur Verfügung, welches als Monotherapie eine Verdopplung der medianen Überlebenszeit von Patienten mit fortgeschrittenen Pankreaskarzinomen auf etwa 6 Monate ermöglicht. Diese unter klinischen Aspekten moderate Verbesserung der Krankheitsprognose hat neues Interesse an der Behandlung des Pankreaskarzinom geweckt und vielfältige Bemühungen zur Optimierung und Weiterentwicklung der therapeutischen Möglichkeiten ausgelöst.
Einerseits wurde und wird in großen randomisierten multizentrischen Phase-III-Studien geprüft, ob – und wenn ja bei welcher Patientengruppe – eine adjuvante Chemotherapie, insbesondere mit dem in der metastasierten Situation wirksamen Gemcitabin, in der Lage ist, die Prognose der operablen Patienten zu verbessern. Hier sind Anfang des nächsten Jahres aussagekräftige Ergebnisse zu erhoffen.
Für die überwiegende Anzahl der Patienten, die primär in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert werden, kommen adjuvante Therapiemaßnahmen zu spät. Ausgehend von den Weiterentwicklungen der Strahlentherapie, die es ermöglichen auch im Bereich des oberen Abdomen gezielt und mit akzeptabler Verträglichkeit tumorwirksame Dosen zu applizieren, wird in mehreren Studien der mögliche Nutzen einer neoadjuvanten, adjuvanten bzw. palliativen Radiochemotherapie bei lokal fortgeschrittenem, nicht-metastasiertem Pankreaskarzinom untersucht.
Für die Vielzahl der primär oder sekundär im metastasierten Stadium diagnostizierten Patienten richtet sich die Hoffnung auf Weiterentwicklungen der medikamentösen Therapie. Dabei bedarf der oft reduzierte Allgemeinzustand und die Auswirkungen der zu befürchtenden Therapietoxizitäten auf die Lebensqualität der Patienten besonderer Beachtung. Verschiedene in Phase-II-Studien scheinbar wirksame Medikamentenkombinationen sowie die Einbeziehung neuer moderner Therapieprinzipien konnten das Ziel einer Lebenszeitverlängerung in randomisierten Phase-III-Studien nicht erreichen, doch stehen mehrere weitere Phase-III-Studien diesbezüglich kurz vor dem Abschluss. Auch wenn sich in den zurückliegenden Jahren nach der Zulassung für Gemcitabin kein neuerer Standard für die fortgeschrittenen Tumorstadien etablieren konnte, so resultierte aus der Studientätigkeit doch die klare Erkenntnis, dass neben Gemcitabine und 5-Fluorouracil eine Reihe weiterer Medikamente, insbesondere Platinderivate und Taxane beim Pankreaskarzinom wirksam sind, so dass mitunter Zweitlinientherapien in Betracht gezogen werden. Nach optimistisch stimmenden Phase-II-Studien ist auch hier die erste Phase-III-Studie angelaufen, die weitere Grundlagen zur verbesserten Patientenbehandlung im Versorgungsalltag liefern wird.
So sehr die in Gang gekommene kompetitive Studientätigkeit bei Patienten mit fortgeschrittenen Pankreaskarzinomen dazu beigetragen hat, den weitverbreiteten therapeutischen Nihilismus bei dieser Krankheitsentität zurückzudrängen und daher vorbehaltslos zu begrüßen ist, so bleibt doch auch kritisch anzumerken, dass das Ziel einer qualitativ hochwertigen Lebenszeitverlängerung einerseits bzw. eine Erhöhung der Kurationsrate postoperativ durch adjuvante Therapiemaßnahmen andererseits nur durch eine vermehrte Einbringung von Patienten in versorgungsrelevante interdisziplinäre klinische Phase-I/III-Studien erreicht werden kann. Die in den vergangenen Jahren hier aufgebauten deutschen Studiengruppen haben mit Ihren Arbeiten intenational Anerkennung gefunden. In diesem Zusammenhang sind die koordinierenden Aktivitäten der Krebsgesellschaft und der in ihr aktiven wissenschaftlichen Fachgruppen sehr zu begrüßen. Entsprechend dazu sind für die sachgerechte Patientenversorgung interdisziplinäre Zentren zu fordern, die neben den therapeutisch primär beteiligten Fachgruppen auch das gesamte Spektrum der palliativen Patientenbetreung und -beratung anbieten können.

Prof. Hanno Riess, Charité, Campus Virchow-Klinikum, Berlin

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"Editorial 05/03"

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