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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

12. Oktober 2002 Editorial 04/02

0 Das maligne Melanom ist ein Hauttumor mit deutlich zunehmender Inzidenz. Während zu Beginn der 70er Jahre die Inzidenz bei 3 Fällen/100 000 Einwohner und Jahr lag, hat sie bis zum Ende der 90er Jahre auf 12-14 Fälle/100 000 Einwohner und Jahr zugenommen. Damit ist das Melanom aus dem Kreis der seltenen Tumoren herausgetreten. Weiterhin ist das maligne Melanom nahezu für die gesamte Mortalität aller Hauttumoren verantwortlich.
Nicht zu unrecht gilt es als einer der bösartigsten Tumoren überhaupt, da bereits primäre Tumore mit sehr kleinem Tumorvolumen Metastasen absiedeln können.
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Prognose des malignen Melanoms deutlich verbessert. Dies ist weniger auf Fortschritte der Therapie zurückzuführen als auf eine verbesserte Frühdiagnostik. Durch den Einsatz der Auflichtmikroskopie und der Computerdermatoskopie ist es heute möglich, Melanome bereits in einem Entwicklungsstadium zu diagnostizieren, bei dem eine Metastasierung extrem selten ist (Invasionslevel I-II nach Clark). Theoretisch bräuchte bei konsequenter Nutzung dieser Möglichkeiten niemand mehr an einem Melanom zu sterben. In der Tat haben die verbesserten Kenntnisse der Dermatologen und auch anderer Ärzte sowie der Einsatz der neuen diagnostischen Verfahren dazu geführt, dass sich die Eindringtiefe der Melanome in die Haut bei der primären Diagnose (Tumordicke nach Breslow) in den letzten 2 Jahrzehnten halbiert hat. Die 10 Jahresüberlebens-Prognose aller neu diagnostizierten Primärtumoren liegt bei ca. 70% und es werden bei nur 5-10% aller Tumoren zum Zeitpunkt der Erstdiagnose bereits Metastasen festgestellt. An Hand verschiedener Kriterien kann die Prognose des Melanoms heute recht genau vorausgesagt werden. Bei primären Melanomen sind die wichtigsten Kriterien die vertikale Eindringtiefe (Tumordicke nach Breslow), die am histologischen Präparat metrisch gemessen wird. Der zweitwichtigste Faktor ist das Vorliegen einer Ulzeration im histologischen Präparat (Unterbrechung der Kontinuität der Epidermis) und bei dünnen Melanomen auch der Invasionslevel nach Clark. Bei Lymphknoten-Befall ist die Zahl der befallenen Lymphknoten relevant, bei Fernmetastasierung die Art des Organbefalls und die LDH als Tumormarker. Diese Faktoren werden bei in der neuen Stadien-Einteilung des AJCC berücksichtigt, die im Jahr 2001 veröffentlicht wurde.
In der operativen Therapie ist man zu kleineren Sicherheitsabständen übergegangen, die nach der Tumordicke festgelegt werden. Die Wächter-Lymphknoten-Biopsie ist zunehmend in die Routineversorgung von Tumoren mit einer Tumordicke mit 1 mm und mehr eingeführt worden. Für die neue Stadien-Einteilung des AJCC wird die Wächter-Lymphknoten-Biopsie als diagnostische Maßnahme in der Lymphknoten-Ausbreitungsdiagnostik gefordert.
In der adjuvanten Therapie von Hochrisiko-Melanomen wurden Behandlungen mit Interferon-alpha etabliert und die entsprechenden Präparate wurden für diese Indikation zugelassen. Nach wie vor ist die Frage nach der wirksamsten Dosierung und der besten Dauer der Behandlung offen. Aus den bisher vorliegenden Studien können diese Fragen nicht eindeutig beantwortet werden, deshalb wird die adjuvante Behandlung vornehmlich in Studien empfohlen.
Die palliative Therapie des Melanoms bei Fernmetastasierung bleibt nach wie vor unbefriedigend. Hier sind keine größeren Fortschritte oder gar Durchbrüche während der letzten Jahrzehnte zu verzeichnen. Eine zunehmende Zahl prospektiv randomisierter Studien belegt, dass aggressive Polychemo-Therapien, auch in Kombination mit Interferon-alpha und Interleukin-2, zu keiner signifikanten Überlebensverlängerung führen. Daher findet z. Z. eine Rückbesinnung auf weniger aggressive Therapieschemata und best supportive care statt. Die Frage ist offen, ob Vakzinierungstherapien oder neue Substanzen für molekulare Zielstrukturen des Melanoms hier Fortschritte bringen werden.
Die angesprochenen Aspekte bilden den Schwerpunktteil dieses Heftes.

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