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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. August 2003 Editorial 03/03

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0 Jährlich erkranken in Deutschland etwa 10.000 Patienten an den verschiedenen Formen der Leukämie. Damit ist Leukämie eine Erkrankung, die jede Altersgruppe trifft und hohe Kosten verursacht, sie stellt eine große gesellschaftliche Herausforderung dar, die von Ärzten, Wissenschaftlern, pharmazeutischer Industrie und Politikern angenommen werden muss. Die aktuelle Ausgabe von journalONKOLOGIE gibt einen umfassenden, dabei komprimiert und verständlich formulierten Überblick über moderne Behandlungskonzepte für Patienten mit akuten und chronischen Leukämien.
Besseres Verständnis für die Pathophysiologie, genauere Risikoabschätzung, Quantifizierung minimaler Resterkrankung mittels molekularbiologischer Techniken und innovative Medikamente machen die Fortschritte auf dem Gebiet der Leukämie zu den bedeutendsten, die die Medizin in den vergangenen Jahren gemacht hat. Die gängige Chemotherapie ist durch neue Medikamentenklassen ergänzt worden: zum einen durch monoklonale Antikörperpräparate wie Rituximab und Alemtuzumab, die allein oder in Kombination mit Zytostatika eingesetzt, vor allem bei der chronisch lymphatischen Leukämie das Therapiespektrum entscheidend erweitert haben. Zum anderen durch Substanzen des sogenannten „molecular targeting“ wie z.B. Signaltransduktionsmodulatoren, die sich gegen spezifische Genveränderungen der leukämischen Zelle richten. Aberrant aktivierte Moleküle der Signalkette von der Zellmembran zum Kern (Rezeptor-Tyrosinkinasen, zytostolische Tyrosinkinasen, Ras-Proteine) sind Zielstrukturen für die Entwicklung solcher selektiv wirkender Medikamente. Der Inhibitor der ABL-Tyrosinkinase, Imatinib, gilt als der Wegbereiter für diese neue Medikamentengruppe und hat innerhalb von zwei Jahren die Therapiegrundsätze der chronisch myeloischen Leukämie revolutioniert. Solche Leukämie-spezifischen Gene liefern gleichzeitig auch wichtige Informationen, um bereits zum Zeitpunkt der Diagnose eine genauere Prognoseabschätzung für den individuellen Patienten zu erlauben. Sie sind außerdem Grundlage für den molekularbiologischen Nachweis minimaler Resterkrankung. Diese Diagnostik ist hochsensitiv, erlaubt eine feingestimmte Beurteilung des Therapieerfolges und ist damit für die Entscheidung zur Therapieeskalation, z.B. in Richtung Blutstammzelltransplantation von großer Bedeutung geworden.
Fortschritte sind aber auch auf dem Gebiet der allogenen Blutstammzelltransplantation zu verzeichnen, deren Gefährlichkeit durch bessere Strategien der Immunsuppression, reduzierte Konditionierungsintensität und besseres Management der Infektkomplikationen abgenommen hat. So konnte der Kreis der potentiellen Transplantationskandidaten erweitert werden, insbesondere um ältere Patienten, da die Altersgrenze z.B. für die Geschwistertransplantation von 55 auf jetzt 65 Jahre angestiegen ist. Für die unverwandte Transplantation stehen weltweit mittlerweile mehr als 8 Millionen typisierte Fremdspender zur Verfügung, sodass heute in ca. 85% eine Spendersuche erfolgreich abgeschlossen werden kann.
Schließlich muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass die Betreuung von Leukämiepatienten natürlich durch neue Therapie- und Diagnoseoptionen, aber vor allem auch durch intensive Zusammenarbeit zwischen den Behandlungszentren profitiert, begleitet von einem intensiven Erfahrungsaustausch auf internationaler Ebene. Hier haben die Hämatologen gerade auf dem Gebiet der Leukämie beispielhaftes geleistet. Seit mehr als 30 Jahren gibt es in Deutschland große kooperative Therapiestudien für Kinder und Erwachsene mit Leukämie, seit kurzem zusammengefasst im Kompetenznetzwerk „Akute und Chronische Leukämien“ (www.kompetenznetz-leukaemie.de), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Hier werden nicht nur therapeutische Standards optimiert, sondern dazu eine Plattform etabliert, um neue Substanzen auf ihre Wirksamkeit zu prüfen und eine rasche Umsetzung von Forschung in klinische Praxis zu garantieren.
Es ist also Optimismus angesagt für Patienten mit Leukämie, die Zukunft lässt auf Grund der rasanten biomedizinischen Entwicklung weiter steigende Heilungschancen für immer größere Patientengruppen erwarten.

Prof. Dr. Reinhard Andreesen


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